Heimwerker Titelbild

Marc über das Heimwerken

Das Heimwerken ist eine viel ausgeübte Tätigkeit, teils aus Spaß an der Sache und teils weil sich die Garage eben nicht selbst streicht. 2010 gaben in einer Befragung, die in mehreren europäischen Ländern durchgeführt wurde, 70 Prozent der Leute an, als Heimwerker tätig zu sein. Im Durchschnitt gibt jeder Deutsche 600 Euro im Jahr für solche Arbeiten im Haus aus, für den Garten sind es sogar deren 1.500. Dadurch fuhren die Baumärkte in 2011 einen Umsatz von 28 Milliarden Euro ein. Seinen Ursprung hat dieser Boom wohl in der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Preise für Handwerker so hoch stiegen, dass die Leute ihr Glück lieber selbst versucht haben. Aber genug mit Zahlen und Fakten. Mein heutiger Interviewpartner Marc ist ein Heimwerker aus Leidenschaft, der auf seinem Blog über seine aktuellen Projekte schreibt. Im Interview erzählt er uns mehr.

 

 

 

Wie bist du zum Heimwerken gekommen?

Das war etwas überraschend. Bis vor einem Jahr etwa hatte ich mich schon gesträubt, wenn meine Frau auch nur ein Regal an der Wand angebracht haben wollte. Irgendwann Mitte des letzten Jahres jedoch wollte sie eines dieser Nagellackregale, die zu der Zeit auf vielen Beauty-Blogs “in” waren. Da hat es mich dann gepackt. Schließlich sollte es nicht etwas Halbgares aus Pappe werden. Dadurch bin ich auf den Geschmack gekommen und seitdem bin ich permanent mit kleineren oder größeren Projekten beschäftigt. Ich würde mich aber auch nicht als “Profi-Heimwerker” bezeichnen. Aber alles, was ich mache, ist nach bestem Wissen und Gewissen. Und natürlich suche ich immer wieder nach neuen Zielen.



Was bereitet dir Freude daran?

Als Softwareentwickler liegt die größte Freude darin, am Ende etwas zu haben, das man anschauen UND anfassen kann. Aber auch kleine Dinge bereiten Freude, wie zum Beispiel wenn ich einen Kniff oder ein Werkzeug entdecke, das mir eine Tätigkeit enorm erleichtert – Ich nenne hier mal einen Schwingschleifer als Beispiel: Wer immer nur per Hand mit Sandpapier geschliffen hat, der wird dieses Gerät sehr zu schätzen wissen.

 

Was baust du alles?

Querbeet alles, was mir in den Sinn kommt oder wofür Bedarf besteht. Das sind praktische Dinge wie ein Zwischenboden oder eine LED-Beleuchtung für die Küche, aber auch für den Alltag recht nutzlose Dinge wie eine Biegevorrichtung für Aluminium-Profile. Ich habe aber auch schon oft genug Projekte gehabt, die sich letzten Endes als Fehlschläge entpuppt haben – So etwas gehört halt zum Heimwerkerleben.

 

Auf welches deiner bisherigen Werke bist du am meisten stolz?

Puh – Das kommt immer auf den Zeitpunkt an. In der Regel bin ich am meisten auf mein zuletzt durchgeführtes Projekt stolz. Aber mein absoluter Favorit bisher ist meine selbst gebaute Stehlampe.

 

Es gibt heute im Internet viele Anleitungen und Tipps zum Heimwerken. Kann man das also schon ohne eine große handwerkliche Begabung machen?

Jain – Es kommt ganz darauf an, wie anspruchsvoll das jeweilige Projekt ist und wie es um die eigenen Fähigkeiten und das Equipment bestellt ist. Das Wichtigste ist, nicht aufzugeben, wenn es mal etwas länger dauert oder man Rückschläge kassiert. Das ist mir oft genug passiert. Aber der Stolz, den man am Ende eines Projektes empfindet, entschädigt für vieles. Man sieht es an mir: Obwohl mir die Heimwerkerei nicht in die Wiege gelegt worden ist und ich erst relativ kurze Zeit dabei bin, werden doch die meisten Projekte erfolgreich abgeschlossen, wenn auch manchmal mit zusammen gebissenen Zähnen.

Bei mir ist es oftmals keine Anleitung, sondern Bilder in Einrichtungsmagazinen oder ähnlichem, die mir Ideen für Projekte liefern. Im Gegensatz zu Anleitungen geht man hier unvoreingenommener als mit Anleitungen an das Projekt. Ich persönlich finde das spannender, da man hier mehr Freiheiten hat und sozusagen neue Wege betritt. Da häufig spezielles Werkzeug vorausgesetzt wird, dass man im Nicht-Heimwerker-Haushalt nicht unbedingt findet, muss man eine gewisse Bereitschaft zum Improvisieren mitbringen. Beispielhaft ist die bereits erwähnte Stehlampe, bei der ich ohne Oberfräse eine Nut ziehen musste.

 

Könnte man sich die komplette Wohneinrichtung nach den eigenen Vorstellungen zusammenbauen?

Selbstverständlich – Mit viel Werkzeug, viel Geld und ausgeprägten Fähigkeiten beziehungsweise sehr, sehr viel Geduld.

 

Ist etwas selbstgebautes günstiger als ein fertiges Möbelstück?

