Zigarren Titelbild

Jan über Zigarren

Auch wenn man Zigarren häufig mit Mafiosis, Drogenbaronen oder Baulöwen assoziiert, sind sie unter den Otto-Normalverbrauchern doch beliebter als man denkt: 3,8 Milliarden Zigarren und Zigarillos wurden 2009 in Deutschland eingekauft. Mein heutiger Interviewpartner Jan hat mit seiner großen Zigarrenleidenschaft, die er auf seinem Blog mit uns teilt, sicherlich einen ordentlichen Anteil daran. Im Interview erzählt er uns mehr über die langen Tabakrollen.

 

 

 

Was ist deine Lieblingszigarre?

Eine schwierige Frage, die sicherlich bei vielen Aficionados auch immer schwer zu beantworten bleibt. Grundsätzlich kann man sagen, dass viele Zigarrenraucher nicht nur eine Lieblingszigarre haben. Dies ist auch bei mir der Fall. Wie man am Blog ZigarrenCut vielleicht sehen kann, liegt der Fokus nicht nur auf den stets bekannten kubanischen Zigarren, sondern viel mehr auf Neuerscheinungen, neuen Kreationen, frischen “Blends”.

Dabei habe ich im letzten Jahr besonders die L´ Atelier LAT 56, die Flor de las Antillas Toro Gordo und die PDR Capa Maduro Cubano Especial Robusto ins Herz geschlossen. Aber auch bei einer Maria Mancini Edicion Limitadas Robusto Estupendo Maduro, einer Nicarao-oder Kristoff-Zigarre, sowie einer gut funktionierenden kubanischen wie zum Beispiel eine Montecristo, Punch, Bolivar oder Partagas geht die Sonne auf! Es ist und bleibt immer schwer zu beurteilen, welche Zigarre für einen die Beste ist, da die Auswahl so riesig ist! Im Endeffekt gibt es für jeden Moment die richtige Zigarre. Momentan schwärme ich für Zigarren die einen kubanischen Hintergrund haben, aber eher nicaraguanischer, dominikanischer oder hondurianischer Herkunft sind.


Was sind die Unterschiede zwischen einer Zigarre und einer Zigarette?

Da ich selbst noch nie eine Zigarette geraucht habe, kann ich den geschmacklichen Unterschied natürlich schlecht darstellen. Jedoch darf man als passionierter Zigarrenraucher nichtsdestotrotz behaupten, dass Zigarren mit Abstand ein breiteres Spektrum haben. Angefangen bei den rein optischen Unterschieden in Form von Größe und Aussehen, zieht sich dies bis zum unterschiedlichen Genuss hin. Zurückzuführen ist dies wohl auf die Intention einer Zigarre, die mit der einer Zigarette rein gar nichts zu tun hat. Zigaretten stehen – für mich Zigarrenliebhaber – für unentspanntes Rauchen von “irgendwas” um sich eventuell von irgendetwas abzulenken.

Zigarren hingegen stehen für den wohlverdienten Urlaub im Alltag. Eine Zigarette ist innerhalb weniger Minuten verweht. Man packt sie aus, zündet sie fix an und in null komma nix schmeißt man den orangen Filter samt Resttabak und mehreren hundert chemischen Giftstoffen auf die Straße.

Der Genuss einer Zigarre fängt (zumindest beim Verbraucher) wesentlich früher an! Man spaziert in ein Zigarrengeschäft oder in eine Zigarrenlounge und beschenkt sich quasi selbst. Schon allein das Auswählen der passenden Zigarre ist eine Art Vorspiel, welches beim Inspizieren, Tasten und Anschnüffeln der Zigarre fortgeführt wird. Der eigentliche Hauptgang einer Zigarre kann dabei 60 bis 120 Minuten dauern, ausgeschüttete Glückshormone können auch nach dem Ablegen der Zigarre anhalten. Es ist eine komplett andere Kultur von der man spricht! Es ist kein Rauchen, es ist Genießen! Für mich ist es eine Art Philosophie!

Vom stressigen Alltag, der uns alle umgibt das Tempo rausnehmen zu dürfen und mit Freunden oder aber auch alleine den wahren Puls des Lebens einzufangen! Und aus Erfahrung kann ich sagen, dass man als Neuling bloß nicht gehemmt in die “elitäre” Welt der Zigarren einsteigen sollte. Man wird oft sehr herzlich begrüßt und willkommen geheißen.

 

Wie inhaliert man Zigarrenrauch

 

Warum inhaliert man Zigarrenrauch nicht?

In Zigarren ist deutlich mehr Tabak verarbeitet als bei einer Zigarette. Einige Liebhaber inhalieren wenige Züge einer Zigarre, um die wirkliche Stärke der Zigarre zu entpuppen. Auf die Dauer würde dies den eigentlichen Genuss hemmen, da der Tabak dann ordentlich auf den Magen-Darm-Trakt und das Kreislaufsystem schlägt.

