Archäologie Titelbild

Archäologie, Ausgrabungen und Angebote für Kinder: Carmen über Erlebnisarchäologie

Der Mensch ist im Grunde ein großer Haufen Atome, der versucht sich selbst zu verstehen. Das gilt sowohl für die Erforschung des Aktuellen wie in der Medizin als auch für die Erforschung des Vergangenen. Dafür ist die Archäologie wichtig, deren ältester menschlicher Fund übrigens zwei 400.000 Jahre alte Zähne in Israel sind. Aber was steckt eigentlich hinter der Archäologie? Das kann uns meine heutige Interviewpartnerin Carmen erklären, die schon seit vielen Jahren Archäologin ist und mit der ErlebnisArchäologie ihr Wissen an Kinder vermittelt. Im Interview erzählt sie uns mehr über ihren Beruf, Ausgrabungen und warum Kindern Archäologie Spaß macht.

 

 

Wie und warum bist du zur Archäologie gekommen?

Archäologin war tatsächlich mein drittes Berufsziel; nach der Zirkusseiltänzerin im Kindergartenalter und der Tierärztin während der Grundschule. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich schon in dieser Zeit den Bücherschrank in unserem Wohnzimmer hochgeklettert bin, um vom obersten Regal ein schweres Geschichtslexikon herunterzuholen. Ich wollte mir immer und immer wieder die Bilder der Steinzeitwerkzeuge anschauen. Es faszinierte mich irgendwie, dass sich Menschen früher mit so “primitiven” Werkzeugen durchs Leben schlugen.

Aus dieser ersten Faszination wurde dann mehr und mehr Interesse. Ich wollte wissen, wie denn nun diese Werkzeuge funktionierten und wie sie hergestellt wurden. Und woher man das alles heute eigentlich weiß! Ich glaube in der siebten Klasse war ich der Albtraum meines Geschichtslehrers, weil ich gerade bei vorgeschichtlichen Epochen und frühen Hochkulturen daheim nochmal nachlas, um ihm dann in der nächsten Stunde mitzuteilen, dass sein Wissenstand veraltet ist.



Beim Übergang von der achten zur neunten Klasse hatte sich der Gedanke einmal Archäologin zu werden dann schon soweit in mir gefestigt, dass ich zwar nicht den sprachlichen Zug, wohl aber Latein als Arbeitsgemeinschaft wählte. Immerhin wusste ich schon, dass man für ein Archäologiestudium das große Latinum benötigt.

Ich muss aber auch sagen, dass ich mit diesem Interesse große Unterstützung bei meinem Stiefvater fand, der mich darin bestärkte diesen Berufswunsch zu verfolgen auch wenn es im Grunde eine brotlose Kunst ist.

 

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Worum genau geht es bei Archäologie? Ist das einfach wie Geschichte, nur eben ein paar tausend Jahre weiter?

Der grundlegende Unterschied zwischen Geschichte und Archäologie sind die verwendeten Quellen. Die Hauptquellen der Geschichtswissenschaften sind die schriftlichen Überlieferungen, in der Archäologie sind es vor allem die nicht-schriftlichen Zeugnisse früherer Zeiten.

Wobei “früher” dabei relativ ist. Bis vor wenigen Jahrzehnten war es tatsächlich so, dass sich die Archäologie fast ausschließlich mit den Epochen befasste, aus denen noch keine oder nur sehr wenige schriftliche Quellen, also Geschichte im engeren Sinne, überliefert sind. Daher kommt auch die in Deutschland gebräuchliche Fachbezeichnung “Vor- und Frühgeschichte”. Heutzutage gibt es nach oben keine Grenze für die Archäologie. Ich selbst habe den Schwerpunkt Archäologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Industriearchäologie beschäftigte sich ursprünglich mit Zeugnissen der frühen Industrialisierung des 18. Jahrhunderts, reicht aber heute bis weit in die Gegenwart zum Beispiel bei Untersuchungen der in den 60er stillgelegten Eisenbahnanlagen. Es gibt auch Kollegen, die befassen sich mit den Anlagen der unrühmlichen Zeit zwischen 1933 und 1945. Andere untersuchen sogar moderne Müllkippen. Das hört sich jetzt vielleicht extrem an. Aber so wie wir auf heutigen Müllkippen nur einen Ausschnitt unserer Gesellschaft und nicht unsere tatsächliche Lebensrealität wiederfinden, so können wir auch immer nur ein Fenster in die Geschichte öffnen und einen kleinen Ausschnitt der historischen Realität betrachten. Die Kollegen mit den Müllkippen versuchen nun unter anderem empirisch zu erfassen, wie groß der für uns erfassbare Ausschnitt der Vergangenheit denn nun tatsächlich ist.

