Fahrrad Mountainbike Titelbild

Roland Brühe spricht über den Radfahreralltag

In diesem Interview habe ich mit Roland Brühe gesprochen. Roland nutzt kein Auto sondern fährt seine Wege zur Arbeit und zum Supermarkt mit dem Rad und legt längere Strecken mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Seine Erlebnisse und Ansichten teilt Roland auf seinem Blog radfahreralltag.de. Im Interview sprechen wir über den Alltag als Radfahrer und Roland gibt Einblicke, wie es sich als Alltags-Radfahrer lebt.

 

 

 

 

Wie häufig fahren Sie mit dem Rad und für welche Strecken nutzen Sie es?

Ich bin nahezu täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Vor allem nutze ich das Rad, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu fahren. Das sind jeweils sieben Kilometer. Auf dem Nachhauseweg kaufe ich dann auch immer für das Abendessen ein. Mit der Packtasche am Gepäckträger kann ich ja eine ganze Menge Sachen transportieren. Am Wochenende nutze ich das Rad auch, um in die Innenstadt zu fahren zum Shoppen oder um ins Kino zu gehen. Mein Fahrrad ist sozusagen mein Alltagsgefährt.


Aus welchen Grund fährt man mit dem Rad zur Arbeit und nicht etwa mit dem Bus, der Straßenbahn oder mit dem Auto?

Da kann ich nur für mich sprechen. Ich kann erst einmal gar kein Auto fahren, das habe ich nicht gelernt. Die Option habe ich also gar nicht. Die Straßenbahn könnte ich auch benutzen. Ich müsste noch nicht einmal umsteigen. Aber ich mag dieses Gedränge in der Straßenbahn nicht. Gerade morgens findet man kaum einen Sitzplatz. Und im Sommer schwitzen die Leute um einen herum, im Winter husten und schniefen sie. Da bin ich lieber auf meinem Fahrrad unterwegs, wo ich für mich bin. Ich finde es schön, beim Fahren die Gedanken fließen zu lassen oder zu sortieren und Bewegung zu haben. Da ich morgens nicht gut aus dem Bett komme, fühle ich mich so ausreichend wach, wenn ich auf der Arbeit ankomme. Und wenn ich nach Hause fahre, kann ich den Arbeitstag noch einmal Revue passieren lassen. Zu Hause ist dann auch wirklich Feierabend.

 

Hält Radfahren fit?

Ja, definitiv. Das ist auch ein wichtiger Grund, warum ich vor Jahren angefangen habe, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Ich mag Sport nicht besonders. Alle meine Versuche, regelmäßig zu joggen oder mich im Sportstudio fit zu halten, endeten immer kläglich. Diese Sportversuche machten mir nie Spaß und es wirkte alles so ziellos. Das Radfahren erfüllt dagegen einen Zweck. Es bringt mich von A nach B. Dass mich das Radfahren fit hält merke ich immer dann, wenn ich einige Zeit nicht gefahren bin, zum Beispiel wegen Urlaub. Dann schlägt sich das Essen eher auf der Waage nieder und ich bin körperlich insgesamt nicht so ausgeglichen.

 

Macht Ihnen das Radfahren Spaß?

Ja, sehr. Ich finde es schön, damit unabhängig von Fahrplänen der Straßenbahn und nicht auf die normalen Straßen angewiesen zu sein. Es gibt ja sehr schöne Wege durch Parks und Grünanlagen und es gefällt mir, dabei den Wechsel der Jahreszeiten zu erleben. Beim Radfahren hat man ja die richtige Geschwindigkeit, um zügig voranzukommen und gleichzeitig die Umgebung anschauen und mitbekommen zu können. Außerdem mag ich mein Fahrrad. Es macht mir Spaß, von Zeit zu Zeit einige Dinge daran auszuwechseln und es aufzurüsten. Neulich habe ich mir einen Rückspiegel gekauft, den ich seitlich am Lenker angebracht habe. Das war ein wirklicher Zugewinn. Ich liebe es auch, mir von Zeit zu Zeit neue Fahrradtaschen zu kaufen, die schön und praktisch zugleich sind.

 

Wie oft haben Sie mit einer Panne zu kämpfen?

Da muss ich jetzt echt überlegen. Eine Reifenpanne hatte ich glücklicherweise noch nie. Ich habe extra Mäntel, die innen eine besondere Schutzschicht haben. So muss ich mir keine Sorgen machen, wenn zum Beispiel einige kleine Scherben auf der Fahrbahn liegen, denen ich nicht ausweichen kann. Ich achte deshalb auch darauf, dass die Reifen immer gut aufgepumpt sind. Die einzigen Pannen, die ich hatte, waren von anderen produziert. Einmal hat mir jemand das Bremsseil durchgeschnitten, während das Fahrrad draußen parkte. Und ein anderes Mal hat mich ein Taxi seitlich angefahren, so dass alles etwas verzogen war, was sich aber glücklicherweise wieder gut reparieren ließ. Auf die Jahre hin betrachtet, komme ich eigentlich relativ pannenfrei durch Zeit.

 

Autofahrer regen sich über hohe Spritpreise auf. Worüber regt sich der Radfahrer auf?

