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Der Kinderdok über den Beruf des Kinderarztes

Wir alle waren irgendwann einmal Kinder und sind in dieser Zeit – hoffentlich nicht allzu häufig – zum Kinderarzt gegangen. Gerne haben das die meisten wohl nicht gemacht, weil man ja erstens nicht zum Arzt geht wenn man kein gesundheitliches Anliegen hätte und zweitens – seien wir ehrlich – noch nie jemand gerne mit Nadeln in Kontakt kam. Zum Abschluss gab es dann aber immer etwas Süßes, und die Welt war wieder in Ordnung. Der Kinderdok, der seine Erlebnisse anonym auf seinem Blog festhält, erzählt uns mehr über das Kinderarzt-Dasein und über Ärzte im allgemeinen.

 

 

 

 

Wieso bist du gerade Kinderarzt geworden?

Die chirurgischen Disziplinen liegen mir nicht so, auch nicht der Menschenschlag dahinter. Augen, Urologie oder Dermatologie waren mir zu speziell, außerdem will ich mit meinen Patienten reden. Also kam nur der Innere Bereich für mich in Frage, hier frustrierte mich aber die Vielkrankheit vieler Patienten: Man behandelt, und zwei Tage später sind die meisten (alten) Leute wieder da mit der nächsten Krankheit.

Bei den Kindern ist das anders: Die kannst Du wirklich gesund machen.


Kann man nach einem abgeschlossenen Medizin-Studium jede Art von Arzt werden und gibt es dann noch eine zusätzliche Ausbildung?

Früher konnte man nach dem “Regelstudium” so genannter Praktischer Arzt werden, das heißt Knall auf Fall eine Praxis gründen. Seit etwa über 15 Jahren geht das nicht mehr, man muss sich spezialisieren: Innere, Allgemeinmedizin, Chirurgie, Gynäkologie etc. pp., bedeutet nach dem Regelstudium von 6 Jahren an der Uni folgen noch ca. 5-7 Jahre Facharztausbildung. Welche Facharztweiterbildung man allerdings ergreift, steht einem frei. Da viele diese zusätzliche Zeit scheuen, wandern auch Medizinstudenten nach dem Studium in die Industrie oder in ein Zweitstudium ab.

 

Wie ist Arbeit als Kinderarzt

 

Muss man ein Händchen für den Umgang mit Kindern haben, oder ist die fachliche Kompetenz letztlich wichtiger?

Sicher braucht es ein Händchen, einen Draht zu Kindern. Ich glaube aber, dass man das während der Ausbildung merkt. Wer das nicht hat, wird am Ende keinen Spass am Job haben. Eine grundsolide Ausbildung ist Gold wert, aber: Wir haben mit Patienten zu tun, die erstmal nicht sagen können, was ihnen fehlt und dazu mit Eltern, die oft mehr befürchten, als wissen, was ihr Kind hat. Da braucht es schon ein wenig Empathie, ja, glaube schon.

 

Mittlerweile kann man über das Internet herausfinden, welche Krankheit man hat und was man dagegen tun kann. Stimmt das im Netz übermittelte Wissen oder sind das eher Halbwahrheiten?

Nein, man kann das im Internet nicht herausfinden, und man sollte sich auch nicht diesem Trugschluss hingeben. Früher meinte man auch, mit einem “Hausbuch der Gesundheit” alles selbst zu wissen, aber: Was in den Lehrbüchern steht ist immer das Idealbild einer Krankheit, das reine Lehrbuchwissen. Nimmt man alleine die Vielfalt von Ausschläge und Pickelchen – da kommen sogar erfahrene Ärzte ins Schwimmen. Dazu kommt, dass im Internet jeder schreiben darf. Und so wird aus schwarz auf weiß, was früher richtig war, jetzt bunt und java-animiert und damit angeblich richtig.

Jeder ist gut beraten, insbesondere in Medizinfragen genau zu schauen, wer da schreibt und aus welchen Quellen – gerade bei Impffragen hat sich ein Halbwissen aufgetan, das von einem zum anderen abgeschrieben wird – ein Graus.

 

Passiert es oft, dass sich ein Arzt oder eine Schwester von einem Patienten anstecken?

Nein, eigentlich nicht. Wir desinfizieren uns die Hände. Viele Ärzte und Medizinische Fachangestellte durchlaufen eine Krankheitszeit am Anfang der Ausbildung, dann hat man mal die häufigsten Erreger erlebt – das gibt sich mit der Zeit.

 

Ist man als Arzt abgeklärter wenn man selbst krank wird oder sich Eingriffen unterziehen muss?

Eine gute Frage. Ganz sicher nicht. Im Gegenteil: man ist sicher a) informierter und damit auch ängstlicher und b) kennt man die Abläufe in Praxen und Kliniken und schlägt manchmal innerlich die Hände überm Kopf zusammen. Bekannt ist aber leider auch bei Ärzten, dass sie c) ihre eigenen Beschwerden nicht wahrhaben wollen und zu spät zum Arzt gehen.