 

Sind Zigarren gesünder als Zigaretten?

Es gibt mehrere Studien die sich mit dem Thema beschäftigen. Dass Rauchen generell eher ungesund als gesund ist, dürfte jedem klar sein. Und bei der Formel darf man es auch belassen. Da man beim Verkosten von Zigarren selten bis gar nicht inhaliert, gelangen die schädlichen Stoffe (jedenfalls primär) nicht in die Lunge, sondern eher zum Magen-Darm-Trakt. Dafür behält man den entstehenden Rauch einer Zigarre wesentlich länger im Mundraum als bei einer Zigarette. Man kann also sagen, dass die (weniger vorhandenen oder “natürlicheren”) Toxine beim Zigarre rauchen einen anderen Standort “vorziehen”.

Auch über dieses Thema lässt sich bis spät in die Nacht – mit einer feinen Zigarre – diskutieren! Denn äußere Faktoren, welche das innere Gleichgewicht des Menschen – Körper und Geist -, aus der Balance werfen gibt es doch mittlerweile wie Sand am Meer. Ob es nun Essen, die Arbeit, zwischenmenschliche Beziehungen oder das Feierabendbier sind, spielt für mich dabei keine Rolle. Alles was Spaß bereitet und ein gewisse Ruhe oder Balance mit sich bringt, sollte man vergnüglich genießen. Es ist sicherlich ungesünder, sich jeden Tag über eventuell entstehende Krankheiten den Kopf zu zerbrechen, als sich mit Freunden in die Sonne zu pflanzen und mit einer herrlich mundenden Zigarre über das Leben zu philosophieren!

 

Wie wichtig ist die richtige Lagerung im Humidor?

Wichtig. Wobei man dabei nicht viel falsch machen kann und eher zur Überempfindlichkeit neigt. Ob man nun eine passive oder eine aktive Befeuchtung der Zigarren im Humidor wählt, ist dabei egal und hat eher was mit dem “Arbeitsaufwand” zu tun. Generell wird eine Zigarre nach mehreren Stunden oder wenigen Tagen der nicht korrekten Lagerung nicht sofort für die Ewigkeit unrauchbar sein, sondern sollte sich einige Tage bis Wochen im Humidor bei optimaler Luftfeuchtigkeit von circa 70% erholen. Mit elektronischen Befeuchtungssystemen ist man meistens auf der sicheren Seite und lässt das System die Luftfeuchtigkeit und -zirkulation kontrollieren, damit die Zigarren keinen Schwankungen ausgeliefert sind. Dies soll nämlich das wahre Übel hinter schlechter Lagerung sein.

 

Welches andere Zubehör ist hilfreich?

Für das Genießen einer Zigarre ist neben Zeit ein scharfes Schneidewerkzeug und ein zuverlässiges Feuerzeug nötig. Auch hier gibt es mehrere Spielereien und Philosophien wie man die Zigarre anschneidet und anzündet oder ob man sie anbohrt beziehungsweise stanzt. Wie bei den Zigarren selbst, sollte man auch hier zu Beginn Rat suchen, aber vor allem auf sein eigenes Gefühl achten. Keiner kann einem erzählen, wie er die Zigarre anschneiden, anzünden und verkosten soll, solange er auf seine eigene Weise die pure Freude verspürt! Frei nach dem Motto “try and error”, kam ich zu den Entschluss, dass für mich zum Beispiel ein ganz normaler Doppelklingencutter und ein simples Jet-Flame-Feuerzeug stets die perfekte Wahl sind, um eine Zigarre mit den nötigen Respekt zu zelebrieren.

 

Zigarren im Humidor lagern

 

Worauf schaust du bei einer Zigarrenverkostung?

Wenn ich nicht für den Blog schreibe, achte ich eigentlich nur auf einen entspannten und ruhigen Moment (und leider auch auf das perfekte Wetter). Dennoch wird – so oder so – jede Zigarre mit viel Überlegung ausgesucht, egal ob Daheim oder in einer Lounge. Man begibt sich ständig auf eine kleine Entdeckungstour, bei der man sich die Zigarre genau anguckt. Wie ist das Deckblatt gerollt? Wie fühlt es sich an? Welchen Eindruck hinterlässt die Banderole (Bauchbinde)? Während der Verkostung achte ich automatisch auf den Zug der Zigarre, was ein Indiz für eine gute Rollung der Zigarre sein kann. Grundsätzlich liegt das Hauptaugenmerk immer auf dem aromatischen Profil und Wesen der Zigarre. Egal ob die Zigarre vielleicht etwas zu fest und anstrengend im Zug ist, oder ob die Asche bröselig ist – der Geschmack ist und bleibt das Wichtigste.

