Feuerwehrmann werden Titelbild

Henrik über seinen Alltag als Feuerwehrmann

Die Geschichte der Feuerwehr reicht weit zurück. Während es in der Vorzeit noch keine organisierte Brandbekämpfung gab und die Leute auf eigene Faust gegen die Feuer gekämpft haben, gab es schon bei den alten Ägyptern organisierte Feuerlöscheinheiten. Die wurden vor allem durch die Erfindung der Feuerspritze durch Ktesibios von Alexandria um 250 v. Chr. vorangetrieben. Die ersten Feuerwehrstationen in Deutschland entwickelten sich im Zuge der bürgerlichen Revolution 1848. Damals waren das zunächst nur freiwillige Feuerwehren mit ehrenamtlichen Mitarbeitern, die auch heute noch den Großteil aller Feuerwehrmänner ausmachen, die 24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche sowie 365 Tage im Jahr auf Abruf bereit stehen und dabei noch viel mehr machen als Feuer zu bekämpfen. Henrik, der als firefox05c über seine Erlebnisse als Feuerwehrmann bloggt, gibt uns Einblicke in diesen Beruf.

 

 

 

Wie bist du zu deinem Beruf als Feuerwehrmann gekommen?

Viele Kinder wollen Feuerwehrmann werden. Mit der Mitgliedschaft in einer Jugendfeuerwehr wird dieser Wunsch zwar oft noch eine Weile beibehalten, aber irgendwann wird er von den meisten begraben. Ich bin dabei geblieben, wenn auch zunächst “nur” bei der Freiwilligen Feuerwehr.
Nach meiner Ausbildung zum Automechaniker arbeitete ich zunächst noch drei Jahre in dem Beruf, bevor ich merkte, dass ich das nicht ein ganzes Leben lang machen wollte, und erinnerte mich an meinen alten Traum: Ich bewarb mich in Folge fast genau zwei Jahre lang bei verschiedenen Berufsfeuerwehren. Bei einer großen Berufsfeuerwehr im Ruhrgebiet klappte es dann.



Welche Ausbildung absolviert man dafür?

Zunächst ist in der Regel ein handwerklicher oder ein anderer, der Feuerwehr dienlicher Beruf (zum Beispiel Krankenpfleger) erforderlich, um die Einstellungsvoraussetzungen zu erlangen. Einige Feuerwehren wie Düsseldorf und neuerdings auch Berlin bieten eine “Stufenausbildung” an, um auch Bewerbern, die direkt von der Schule kommen, einen Einstieg zu ermöglichen: Sie bekommen dann über die Feuerwehr zunächst eine handwerkliche Ausbildung, gefolgt von der feuerwehrtechnischen. In der Regel müssen die Bewerber allerdings den Gesellenbrief mitbringen.
Die feuerwehrtechnische Ausbildung beinhaltet das gesamte Spektrum, welches man für seine späteren Einsätze braucht. Das ist theoretischer Unterricht in Baukunde, Löschlehre, einfache Physik und Chemie, in den meisten Bundesländern zählt auch die rettungsdienstliche Ausbildung hinzu. Der praktische Unterricht erstreckt sich über die einfache Unterweisung in die Geräte der Feuerwehr, Atemschutzausbildung, Rettungsschwimmabzeichen, Umgang mit Kettensägen, hydraulischen Rettungsgeräten, Abseil- und Sicherungsmaterial. Auch der LKW- Führerschein wird gemacht. Abgerundet wird die Ausbildung mit Praktika auf den Wachen im Alarmdienst und im Krankenhaus, zum Beispiel auf der Intensivstation oder im OP (Anästhesie). Die Ausbildung ist also nicht etwas, was man mal eben so nebenbei macht, indem man ein paar Schläuche rollt.

 

Was macht ein Feuerwehrmann

 

Für welche Dinge wirst du gerufen? Welche Einsätze sind dabei am häufigsten?

In NRW leisten die Feuerwehren auch den Rettungsdienst. Die meisten Einsätze liegen in diesem Bereich. Mit dem Rettungswagen wird man sehr oft für internistische Notfälle gerufen, zum Beispiel Atemnot oder Herzprobleme. Nur etwa ein Drittel sind sogenannte chirurgische Notfälle, also der klassische Haus- oder Verkehrsunfall. Im klassischen Feuerwehrbereich werden wir oft zu kleineren Einsätzen gerufen: Ölspuren auf den Straßen beseitigen, Türöffnungen, wenn ein Patient die Wohnung nicht mehr selbst für den Rettungsdienst öffnen kann, Kleinbrände von zum Beispiel Abfalltonnen und Kochtöpfen. Viele Einsätze sind leider auch Fehlalarme durch automatische Brandmeldeanlagen. Die Einsätze, die man schließlich in der Zeitung wiederfindet, wie schwere Verkehrsunfälle mit Eingeklemmten oder Großbrände, sind glücklicherweise nicht das hauptsächliche Tagesgeschäft.