 

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Hast du selbst auch schon Ausgrabungen gemacht und nach Dingen aus alter Zeit gesucht? Ist das nicht frustrierend wenn man da so viel graben muss für ein paar kleine Dinge?

An meiner ersten Ausgrabung habe ich schon vor Beginn des Studiums teilgenommen. Und auch während der Semesterferien habe ich immer versucht als studentischer Grabungshelfer bei Projekten zu verschiedenen Epochen und mit verschiedenen Methoden unterzukommen, um hier ein möglichst breit gefächertes praktisches Wissen zu erwerben. Im Anschluss an mein Studium war ich dann mehrere Jahre als Grabungsleitung bei unterschiedlichen archäologischen Untersuchungen im Einsatz. Das ging von der Baubegleitung, bei der ich allein vor Ort war, um gegebenenfalls schnell Befunde zu dokumentieren und Funde zu bergen, die zum Beispiel bei Kanalarbeiten auftraten, bis hin zu Großprojekten mit bis zu 20 Mitarbeitern, bei denen wir ganze ehemalige mittelalterliche Dörfer untersuchten. Aktuell habe ich das Glück, dass in der Nähe meines Wohnorts die neue Trasse der A94 verlaufen wird und ich hier die Kollegen halbtags als Allroundkraft unterstützen kann und so Familie, meine freiberufliche Tätigkeit in der Vermittlung und eben die Leidenschaft fürs Graben unter einen Hut bringen kann.

Und was das Frustrationspotential anbelangt: Funde sind zwar eine schöne Sache, weil sie uns etwas über das Alltagsleben früherer Zeiten erzählen, und vor allem auch wichtig zur Ermittlung der Zeitstellung einer Fundstelle sind. Das tägliche Brot der Archäologie ist aber der Befund. Also die Verfärbungen des Bodens, die durch menschliche Eingriffe entstehen und deren Schichtmuster uns ganz viel über die Besiedlungsgeschichte und über frühere Bauformen verraten. Solche Erdschichten, Gruben und Gräben, aber auch Mauerreste und vieles mehr findet man überall, wo sich Menschen einmal bewegt und aufgehalten haben. Und wo sie zum Beispiel am Rande eines Untersuchungsgebiets fehlen, liefert auch das Erkenntnisse: nämlich über Ausdehnung und Verlauf von Siedlungsräumen.

Was dagegen wirklich frustrierend sein kann, ist die allgemeine Situation der Archäologie: Angefangen bei der oft nur geringen Akzeptanz für unsere Arbeit in der Bevölkerung. Für viele Bürger ist die Suche nach Belegen früherer Besiedlungen leider nur eine unnötige Zeitverzögerung bei anstehenden Bauvorhaben, die noch dazu nur Kosten aber in ihren Augen keinen Nutzen bringt. Und da Politiker sich aus dieser Bürgerschaft rekrutieren, spiegelt auch ihr Handeln diese Mehrheitshaltung wieder. Die Mittel für archäologischen Untersuchungen wurden in den vergangenen Jahren massiv gekürzt und selbst in den Bundesländern, wo im Rahmen des Verursacherprinzips der Bauträger zumindest einen Teil der Kosten für die archäologische Voruntersuchung tragen muss, ist es selbstverständlich diese durch zeitlich extrem knappe Untersuchungsfenster und eine Ausschreibungsmentalität, die fast schon unrealistischen Angeboten der Grabungsfirmen provoziert, zu drücken.