 

Wo liegt aus der Sicht des Arztes der Unterschied zwischen privat- und staatlich versicherten Patienten?

Staatlich versichert ist bei uns niemand. Es gibt die so genannte gesetzliche Versicherung, das heißt jeder Mensch muss in Deutschland eine Krankenversicherung haben. Die Regierung hat damit nichts zu tun, es ist Gesetz. Unterschiede in den Erkrankungen gibt es bei Privat und Gesetzlichversicherten nicht – das ist alles. Wer sonst Unterschiede macht, handelt unsozial.

Dennoch: Wir sind bekanntermaßen in unseren Patientenzahlen gedeckelt, das heißt ich darf – sagen wir – 1200 (GKV-)Patienten im Quartal behandeln. Wenn ich mehr behandele, erhalte ich diese nicht vergütet, das heißt ich behandele sie kostenlos. Diese Deckelung soll verhindern, dass ein Arzt anderen Kollegen die Patienten abspenstig macht. Aber irgendwo müssen Patienten auch hin, wenn sie umziehen, oder Neugeborene sind, oder wenn eine Grippewelle übers Land geht. Aber hier wird kein Unterschied gemacht. Das ist übrigens auch der Grund, warum viele Fachärzte Termine für Gesetzlichversicherte sehr spät vergeben: Oft ist die Kapazität für das Quartal erschöpft. Nimmt man die Patienten trotzdem an, behandelt man sie kostenlos. Wer möchte das schon?

Bei Privatversicherten gibt es diese Grenze nicht – jeder einzelne geht einen direkten Vertrag mit dem Arzt ein, daher bekommt er auch alle Leistungen vergütet (wenn der Patient zahlt…).

 

Kinderarzt werden

 

Wie kommt es, dass man manchmal sehr lange Wartezeiten hat? Sind die Termine zeitlich nicht großzügig genug geplant?

Zu den Wartezeiten in der Praxis gibt es viele Störfaktoren:

- Eltern kommen ohne Termine

- Kindertermine kann man nie perfekt planen – manche Vorsorgeuntersuchung dauern eben länger als andere

- Ein echter Notfall kommt dazwischen

- Es wurde ein “kurzer” Termin vergeben (Impfung etc.), die Eltern packen aber eine Liste an Fragen aus.

- Es wurde ein Termin für ein Kind gewünscht, es werden dann aber die vier Geschwisterkinder mitgebracht

- Wer lange wartet, meint nun auch, den Arzt länger beanspruchen zu dürfen.

- In Gemeinschaftspraxen: Ein Arzt fällt aus und muß nun die Arbeit für zwei machen.


Wir Ärzte können nur an uns selbst arbeiten: Zügig und zielorientiert arbeiten. Meist wird uns unterstellt, wir haben daher zu wenig Zeit. Meine Erfahrung ist: Die meiste Zeit geht drauf, wenn Eltern nicht respektieren, dass es ein Bestellsystem gibt, sondern kommen, wann sie wollen.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Apotheken und Arzt Zeichen an Gebäude: FotoHiero  / pixelio.de; Laborergebnisse notieren: Jörg Brinckheger  / pixelio.de

  • http://www.wochenendrebell.de/?p=126 Wochenendrebell

    Nettes Blog.Coole Idee. ich wüsste jemand für ein spannendes Interview zum Umgang mit Kindern im Jugendfußballbereich.

    • Marten2

      Das klingt interessant, hast du eine Kontakt-Mail Adresse für mich?

  • nickel

    Ich bin gerade über den Kinderdok hier rein gekommen und würde sagen: hier schau ich öfters vorbei! Sehr schöne Fragen und gutes Blogkonzept. Vor allem gefällt mir die Vielfalt sehr gut, weiter so!

    Liebe Grüße,

    nickel vom Brüllmausblog

  • Max Kuckucksvater

    Schöner Blogtitel, könnte auch ein Sendeformat sein.

    Mich interessiert, was hat den Kinderdoc zum Bloggen gebracht und wie war der Beginn als Blogger für ihn?

    Warum rät er Kindern zur Impfung und zu welchen und was macht ihn an homöopathischen Behandlungsmethoden so wütend?

    Ich selbst halte Impfungen ebenfalls für wichtig und die ganzen Zuckerkügelchen der Homöopathie für absoluten Simsalabimquatsch, doch eine Kernaussage dazu wäre im Interview echt toll.

    • Marten2

      Dazu fragst du den Kinderdok am besten selbst, die E-Mail Adresse lautet kinderkok (at) yahoo.de

  • Wolfy

    Oh der letzte Absatz… streiche Eltern und ersetze Patient. Da dürfen wir alle an uns arbeiten. ;)

    *auch über Kinderdok gekommen und nun mal in die Favos eingepflegt*

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