Ich rege mich vor allem über die Infrastruktur für Radfahrer in der Stadt auf. Da muss ich Radwege benutzen, die zu schmal sind oder die streckenweise durch Baumwurzeln beschädigt sind, anstatt auf der Fahrbahn fahren zu können, wo ich sicherer und zügiger vorankommen würde. Auch erlebe ich viele Kreuzungen, an denen es mir die Verkehrsführung schwer macht, mich sicher verhalten zu können. Dann gibt es da Baustellen, die eine grottenschlechte oder gar keine Verkehrsführung für Radfahrer einrichten. Da endet ein Radweg abrupt, ohne sicher auf die Fahrbahn geleitet zu werden. Oder man muss sich den Fußweg mit den Fußgängern teilen, was für alle belästigend wenn nicht sogar gefährlich ist. Auch wenn von Seiten der Stadt immer wieder gesagt wird, wie toll es ist, dass so viele Leute jetzt Rad fahren und dass sie doch so viel für den Radverkehr tun: Ich erlebe eher Behinderungen und Einschränkungen. Der Verkehr wird meiner Meinung nach primär am Autoverkehr ausgerichtet. Worüber ich mich ansonsten noch aufrege ist die Unkenntnis der Verkehrsregeln bei vielen Auto- und Radfahrern. Obwohl ich mir sage, ich sollte mich nicht so darüber aufregen, nervt es mich doch immer, wenn mich Autofahrer auf der Fahrbahn anhupen, weil ich den Radweg nicht benutze, obwohl er nicht benutzungspflichtig ist.

Roland Brühes Gefährt
Roland Brühes Gefährt

 

Sind Sie der Meinung dass sich Radfahrer weniger an die Verkehrsregeln halten als Autofahrer?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich erlebe viele Auto- und Radfahrer, die sich an die Verkehrsregeln halten. Aber ich sehe auch sowohl Auto- als auch Radfahrer, die das nicht tun und beispielsweise bei Rotlicht über die Straße fahren. Ich glaube, es ist ein Unterschied, ob wir über Frühling und Sommer sprechen oder über Herbst und Winter. In der schönen Jahreszeit gibt es die vielen Schönwetterradler. Es ist ja schön, dass dann viele mit dem Rad unterwegs sind. Aber die Radfahrer, die auf dem Fußweg fahren oder als Geisterradler auf dem Radweg unterwegs sind, fallen mir dann mehr auf und nerven. Im Winter sind eher die Alltagsradler unterwegs, die sich, wie ich finde, in der Regel an die Verkehrsregeln halten. Aber ich persönlich möchte das Verkehrsverhalten von Autofahrern und Radfahrern nicht gegeneinander aufwiegen. Ich finde, dass es völlig egal ist, auf welche Weise man sich im Verkehr bewegt; ob mit dem Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Wichtig ist doch, dass man sich respektvoll verhält und aufeinander Rücksicht nimmt. Und dass man sich im Verkehr nicht so gestresst verhält. Hupende Autos oder Radfahrer, die an einem ohne Vorwarnung gefährlich nah und schnell vorbeifahren sind für mich ein eindeutiges Zeichen, dass es im Verkehr zu hektisch zugeht.


Welchen Leuten können Sie es empfehlen, den Arbeitsweg mit dem Rad in Angriff zu nehmen?

Eigentlich jedem, der den Arbeitsplatz in einer für ihn angemessenen Zeit erreichen kann. Ich brauche eine knappe halbe Stunde zur Arbeit. Das finde ich für eine Großstadt eine angenehme und sogar auch kurze Zeit. Man findet mit einigem Ausprobieren auch immer eine Strecke, die nette Anteile hat, wie zum Beispiel Wege durchs Grüne. Da man mit der Zeit eine gute Kondition bekommt, dürfte auch das Schwitzen nicht mehr so das Problem werden. Gut hat man es natürlich als Vielschwitzer, wenn man sich auf der Arbeit umkleiden kann. Und was Regen und Kälte angeht, so gibt es ja entsprechende Kleidung, mit der es sich gut fahren lässt. Man muss als Radfahrer halt immer ein bisschen auf vieles eingestellt sein. So habe ich in meiner Packtasche stets Regenkleidung dabei, um nicht immer überlegen zu müssen, ob ich sie nun mitnehme bei unsicheren Wetterverhältnissen. Mit etwas Gewöhnung kann es eigentlich für jeden zur Normalität werden, bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Und in Köln machen das, so erlebe ich es zumindest, immer mehr Leute.

 

 

Titelbild: Clker; Bild im Artikel: Roland

  • Krüml

    Ich fahre auch lieber mit dem Rad zur Arbeit. Allerdings gehöre ich wohl zu den “Schönwetterradlern”, da ich mir persönlich die knapp 12km Weg auf grausamsten Straßen in Berlin nicht zutraue.
    Noch so ein Punkt: Ich fahre lieber auf Rad- oder mit gehöriger Portion Vorsicht auf Gehwegen, weil die Straßen über die ich muss zum Teil so eng und vielbefahren sind, dass mir auf dem Rad immer das Herz in die Hose rutscht.

    Schönes Interview. :)

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