Das führt dann auch dazu, dass man als Archäologe, wenn man nicht gerade einen der seltenen Posten in einem Denkmalamt oder Museum ergattert hat, selten länger als ein halbes Jahr an einem Ort ist. Archäologen sind Zugvögel, die den Projekten fast schon europaweit hinterherreisen. Man lebt oft ohne richtigen Lebensmittelpunkt über Jahre aus dem Koffer. Außerdem ist Archäologie ein Saisongeschäft. In den Wintermonaten laufen nur ganz wenige Projekte und entsprechend oft klopft man beim Arbeitsamt an. Bedingt durch den Preisdruck bei den Ausschreibungen erhalten selbst Grabungsleiter mit langjähriger Erfahrung und Personalverantwortung oft nicht mal 2400 € / brutto, nicht selten bei einer 50-Stunden-Woche. Da bewegt man sich als Akademiker bei einem Stundenlohn unter 10 € und wenn man jetzt noch die Ausfallzeiten mitnimmt, dann rutscht man übers Jahr schnell unter den Mindestlohn. Da gehört dann schon viel Enthusiasmus dazu, um nicht den Bettel hinzuschmeißen. Und nicht wenige Archäologen kehren dem Fach über kurz oder lang den Rücken, weil es schlicht nicht zum Leben reicht und man gleichzeitig noch sozial verarmt. Auch ich hatte ja über 10 Jahre pausiert, nochmal eine ganz neue Ausbildung abgeschlossen und erstmal in meinem zweiten Beruf mein Einkommen gesucht.

Die Liebe zur Archäologie ist aber nie verschwunden. Und ich bin wirklich froh, dass sich im vergangenen Jahr die Gelegenheit geboten hat, in die Archäologie zurückzukehren. Jetzt versuche ich neben der Teilnahme an Grabungen gerade dieser negativen Einstellung in der Bevölkerung ein wenig entgegen zu wirken, indem ich mit Programmen rund um das Thema Archäologie und Geschichte an Kindergärten und Schulen gehe, um hier schon früh Kinder für diese Fächer zu interessieren.

 

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Die Wissenschaft weiß heute ja schon sehr viel. Was sind ungelöste Rätsel nach deren Lösung Archäologen heute suchen?

Unser Bild der Geschichte kann nie ein vollständiges sein. Wo es Schriftquellen oder Bilder gibt, wurden diese nicht angefertigt, um der Nachwelt einen Bericht über das eigene Leben zu hinterlassen. Sie waren stets für die Zeitgenossen gedacht und stehen im Wissenkontext ihrer Zeit. Entsprechend konnten allgemeingültige Information weggelassen oder standardisiert werden. Um heute historische Quellen zu verstehen, braucht es Wissen um den Gesamtkontext. Und jeder noch so kleine neue Puzzlestein kann helfen ein größeres Stück vom Gesamtbild zu erhaschen und zu verstehen.

Ein Beispiel: Früher war man der Ansicht, dass die Menschen im Mittelalter generell viel kleiner waren als heute. Ursprung für dieses Geschichtsbild waren historische Gebäude mit niedrigen Decken-/Durchgangshöhen, extrem kurze Betten oder auch vermeintlich kleine Rüstungen. Dank archäologischer Untersuchungen von Gräbern in ganz Europa weiß man heute aber, dass die Menschen im Mittelalter in etwa die gleiche durchschnittliche Körpergröße hatten, wie noch Anfang des 20. Jahrhunderts. Aber woher kommt dann das Bild des kleinen Mittelaltermenschens? Es muss also andere Erklärungen für kleine Gebäude, Möbel und Rüstungen geben.

Nun, auch im Mittelalter war Bauholz stellenweise schon knapp und nicht immer waren gleichmäßige Balken über eine gewisse Mindestlänge verfügbar. Auch lassen sich niedrige Räume besser heizen als hohe. Die kurzen Betten kommen daher, dass man auf Grund weit verbreiteter Atemwegsprobleme weniger flach liegend, als vielmehr im Sitzen geschlafen hat. Und die kleinen Rüstungen? Die wurden lange Zeit schlicht falsch ausgestellt. Erst als man auch mal auf die Idee kam, diese praktisch zu testen, merkte man, dass die Teile nicht so bündig getragen werden konnten. Etwas Bewegungsfreiheit und somit mehr Abstand zwischen den einzelnen Rüstungsteilen musste schon sein. Und schon waren die Ritter ein paar Zentimeter größer.

