Fallschirm springen

Jörg über das Fallschirmspringen

Dass es heute die Möglichkeit gibt Fallschirm zu springen, verdanken wir Jeanne Pierre Francois Blanchard und vor allem seinem Hund. Blanchard baute den ersten Fallschirm und testete ihn mit seinem vierbeinigen Gefährten, den er in einen Korb setzte und am Fallschirm befestigte. Dann ließ er den Fallschirm samt Passagier von einem Ballon fallen und, zum Glück für Bello, sah von oben zu wie seine Erfindung wie geplant funktionierte. Das ist schon einige Jahre her und heute kann sich so gut wie jeder an den verschiedensten Orten zu allen Zeiten mit Fallschirm aus einem Flugzug stürzen. Mein heutiger Interviewpartner Jörg ist ein leidenschaftlicher Fallschirmspringer, der seine Erlebnisse, Bilder und Videos auf seiner Webseite teilt. Im Interview erzählt er uns mehr über das Springen mit Fallschirm.

 

 

Wie bist du zum Fallschirmspringen gekommen?

In meiner Kindheit war ich durch meinen Vater schon von der Fliegerei und Fallschirmspringerei beeindruckt. Mein Vater der in der ehemaligen DDR, bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), Bordmechaniker der Antonow AN-2 (Größter einmotoriger Doppeldecker der Welt) war, hat meinen Bruder, meine Mutter und mich immer mit zum Flugplatz genommen. Nach dem Zusammenbruch der DDR, war mein Vater im Fallschirmsportverein “Rüwalders e.V.” aktiv und hat dort im Vorstand mitgearbeitet und die AN-2 technisch gewartet. Dadurch war unsere Familie an Wochenende viel auf Flugplätzen. Meine Mutter hat 1990 ihren Tandemsprung gemacht, wir Kinder durften immer in der Maschine spielen und auch mitfliegen. 2001 haben mein Vater, mein Bruder und ich unseren “Familiensprung” absolviert und sind alle 3 nach der klassischen Ausbildungsmethode 2-4 mal gesprungen. Da ich damals in schon wegen meines Berufs in Hamburg gewohnt habe und meine Eltern in der Nähe von Chemnitz, konnte ich die Ausbildung zu dieser Zeit nicht beenden. 2010 habe ich dann in Hartenholm bei Albatros meine AFF-Ausbildung absolviert und bin seit Juli 2010 ein sehr aktiver Fallschirmspringer. Seit 2013 auch ausgebildeter und aktiver Sprunglehrer.


Kannst du uns beschreiben wie sich das Springen anfühlt?

Das Fallschirmspringen zu beschreiben ist schwer, wenn man es nicht schon mal selbst erlebt hat. Es ist eine Mischung aus der Freiheit des Fliegens, der Adrenalinkick und das Zusammensein und Springen mit anderen Springern. Es kribbelt nicht wie beim Achterbahnfahren, es ist viel mehr eine super krasse Erfahrung aus einem Flugzeug zu springen und nach dem ersten Sprung hat man so viel Spass und ist fast süchtig nach diesem Gefühl von Freiheit und Kick.

 

Wie war dein erster Sprung für dich?

Der erste Sprung war sehr aufregendend und man hat Respekt vor dem Erlernten, aber ist nicht ängstlich. Durch meine Erlebnisse auf dem Flugplatz und im Fliegen war ich etwas entspannter als andere. Das Gefühl des Absprungs kann man nur schwer beschreiben aber fühlt sich super an und die Aussicht am Schirm über Landschaft ist genial.



 

 

Wie oft gehst du Fallschirmspringen?

Ich bin von April bis Oktober fast jedes Wochenende auf einem Flugplatz zum Fallschirmspringen, meistens bei Fallschirmsportclub Mecklenburg e.V. in Neustadt-Glewe, aber auch deutschlandweit auf anderen Sprungplätzen. Teilweise springe ich auch im Urlaub unter der Woche, je nachdem wann und wo gute Sprungevents stattfinden.

 

Wie hart setzt man dann am Boden auf?

Gar Nicht! Wir Sport-Fallschirmspringer landen ganz sanft, wir können den Flächenfallschirm lenken und auch voll abremsen, so dass wir zur Landung mit einem kleinen Hüpfer aufsetzen oder nur einen Ausfallschritt machen. Hier herrscht bei vielen Zuschauern, die weit verbreitete Ansicht, dass Fallschirmspringer noch mit Rundkappen springen und so recht hart auf dem Boden aufsetzen, das ist aber nur noch im militärischen Bereich so, also zum Beispiel bei der Bundeswehr wo man eine Fallschirmrolle machen muss, um die Aufprallenergie abzufedern.

 

Wie nimmst du deine Videos auf?

Die Videokamera beim Fallschirmspringen mitführen, darf man erst mit mehr als 100 Sprüngen und einer seperaten Videoeinweisung. Dann ist es jedem selbst überlassen, für welches Kamera-Modell man sich entscheidet. Ich nehme meine Video mit einer GoPro Hero 3/3+ Black Edition auf. Wer aber die Videospringerei professioneller betreibt nutzt dafür meist eine digitale Sony Handycam und gegebenenfalls noch eine digitale Spiegelreflex Kamera für noch besser Bild-/Videoqualität.


 
 

 

Was hört man beim Sprung? Luftrauschen?

