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Der Bestatter Peter Wilhelm spricht über seinen Beruf

Peter Wilhelm macht sein Geschäft mit dem Tod. Was so klingt wie der Klappentext des nächsten Bruce Willis Streifens beschreibt in Wirklichkeit nur einen Beruf, dem in Deutschland tausende Unternehmen nachgehen: das Bestatten. Peter arbeitet seit Ende der 70er Jahre in dieser Branche. Er arbeitete bereits in einem größeren Bestattungskonzern, führte ein eigenes Bestattungshaus mit mehreren Filialen und fungiert heute als freier Berater und Sachverständiger für dieses Thema. Seine Erlebnisse sowie viele Ratschläge zum Thema hält er in seinem Blog bestatterweblog.de fest. In unserem Interview spricht er über seinen Beruf, die Bestattung an sich und die Emotionen.

 

 

 

Angenommen jemand stirbt: Für welche Schritte vom Abtransport bis zur Beerdigung ist das Bestattungsunternehmen zuständig?

Die wichtigsten Aufgaben sind der Transport und die Aufbewahrung des Verstorbenen, sowie die Organisation der Trauerfeier und die Lieferung des Sarges.

Tatsächlich ist aber der Bestatter heutzutage der “Eventmanager des Todes”. Beerdigungen sind oft große Familientreffen mit anschließendem Kaffeetrinken oder Essen, es müssen “just in time” Gärtner, Grabbauer, Steinmetz, Organist, Pfarrer und Dekorateur besorgt werden, es ist eine Vielzahl von Behördengängen zu erledigen, das fordert einen Bestatter schon ganz schön.


Wird ein Bestattungsunternehmen von einer Versicherung bezahlt oder zahlen das die Angehörigen?

Grundsätzlich zahlt derjenige die Bestattung, der sie beauftragt hat. Es kann aber sein, dass bei Mittellosigkeit das Sozialamt ganz oder teilweise einspringt oder aufgrund gesetzlicher Bestimmungen eine andere Person die Kosten zu tragen hat. Eine Bestattung kostet im Durchschnitt 3.500-4.800 Euro.

Selbstverständlich gibt es Sterbegeldversicherungen, z.B. von der Solidar, um mal eine der bekanntesten zu nennen, bei denen man sich schon für einen geringen monatlichen Betrag versichern kann.

Die Versicherung übernimmt dann im Todesfall die Kosten. Das lohnt sich auf jeden Fall, da abweichend von den gerade genannten Durchschnittswerten eine komplette Bestattung mit allem Drum und Dran schnell mal 8.000 bis 10.000 Euro kosten kann; und diese Kosten kann man eben versichern.

 

Welchem Zweck dienen Leichenschauhäuser, in denen in Filmen immer die Mordopfer aufbewahrt werden?

In den meisten Ländern der Bundesrepublik herrscht Leichenhallenzwang. Das bedeutet nichts anderes, als das man die Verstorbenen früher oder später in eine Leichenhalle bringen muss. Bis zu 36 Stunden darf man den Verstorbenen daheim behalten, etwa um würdevoll von ihm Abschied nehmen zu können, danach muss er in eine Leichenhalle.

Was Du meinst sind aber die Aufbewahrungsräume in einem rechtsmedizinischen Institut. Dort werden die Leichname der Personen aufbewahrt, deren Todesursache einer näheren Klärung durch einen Spezialisten bedarf. Nach der Untersuchung (Obduktion, Sektion) kommt allerdings wieder der Bestatter ins Spiel und holt den Verstorbenen dort ab, um ihn für die Bestattung herzurichten.

 

Kümmert sich der Großteil der Menschen noch zu Lebzeiten um ein Begräbnis oder wird das eher von den Angehörigen im Nachhinein erledigt?

Noch wird das meistens hinterher von den Angehörigen geregelt. Allerdings steigt die Zahl derjenigen, die das schon zu Lebzeiten regeln, was auch sehr sinnvoll ist. Unbelastet von Trauer kann man in einem Vorsorgegespräch alles klären und festlegen und ist dann eine Sorge los.

 

Wem gehört der Friedhof und muss das Bestattungsunternehmen Geld an den Besitzer bezahlen, wenn ein Begräbnis stattfindet?

Friedhöfe gehören in der Regel den Kommunen oder den Kirchen. Selbstverständlich verlangen die Friedhofsbetreiber eine durchaus saftige Gebühr für die Benutzung ihres Friedhofes. Das geht so weit, dass die Kosten für ein Grab die übrigen Kosten der Bestattung bei weitem übersteigen können. Ein Grab kann schon mal 4.000-8.000 Euro kosten und selbst dann gehört es einem nicht, sondern wird nur auf die Dauer von 20 oder 30 Jahren überlassen.

 

Wie geht man damit um, dass man täglich mit toten Menschen und schweren Schicksalen zu tun hat? Gibt es da bestimmte Techniken oder ist das alles eine Frage der Gewöhnung?

Natürlich gewöhnt man sich im Laufe der Zeit daran. Es findet aber keine Abstumpfung statt, sondern man lernt, damit umzugehen und die Sachen zu bewältigen. Wer alle Trauer und Schicksale abends mit nach Hause nimmt und sich dann in Albträumen wälzt, der ist für diesen Beruf nicht geeignet.

Das ist aber auch das Besondere an diesem Beruf, dass man tagtäglich mit neuen Menschen und neuen Schicksalen konfrontiert wird. Der Bestatter ist ja längst nicht mehr nur Besorger und Dienstleister, sondern auch Psychologe und Seelsorger.

 

Kommt es häufig vor, dass Mitarbeiter im Unternehmen sagen „das kann ich einfach nicht machen“ und dann kündigen?

Nein. Wer sich für diesen Beruf entscheidet, der weiß, was auf ihn zu kommt und wird dann von erfahrenen Mitarbeitern Schritt für Schritt in die Tätigkeiten eingeführt.

Schwer für jeden Bestatter ist der Umgang mit verstorbenen Kindern und mit Unfall- oder Verbrechensopfern. Aber auch das ist wiederum eine Herausforderung, denn es ist jedem Bestatter ein wichtiges Anliegen, anschließend von den Angehörigen zu erfahren, dass alles gut abgelaufen ist, dass sie sich gut aufgehoben gefühlt haben und dass die Betreuung angenehm war.


Bekommt man eine andere Beziehung zum Tod, wenn man tagtäglich damit konfrontiert wird?

Sicherlich. Man sieht sehr deutlich, dass es jeden jederzeit treffen kann. Angst vor dem Sterben, also vor eventuellen Schmerzen und langem Siechtum, hat wohl auch jeder Bestatter, und es will auch jeder gerne lange leben, aber man verliert die Angst vor dem Tod an sich, denke ich.

 

 

Bild: Titelbild: Clker

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