 

Was machen die Feuerwehrleute wenn gerade kein Einsatz ist?

Nach dem Dienstbeginn steht täglich der Fahrzeug- und Gerätecheck an: Die Besatzung eines Fahrzeuges überprüft dabei anhand von Listen, ob alle Ausrüstungsgegenstände vorhanden und funktionsfähig sind. Das dauert etwa eine Stunde. Danach folgt zum Beispiel Unterricht zu Geräten oder Einsatztaktiken und Informationen über Neuigkeiten der Branddirektion oder aus den anderen Fachbereichen der Feuerwehr (Atemschutzabteilung, Rettungsassistentenschule oder Abteilung für Gerätetechnik). Auch kleine Übungen mit Teilen der Ausrüstung werden gemacht. Arbeitsdienst in der Wache wie kleinere Reparaturen und Wartungen am Gebäude, Reinigung von Fahrzeug und Gerät, Kontrollfahrten zu Baustellen (für die Feuerwehr müssen schließlich Durchfahrts- und Zugangsmöglichkeiten bleiben) und Dienstsport füllen den Tagesablauf. Dazu zählen auch Grünarbeiten und Winterdienst rund um das Wachgebäude. In jeder Schicht liegt irgendeine Arbeit an, da die Feuerwehr vieles selbst macht: Schlauchwäsche, Desinfektion der Rettungswagen, Wartung der Atemschutzgeräte.

Abends ist dann Bereitschaftsdienst, den sich jeder gestalten kann, wie er möchte – vorausgesetzt, er bleibt Einsatzbereit. Einige Kollegen legen noch eine “Extrarunde” im Fitnessraum ein, andere bringen sich ihr Hobby mit, etwa ihre Gitarre (ich spiele schon mal schottischen Dudelsack) oder begnügen sich mit dem Fernsehprogramm.

 

Zu welchen Tages- und jahreszeiten gibt es die meisten Einsätze?

Das lässt sich nur sehr allgemein beantworten: Während der “üblichen Geschäftszeiten” am Tage, wenn alle Menschen aktiv sind, passiert natürlich auch am meisten. Zum Wochenende hin werden aber viele Menschen etwas nachlässiger und unaufmerksamer, so dass es häufiger zu Unfällen in Haushalt und Betrieb kommt. Der Rettungsdienst bekommt am Monatsanfang mehr mit Alkoholmissbrauch zu tun, da die Menschen dann ihr Geld aufs Konto bekommen und es einige sofort in “Prozente” investieren.

Saisonal bedingt hat man an lauen Sommerabenden mehr mit Alarmen wegen beispielsweise wilden Grillfeuern zu tun, während sich im Herbst mit den ersten kühlen Tagen die Fälle von Kaminbränden und im Winter die Straßenstürze häufen.

 

Wie kann ich Feuerwehrmann werden

 

Ist es schwierig, sich mit der kompletten Schutzausrüstung zu bewegen?

Die Einsatzkleidung aus Helm, Handschuhe, Diensthose, Brandschutz- Überhose und Jacke ist sehr dick, da sie dreilagig ist. Entsprechend wird man bei den Bewegungen behindert, durch die Handschuhe geht zusätzlich der Tastsinn größtenteils verloren. Kommen dann für einen Brandeinsatz noch der Sicherheitsgurt, das Atemschutzgerät, der Schlauchtragekorb, Lampe, Funkgerät und Axt hinzu, schleppt man etwa 30 Kg mit sich herum. Wenn ich dann durch die Kleidung gut isoliert im Entengang in eine heiße Wohnung krieche, in der man aufgrund des Rauches und der Dunkelheit so gut wie nichts sehen kann, wird einem schon ganz schön warm!

 

Benötigt die Schnelligkeit bei einem Einsatz viel Training?

Die Schnelligkeit setzt sich zusammen aus optimierten Handgriffen, die durch Ausbildung und Übung in Routine übergehen, klaren Anweisungen der Führung und festgelegten Taktiken, die Nachfragen überflüssig machen, und der körperlichen Fitness des Feuerwehrmannes. Insbesondere die Routine spart viel Zeit: Wenn man nicht nachdenken muss, welche Geräte für die Befreiung einer eingeklemmten Person benötigt werden und wo diese Geräte im Fahrzeug verstaut sind, dauert es nur noch wenige Momente, bis alles Benötigte für den Angriffstrupp bereitgelegt ist.

 

Hast du manchmal Angst oder ein mulmiges Gefühl oder darf man als Feuerwehrmann keine Angst haben?