Oder nehmen wir den unlängst unter einem Parkplatz in England wiederentdeckten und mittlerweile auch erneut bestatteten König Richard III. Er wird von Shakespeare als buckelig beschrieben und da die meisten Gemälde von ihm auch erst gut 30 Jahre nach seinem Tod entstanden, gab es keinerlei Einigkeit über sein Aussehen. Jetzt konnten seine Knochen untersucht werden und wir wissen, dass er zwar keinen Buckel, aber Skoliose hatte. Und dank seiner DNA kennen wir nun auch Augen- und Haarfarbe. Zusammen mit einer forensischen Gesichtsrekonstruktion anhand seines Schädels konnte zudem aufgedeckt werden, dass zumindest ein überliefertes Bild wohl den wahren Richard III zeigt.

Im Grunde ist unsere gesamte Geschichte noch ein ungelöstes Rätsel. Die weißen Flecken sind definitiv größer als die erhellten Bereiche. Und selbst bei denen können wir uns oft nicht sicher sein, ob wir sie tatsächlich richtig deuten. Immerhin gehen wir an alle Frage mit unserem heutigen Sachverstand heran. Lange Zeit war es Unsitte, alles was wir nicht verstanden als “kultisch” anzusprechen. Das hat sich zum Glück geändert. Heute steht die Archäologie zu ihren Wissenslücken und kann auch schon mal sagen “Wir können das im Moment noch nicht deuten”.

 

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, selbst einen Sensationsfund wie Tutanchamun zu machen?

Das kommt erst einmal darauf an, was man unter Sensationsfund versteht. Goldfunde in der Anhäufung wie im Grab von Tutanchamun sind für alle Epochen relativ selten. Gold selbst war nicht immer und überall das wirklich wertvollste Metall. Sein besonderer Stellenwert stammt von seinem besonderen haltbaren Glanz und seiner Unvergänglichkeit. Daher wurde es schon früh vor allem für den mythisch-religiösen, aber auch den herrschaftlichen Bereich vorbehalten. Entsprechend ist der Aussagegehalt solcher Funde für unser Wissen um das Leben frühere Epochen relativ gering, da sie nur einen Aspekt des Lebens gewisser Eliten widerspiegeln.

Zugegebenermaßen sind es aber vor allem die Goldfunde, die vor allem bei der breiten Öffentlichkeit auf Interesse stoßen. Denn die Faszination für dieses glänzende Material hat sich über all die Generationen gehalten. Und es ist schon auch ein besonderes Gefühl, wenn es einem vergönnt ist, einmal ein goldenes Stück selber auszugraben. Ein Gefühl, dass aber dem normalen Archäologen, der zumeist ja Siedlungsstrukturen oder Grabstätten der einfachen Bevölkerung untersucht, eher selten vergönnt ist.

Aber um es mit Frank Brunecker, Museumsleiter in Biberach zu sagen: “Der eigentliche Schatz des Archäologen ist Erkenntnis”. Und so werden die Begriffe “Sensation” oder “Schatz” in Archäologenkreisen eher für andere Dinge benutzt: der nach einer Grabung nun materiell fassbare Beleg, dass eine Stadt mindestens 100 Jahre älter ist, als bisher angenommen, kann auf Grund seiner besonderen historischen Bedeutung eine Sensation sein. Und besonders gut erhaltene hölzerne Gefäße und Geschirrteile können in manchen Gebieten, wo Holz sonst im Boden schnell verfällt, auf Grund ihrer Seltenheit ein Schatz sein, der uns Einblick in das tägliche Leben gewährt.