Dabei unterscheide ich wie intensiv (sind die Aromen eher subtil oder eher prägnant), stark (mild, mittelkräftig, kräftig) und facettenreich (monotoner Geschmack oder sehr vielfältig) die Zigarre zu Beginn und im weiteren Rauchverlauf bis zum letzten Zug ist. Zwischen all den verschiedenen Zigarren und innerhalb eines Rauchzyklus einer einzelnen Zigarre kommt es zu teils markanten Änderungen, Unterschieden und Überraschungen, die den gesamten Kosmos der Zigarren immer lebendig und aufregend machen. In den Smokeanalysen wird neben den emotionalen Impressionen vor allem auch darauf Wert gelegt, mit Hilfe bestimmter Punkte den subjektiven Eindruck einer Zigarre zu relativieren beziehungsweise besteht der Versuch Zigarren objektiv zu beurteilen.

Dabei ist es bei einer Zigarrenverkostung nicht unbedingt wichtig, ob man jede Nuance herausschmecken kann. Es ist eher wichtig zu wissen, warum die Zigarre einem schmeckt und warum nicht. Auch da gibt es Einsteigerseminare, welche in ausgewählten Zigarrenläden- und/oder Lounges veranstaltet werden, um einen guten Einstieg in die komplexe und feinfühlige Welt der Zigarre zu bekommen.

Wie viele Zigarren probierst du während so einer Verkostung?

Auch hier kommt es auf den Moment und die jeweilige Gelegenheit an. Wenn ich alleine und im Stillen eine Zigarre genieße, bleibt es meistens auch bei dieser einen. Unter Freunden steigert sich die Anzahl der verkosteten Exemplare meistens auf zwei bis drei verschiedene Zigarren. Mehr habe ich an einem Tag oder an einer Verkostung nie geraucht und das darf auch so bleiben – es soll ja etwas Besonderes bleiben!

 

Zigarre Tipps und Tricks

 

Was kostet eine Zigarre und wie lange hält sie?

Preislich ist bei Zigarren alles möglich. Von wenigen Cents bis in die Hunderte, Tausende von Euros kann man alles ausgeben und verkosten. Dies ist auch abhängig von dem Format der Zigarre. Wobei der preisliche Anstieg von einen kleineren Format zum nächstgrößeren eher gering bleibt.

Weitere Faktoren die den Preis einer Zigarre in die Höhe treiben, sind die Herstellung der Zigarre (Shortfiller – maschinell hergestellte Zigarre bestehend aus zerkleinerten Tabakblättern, Mediumfiller – eine Mischung aus Short- und Longfiller, Longfiller – ganze Tabakblätter werden fast komplett oder komplett von Hand gefertigt ) und der Name den man bezahlen darf. Zwar bekomme ich bei einem Herrenanzug der Marke Hugo Boss einen gewissen qualitativen Standard. Ob dieser jedoch den hohen Preis rechtfertigt, darf in Frage gestellt werden. So verhält sich das auch bei Zigarren. Es gibt oftmals keinen qualitativen Grund warum die 30€ teure Zigarre besser als die 8€ teure Zigarre ist beziehungsweise schmeckt. Geschmäcker sind verschieden, manche mögen grünes Papier ;-) . Für mich befinden sich die feinsten Stumpen im Bereich von 5€ – 10€!

Die Rauchdauer hängt vom gewählten Zigarrenformat (Vitola) ab. Eine Petit Corona benötigt ungefähr 20 Minuten, eine Robusto circa 60 Minuten und eine Churchill, Toro Gordo oder Presidente kann auch mal 120 Minuten in Anspruch nehmen. Hinzu kommt noch, dass jeder sein eigenes Tempo beim Rauchen hat. Einige dürfen sich bei den oben erwähnten Beispielen gut 10 bis 20 Minuten abziehen oder dazurechnen.


Muss man eine Zigarre in einem Zug aufbrauchen oder kann man sie auch ausgehen lassen und dann wieder anzünden?

Es ist möglich Zigarren einige Minuten “kalt” liegen zu lassen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder komplett zu entflammen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mehr als 30 Minuten Ruhepause für die Zigarre nicht gut sind und diese dann – trotz einiger Tricks – eher bitter und unangenehm schmeckt.
Bei einem Plausch in geselliger Runde kann es schon mal vorkommen, dass man weniger an der Zigarre zieht, als man sollte und diese dann erlischt. Ein weiteres, sofortiges anzünden der Zigarre ist meistens problemlos für das Aroma. Dennoch sollte man bedacht sein, die Zigarre stehts am Leben zu halten, um das volle Spektrum und den wahren Charakter der Zigarre zu entdecken und zu genießen.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Zigarren Nahaufnahme hinten: Timo Klostermeier  / pixelio.de; Lagernde Zigarren in der Schachtel: BrandtMarke  / pixelio.de; Zigarren Nahaufnahme Vorne: Timo Klostermeier  / pixelio.de

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