Ein gewisses Quantum Angst, wo es geboten ist, lässt die Vorsicht nicht einschlafen. Nachlässigkeiten können nämlich bei der Feuerwehr schnell zu großen gesundheitlichen Schäden führen. Die Angst darf aber nie so groß werden, dass sie uns im Handeln behindert. Wer erstarrt, kann nicht helfen. Natürlich habe ich durch meine Ausbildung und die Einsatzerfahrung etwa bei einem einfachen Zimmerbrand ohne Menschenrettung nicht wirklich Angst, da ich dieses Szenario schon dutzendfach im Brandhaus geübt habe und weiß, mit welchen Gefahren ich umgehen muss. Der Leitspruch “Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!” kommt hier voll zum Tragen. Für Außenstehende ist es vielleicht unverständlich, dass ein Feuerwehrmann so einen Einsatz entspannter angeht wie zum Beispiel die Absicherung einer Unfallstelle auf der Bundesstraße oder einer Autobahn. Hierbei spielen aber andere Menschen, die sich oft falsch und unberechenbar verhalten und uns gefährden, eine große Rolle, während wir es bei einem Brand mit festen physikalischen Gesetzen zu tun haben.

 

Nimmst du schlimme Bilder in deinem Kopf mit nach Hause oder ist es einfach, abzuschalten?

Manchmal ist es schon seltsam, wenn ich einen Einsatz mit Toten oder schwer Verletzten hatte, und zwei Stunden später nach Dienstschluss mit der Frau einen Einkaufszettel schreibe, als sei nichts passiert. Da muss ich schon mal erst herunterkommen, bevor der Alltag mich wieder hat. Einige Einsätze beschäftigen mich auch noch einige Tage, zum Glück erlebe ich sie nicht all zu oft. Aber es gibt viele Stellen im Einsatzgebiet, die ich spontan mit einem Einsatz verbinde, wenn ich daran vorbeifahre.Eine erfolglose Säuglingsreanimation plagte mich im Nachhinein mit Schlafstörungen, die nach drei Monaten aber wieder verschwanden: Ich knirschte im Schlaf mit den Zähnen. Später, nach einem Besuch beim Zahnarzt, der mir eine dabei gesprengte Plombe austauschte, war der Einsatz auch in meinem Kopf beendet. Hilfe habe ich dabei glücklicherweise nicht gebraucht.


 

Wie koordiniert sich das Team bei einem Einsatz? Es gibt ja sehr viele Dinge gleichzeitig zu tun.

In der Ausbildung lernt jeder, was er in der Funktion, die er gerade bekleidet, zu tun hat. Gewisse Standards, wie das Vorbereiten von Angriffsleitungen bei einem Feuer oder das Bereitstellen von Geräten bei der technischen Hilfeleistung, sind fast immer gleich. Wenn ein grobes Einsatzziel gesteckt ist, braucht sich keiner mehr darüber Gedanken machen, wie das Grundgerüst des Einsatzes abläuft: Einzelne Einsatzaufträge lösen mitunter ein langes Cluster von Aktionen aus, die dann keiner weiteren Koordination mehr bedürfen.Die Feinheiten entscheidet der Einsatzleiter nach Lage, die er selbst in Zusammenarbeit mit dem Angriffstrupp erkundet. Kommunikation ist daher bei all den Standard- Taktiken enorm wichtig. Einsatzmaßnahmen können nicht erst diskutiert werden. Nachdem alle Informationen beim Einsatzleiter angekommen sind, ist er der einzige, der den Ablauf bestimmt. Diskussionen kosten nur Zeit, die man nicht hat. Im Einsatz braucht man schnell effiziente Anweisungen.Weiter unten in der Hierarchie regelt der jeweilige Truppführer, wie er mit seinem Kollegen den Auftrag, den er vom Einsatzleiter erhielt, am besten umsetzt. Durch diese “militärische Befehlsorganisation” wird ein Einsatzziel ohne Reibungsverluste schnell erreicht. Probleme fangen oft erst dann an, wenn irgendjemand ohne Absprache versucht, seinen eigenen Weg zu gehen – der dann natürlich nicht ins Gesamtkonzept passt.

 

Feuerwehrmann Beruf Erfahrungen

 

Was macht dir Spaß an deinem Beruf?

Das Spektrum der Einsätze, die man in jedem Dienst erlebt, ist unglaublich weit gefächert. Kaum ein Einsatz ist so wie ein anderer, Eintönigkeit gibt es nicht. Gerade auch im Rettungsdienst kommt man mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen, betritt viele Wohnungen, die für den “Besuch” nicht erst hergerichtet wurden, platzt sozusagen mitten in ein fremdes Leben. Auch das Gefühl, jemanden aus einer Notlage geholfen zu haben, indem ich zugepackt habe, wo eine Hand fehlte, indem ich anwenden konnte, was ich gelernt habe, indem ich schnelle Entschlüsse gefasst habe, die oft nur aus dem Bauch heraus kommen können, ist einfach toll. Zudem muss man Probleme sehr pragmatisch angehen und Lösungen finden, die unkonventionell sind.
Letztendlich spielt natürlich auch der Kick, der Adrenalinschub, den man bekommt, wenn ein dramatischer Einsatz abzuarbeiten ist, eine große Rolle.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Feuerwehrauto Seite: Hartmut910  / pixelio.de; Feuerlöscher: Barbara Nobis  / pixelio.de; Feuerwehrauto von vorne: Ingo Büsing  / pixelio.de

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