Solche “Sensationen” oder “Schätze” kommen dann schon etwas häufiger vor. Aber sie sind sicher auch nicht alltäglich. Und häufig stellt sich der besondere historische Stellenwert eines Grabungsbefundes oder eines Fundes erst im Nachgang bei der Aufarbeitung durch Dritte heraus. Wenn es dann den Weg in die Presse findet, hat man vielleicht das Glück im Nachgang noch zu erfahren, dass man an dieser “Sensation” beteiligt war.

 

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Wie bist du auf die Idee gekommen, Archäologieveranstaltungen für Kinder zu veranstalten?

Seit meinem Studium schlagen im Grunde zwei Herzen in meiner Brust. Mein ursprüngliches Ziel war tatsächlich in die Vermittlung, sprich ins Museum zu gehen. Entsprechend habe ich auch schon an der Uni fachübergreifend bei den Pädagogen Seminare zur Museumspädagogik und -didaktik belegt und auch mehrere Museumspraktika absolviert. Mit zunehmender Grabungserfahrung und damit auch wachsender Verantwortung und wissenschaftlicher Einbeziehung konnte ich mir aber auch immer mehr eine Tätigkeit in der Feldarchäologie vorstellen. Außerdem zeigte mir die Praxis, dass auch hier die Vermittlung historischer Erkenntnisse und Hintergrundinformationen zur bestehenden Ausgrabung durchaus zum Arbeitsfeld gehören. Man entwirft Infotafeln für Passanten, entwickelt Besucherprogamme mit kleinen Ausstellungen für den Tag des offenen Denkmals oder betreibt spontan Öffentlichkeitsarbeit über den Bauzaun.

Besonders gerne habe ich mich da schon immer mit Fragen von Kindern auseinandergesetzt, weil die sich noch trauen auch vermeintliche selbstverständliche Dinge anzusprechen und noch unvoreingenommen an eine Sache herangehen. Und wenn mal ein Lehrer fragte, ob es möglich wäre, die Grabung mit der Klasse zu besuchen, fand ich eigentlich immer die Zeit dafür. Immer getreu der Devise, die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen und wenn sie sich heute für Archäologie interessieren verteufeln sie sie hoffentlich in der Zukunft nicht.

Als ich jetzt nach der Elternzeit mit meinen eigenen Kindern eine familienverträgliche Wiedereinstiegsmöglichkeit in das Berufsleben suchte, erinnerte mich mein Mann daran, wie viel Spaß es mir früher gemacht hat Kindern historische Zusammenhänge zu erklären und wie natürlich ich diese Dinge auch unserem eigenen Nachwuchs vermittele. Gleichzeitig wusste ich nun auch aus eigener Erfahrung, wie aufwändig es gerade im ländlichen Bereich ist, mit einer ganzen Kindergartengruppe oder Klassen einen Besuch in einem Museum zu organisieren. Daraus entwuchs dann die Idee mich mit der ErlebnisArchäologie selbständig zu machen und quasi das Museum oder auch die Ausgrabung in den Kindergarten oder die Schule zu bringen.

 

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Was können die Kinder dann alles machen?

Besondere Beliebtheit hat das Programm “Einmal Archäologe sein”, bei dem die Kinder selber einmal ein paar Scherben ausgraben können. Und weil man ja selten nur Scherben im Museum sieht, gilt es anschließend diese noch zusammen zu puzzlen, zu kleben und die fehlenden Puzzleteile zu ergänzen. Hier können die Kinder im Kleinen erfahren, wie aufwendig es ist, bis man archäologische Funde im Museum bewundern kann und eben auch, dass wir selten alle Bruchteile der Geschichte finden.

Ich habe auch ein Projekt, bei denen wir uns viel über zeitliche Abfolgen unterhalten und woher Archäologen eigentlich wissen, in welcher Reihenfolge was an einem Ort geschah. Am Ende kann sich dann jeder sein eigenes Profil erarbeiten, ganz ähnlich den professionellen Lackprofilen, die man manchmal in Museen sehen kann. Viele andere Angeboten gehen eher in Richtung einer klassischen handwerklichen Tätigkeit. Die Kinder können sich selber ihren Steinzeitschmuck entwerfen, römische Mosaike legen, Spielzeuge frühere Epochen selbst herstellen und ausprobieren oder auch mal erste Erfahrungen mit alten Handwerkstechniken wie dem Spinnen, Kammweben, der Papyrusherstellung und vielem mehr sammeln.