Das ist vor allem von der Preisklasse des Möbelstücks abhängig. Grundsätzlich gilt: Je teurer der Kauf wäre, desto eher lohnt sich der Eigenbau. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Wer denkt, er kann den Designertisch XYZ auf die Schnelle mit Hammer und Nagel nachbauen, wird enttäuscht werden. Qualitativ hochwertige Möbel fallen nicht vom Himmel. Nicht umsonst gibt es Berufe wie Tischler, Zimmermann, Schreiner, und so weiter.

Meist geht es aber auch gar nicht darum, Geld zu sparen. Der eine baut seine Möbel aus Prinzip selber, der nächste findet nirgendwo genau das, was er sucht. Wieder ein anderer sucht einen Ausgleich zur Arbeit. Es gibt es viele Gründe, warum die Leute etwas selber bauen möchten.

 

Wie lange dauert es, sich einen Tisch zu bauen?

Von zehn Minuten für ein Brett auf vier Ziegelsteinen bis zu ein paar Monaten für den Designertisch XYZ ist alles drin. Das kann man nicht pauschal beantworten. Man sollte aber grundsätzlich darauf achten, dass ein Projekt, das man sich vornimmt, in einem akzeptablen Zeitraum umsetzbar ist, da man sich sonst schnell übernimmt und alles hinwirft – Ein Fehler, den leider viele Einsteiger begehen. Wenn man einen Schrank bauen möchte und denkt, so ein Möbel bestünde ja im Grunde nur aus zwei Seitenwänden, einem Boden und einer Oberseite, wird man ziemlich schnell frustriert sein, weil noch einiges mehr dazu gehört, womit man nicht gerechnet hätte – Darin habe ich mittlerweile Erfahrung.

Noch ein Fehler, den man vermeiden sollte: Zu viele verschiedene Dinge auf einmal. Das endet oft darin, dass man zum Schluss etliche halb fertige Projekte herumliegen hat.

 

Von Marc gebaute Stehlampe
Von Marc gebaute Stehlampe

Bekommt man alle nötigen Teile für ein Möbelstück im Baumarkt oder muss man bestimmte Dinge woanders nachkaufen?

Material wie Schrauben, Winkel, und so weiter bekommt man in der Regel im Baumarkt. Allerdings würde ich bei Holz spezialisierte Händler empfehlen. Beispielsweise wollte ich mir in einer Filiale einer großen Baumarktkette Holz zuschneiden lassen. Es war wichtig, dass die Teile auf den Millimeter genau waren, was laut Aussage des Personals auch kein Problem wäre. Tja – Leider hat sich zu Hause herausgestellt, dass die Maße teilweise um bis zu sieben Millimeter abwichen. Bei Zuschnitten also lieber direkt zum Holzhandel gehen.

Bei Werkzeug muss man differenzieren. Auch auf die Gefahr hin, dass sich jetzt der eine oder andere Handwerker aufregt: Bei einem Schraubenschlüssel für den Heimwerker hingegen kann man nicht allzuviel falsch machen. Werkzeuge, bei denen es auf Präzision ankommt, sind im Baumarkt eher minderwertig, zum Beispiel Anschlagwinkel, die theoretisch 90° anzeigen sollten, aber praktisch sind es eben nicht 90°, sondern 91° oder 89°.

Bei elektrischem Werkzeug – wie zum Beispiel einer Kappsäge – sieht das jedoch ganz anders aus. Hier schaue ich grundsätzlich im Internet, welche Geräte und welche Hersteller grundsätzlich empfohlen werden. Aber Vorsicht: Ein Handwerker, der jeden Tag professionell mit dem Werkzeug arbeiten muss, hat andere Ansprüche als der normale Heimwerker. Man muss aber trotzdem ganz klar sagen, dass speziell bei elektrischem Werkzeug beziehungsweise Werkzeug, bei dem es auf Präzision ankommt, in der Regel gilt: Je teurer, desto besser.


 

Nicht jeder hat Platz für eine Werkstatt. Wo empfiehlt es sich, zu bauen?

Das ist ein guter Punkt. Ich würde sogar sagen, die wenigsten mit Heimwerkerambitionen verfügen über eine Werkstatt. Hier ist wieder Improvisationstalent gefragt. Ich zum Beispiel arbeite meist auf unserem Balkon. Glücklicherweise sind unsere Nachbarn recht tolerant und wenn man laute Arbeiten nicht gerade am Sonntag oder in der Mittagspause durchführt, ist das kein Problem.

Ansonsten könnte ich noch auf eine Garage ausweichen. Die Vorteile sind ganz klar: Sie bietet mehr Platz und man kann die Türen schließen und so sein Umfeld etwas vor dem Lärm schützen – Eine Oberfräse zum Beispiel ist in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzen! Der Nachteil an der Garage ist, dass man immer das Werkzeug hin und wieder zurück transportieren muss, was ab einer gewissen Menge ein echter Hinderungsgrund wird. Aber auch einen Keller wird der eine oder andere zur Verfügung haben. Man muss eben immer das Beste aus den gegebenen Umständen machen.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Bild im Artikel: Marc

  • Mikki

    Interessantes Interview über eines der liebsten Hobbys der Deutschen. Ich selbe schraube auch gerne mal rum. Meine Materialien bekomm ich immer von http://www.klokow-gmbh.de/. Ist ein super Shop

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