Ganz ehrlich habe ich noch nie so wirklich darauf geachtet, was ich höre, da ich mich auf den Sprung und das “Programm” kozentriere. Aber ja man hört das Luftrauschen, je nachdem wie schnell man fällt, also welche Freifalldiziplin man ausübt, lauter und deutlicher.
Dieses Rauschen hört man aber in den moderen Helmen fast gar nicht mehr, da die Helme sehr gut gedämmt sind. Schließlich wirkt im Freifall auch eine Lärmbelastung von zum Teil über 100 dB auf das Ohr, daher trägt man einen guten Helm oder zusätzlich einen Gehörschutz.

 

Hast du manchmal Angst dass etwas schief gehen könnte?

Ich habe nicht direkt Angst, dass etwas schief gehen könnte, dann dürfte ich nichts machen, weil ja auch beim Autofahren, Fußball spielen oder Schwimmen etwas passieren kann. Ich weiß dass durchaus etwas nicht normal verlaufen kann, zum Beispiel bei der Schirmöffnung. Dafür sind wir aber sehr gut ausgebildet und trainiert, dass wir in solch einem besonderen Fall ein Notverfahren anwenden (Höhenkontrolle, Hauptschirm abtrennen und Reserve ziehen) und das Verhalten immer wieder auch im Kopf vorm Absprung nochmal durchgehen.

 

Wie lange dauert so ein Sprung?

Ein Fallschirmsprung aus 4000m dauert in der normalen Bauchlage circa 50-60 sekunden, die man im Freifall ist. Dann öffnet man seinen Hauptschirm bei 1000m. Ab da hat man je nach Schirmtyp und persönlicher Einstellung circa 3-5 Minuten Schirmfahrt.

Bei anderen Freifalldiziplinen können die Freifallzeiten kürzer sein , zum Beispiel im Freefly in der Sitz oder Kopfüberposition sind es nur 35-45 sekunden Freifall.

Beim Wingsuitfliegen, was aktuell gerade sehr im Trend liegt bei vielen Springern, erreicht man Freifallzeiten von über 2 Minuten, je nach Wingsuitmodell.


 
 

 

Wie kann man das selbst mal ausprobieren und worauf sollte man sich einstellen?

Jeder kann Fallschirmspringen selbst ausprobieren! Dazu machen die meisten einen Tandemfallschirmsprung, dabei erhält man ein kurze Einweisung vor dem Sprung von circa 10 Minuten. Dabei hat man als Gast nur ein Gurtzeug über, im Sprung selbst ist man am Tandempilot/Tandemmaster mit 4 Haken befestigt. Der Tandemsprung wird meistens als Gutschein zu Geburtstagen oder anderen Feiern verschenkt.

Die zweite Möglichkeit Fallschirmspringen selbst auszuprobieren, ist der Einsteig in eine Fallschirmsprungausbildung. Hier hat man die Wahl der klassischen Ausbildung mit einer sogenannten Static Line und der seit einigen Jahren präferierte und auch sehr zu empfehlenden Ausbildungsmethode, die AFF-Ausbildung (Accelerated Freefall, zu Deutsch beschleunigter Freifall).
Bei beiden Ausbildungsmethoden absolviert man zunächst eine Grundausbildung am Wochenende (Freitag – Sonntag), in der man Theorie über Aerodynamik, Sprungablauf, Freifall,  und Verhalten in besonderen Fällen lernt. Weiterhin erfolgt eine praktische Ausbildung an der Fallschirmtechnik, dem Sprungablauf, Schirmfahrt, Landung und Verhalten in besonderen Fällen (Trenntraining). Wenn das Wetter passt springt man direkt am Sonntag aus dem Flugzeug, betreut von mindestens einem Lehrer, bei AFF mit 2 Lehrern.

Bei der Static-Line Ausbildung springt man am Anfang aus 1200m und der Fallschirm wird direkt durch eine Aufziehleine geöffnet. Die Aufziehleine ist am Flugzeug eingehakt, beim rausspringen wird das Fallschirmsystem automatisch geöffnet. Im Laufe der Ausbildung steigert man dann die Höhe und springt ohne Aufziehleine und öffnet den Hauptschirm manuell (also selbst).


Bei der AFF-Ausbildung springt man direkt ab Beginn aus 4000m, mit 2 AFF-Sprunglehrern an seiner Seite, diese Lehrer sind zusätzlich speziell geschult um direkt im Freifall den Sprungschüler zu betreuen, gegebenenfalls zu stabilisieren und den Hauptschirm spätestens bei 1200m zu öffnen, wenn das der Schüler nicht selbst macht. Man absolviert dann AFF Level 1 bis 7, die immer aufeinander aufbauen und nach und nach den Sprungschüler in die Lage versetzen, sich selbstständig und sicher im Freifall zu bewegen und auch mit dem Fallschirm zu landen. Bei der Schirmfahrt wird man am Anfang, durch Funk unterstützt, aber nicht gesteuert, das muss der angehende Springer schon durch das Training selbst machen. Nach 7 Sprüngen ist man Solo und kann mit Sprungauftrag von einem Lehrer allein springen und durchläuft weitere Ausbildungsstufen. Nach 23 Sprüngen ist man prüfungsreif und kann die theoretische sowie praktische Prüfung ablegen und erhält die Lizenz als “Luftsportgeräteführer” vom Deutschen Fallschirmsportverband e.V.

 

 

Titelbild: Clker; Videos: Jörg (Vimeo-Link)

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