Wichtig dabei ist mir immer, dass die Kinder selbst Hand anlegen. Sie sollen Geschichte selbst erleben und im wahrsten Sinne des Wortes “begreifen”. Und am Ende können sie ihr eigenes Werkstück auf jeden Fall als materielle Erinnerung mit nach Hause nehmen.

 

Sind die Veranstaltungen nur für das Erlebnis und den Spaß an der Sache oder soll den Kindern auch Wissen vermittelt werden?

Es soll beides erreicht werden. In erster Linie geht es sicher darum zu vermitteln, dass Geschichte keine trockene, langweilige Materie sein muss, sondern im Gegenteil sehr spannend sein kann. Ich möchte prinzipielles Interesse für die Vergangenheit wecken und gleichzeitig auch sensibilisieren, wie wichtig die Arbeit der Archäologie aber auch allgemein der historischen Wissenschaften für das Verständnis unser eigenen Gesellschaft ist.

Aber selbstverständlich wird dabei auch Wissen vermittelt. Allein der Anspruch an mich selbst als Wissenschaftlerin gebietet mir dabei, keine falschen Fakten in den Raum zu stellen. Sicher muss man diese altersgerecht verpacken und inhaltlich auch Abstriche machen. Ein Kindergartenkind kann noch nicht die gleiche Informationsfülle verarbeiten, wie zum Beispiel ein Gymnasiast. Aber natürlich versteht es, dass es in der Menschheitsgeschichte Entwicklungen gab, wie zum Beispiel vom Steinwerkzeug hin zu unseren modernen Kunststoffmaterialien.

Entsprechend baue ich auch immer spielerisch umgesetzte Theorieeinheiten ein, wo eben zum Beispiel Gegenstände in ihrer historischen und ihrer jetzigen Form einander zugeordnet werden. Außerdem gibt es bei jedem Projekt immer die Möglichkeit einer oder mehrerer offener Fragerunden. Und da gilt dann prinzipiell: “Es gibt keine dumme Fragen, sondern nur dumme Antworten”.

 

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Für welche Altersgruppen sind die Veranstaltungen alles interessant?

Ich sage immer ab Kindergartenalter aufwärts. Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle Programme tatsächlich auch schon für 3- bis 4-jährige tauglich. Ich steuere das über die sinnvolle Gruppengröße, gegebenenfalls zusätzliche helfende Hände und vor allem eine entsprechende Vorbereitung meinerseits. Bei den ganz Kleinen gibt es eben nur zwei Scherben zum wieder zusammenpuzzeln, die Großen müssen sich schon mal mit 6 bis 7 Teilen herumschlagen. Und so sind im Grunde alle meine Angebote konzipiert, flexibel an die Anforderungen einer Gruppe anpassbar durch den Umfang meiner Vorbereitungen oder auch die Wahl der verwendeten Materialien.


Was macht dir Spaß an deinem Beruf?

Was mich so an meiner Arbeit als Archäologin fasziniert, ist der Umstand, dass es im Grunde keine Routine gibt: jede Grabungsstätte ist anders, jedes neue Team hat seine eigene Dynamik. Und auch in der Vermittlungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen kann man immer wieder etwas neues erleben. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht glauben kann, aber das was die Archäologie für mich so besonders macht, ist dass man mit Menschen und über Menschen arbeitet.

Aber sicher ist da natürlich auch die Faszination daran, dem Boden mit den unterschiedlichsten Methoden Informationen über frühere Epochen zu entlockt und teilweise mit kriminalistischem Spürsinn Puzzelteil um Puzzelteil zusammenzufügen. Auch hier weiß man nie was einen im Detail erwartet, wenn man den Oberboden abgetragen hat: wie sind die Erhaltungsbedingungen, wird es Fundstücke geben, die uns die Datierung ermöglichen oder wartet gar eine “Sensation” auf uns?

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Bilder im Artikel: Carmen/ErlebnisArchäologie

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