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Martin über das Auswandern, Herumreisen und Leben in Südamerika und Asien

Es gibt (auch wenn sich über die genaue Anzahl streiten lässt) 197 Länder auf der Welt, die sich auf gut 149,4 Millionen Quadratkilometer Fläche erstrecken. Eine ganze Menge zu entdecken also, weswegen viele Leute im Urlaub an die exotischsten Orte fahren und gut 800.000 Deutsche jedes Jahr auswandern. Dazu gehört auch mein heutiger Interviewpartner Martin, der schon auf den Philippinen, in Thailand und Uruguay gelebt hat. Im Interview erzählt er uns mehr über diese Länder, die Leute und seine Erfahrungen.

 

 

Wie bist du dazu gekommen, so viel herumzureisen, sprich warum nicht einfach in Deutschland bleiben?

Das hat sich einfach so ergeben. Du weißt ja wie das ist, da reist man mal hier und da hin und plötzlich denkt man: Ach hier könntest auch mal etwas länger bleiben. Jetzt hab ich früher auch Urlaub wie jeder andere gemacht – vielleicht ein bisschen mehr, aber dennoch halt mehr oder weniger geregelt. Da sind natürlich mehr Zwänge mit verbunden, die nicht jedem und schon gar nicht mir passen. Ich mags ungezwungen. Ich bin nicht aus Deutschland weg, weil es da so schlecht ist. Kannst mir glauben, es gibt wenig Länder, in denen es sich so gut und sicher leben lässt wie in Germany. Das merkt man als Urlauber nicht. Aber wenn du mal länger irgendwo bist, dann lernst die Macken schon kennen. Du wirst ja auch plötzlich ganz anders behandelt. Der Touri bringt Geld. Einer, der länger da wohnt ist Konkurrent.


Wo warst du schon überall und wo lebst du im Moment?

Ich habe drei Jahre auf den Philippinen gelebt und dann zwei Jahre in Thailand. Jetzt lebe ich seit 11 Jahren bei den Gauchos in Uruguay in Südamerika. Ich reise nicht so viel umher. Das bringt einfach nichts. Backpacker mache ich, aber nicht mit einer To-Do-Liste. Die Leute übersättigen sich ja selbst. Am Schluss müssen Sie dann im Fotoapparat nachschauen wo sie überall waren.

 

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Kann man einfach irgendwo hin reisen und dort bleiben oder geht das wegen Aufenthaltsgenehmigungen, Visa etc. nicht so einfach?

Na, das ist halt schon so ein Thema. Wenn du allein reisen tust, ist dir das egal. Meist hast ja immer drei Monate in einem Land. In den meisten Fällen gehst einfach über die Grenze und kommst dann wieder für drei weitere Monate rein. Auf den Philippinen musstest du einmal im Jahr für drei Tage raus. Das war dann schon teilweise eine Odyssee, denn es gibt ja kein Festland drumherum. Einmal war ich drei Tage in Hongkong und ein anderes Jahr ein paar Tage im Urwald von Borneo. Beim dritten Mal bin ich nach Thailand und gleich dort geblieben.

In Uruguay ist das einfach als Reisender. Über die Grenze nach Argentinien, also kurz mal nach Buenos Aires rüber über den Rio de la Plata und zurück. Oder man nimmt den Bus nach Brasilien. Liegt ja gleich um die Ecke. Ich brauche das nicht mehr, habe ja einen uruguayischen Pass bekommen. Der hilft allerdings nur, wenn du hier Ämtergänge regeln musst. Ansonsten nutze ich den deutschen Reisepass. Ohne einen einheimischen Pass kannst ja auch nicht legal arbeiten. Selbst virtuell wird das schwierig, da Deutschland mit vielen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen hat. Und da werden Daten ausgetauscht.

 

Die meisten Menschen wandern ja eher in ein bestimmtes Land aus und bleiben dann da wohnen. Warum gehst du immer an neue Orte?

Ach weisst du, immer neue Orte sind es ja auch nicht. Ich bewege mich in den Ländern, in denen es mir gut gefällt. So wie du in Deutschland umziehst. Es ist halt auf den Philippinen oder in Uruguay ein riesiger Unterschied, ob du in einer Stadt oder auf dem Land wohnst. So was will ich halt genauer kennenlernen. Aber ich zwinge mich da zu nichts. In Uruguay bin ich jetzt 5 mal umgezogen. Ich weiß noch nicht wie es weitergeht. Irgendwie juckt es immer noch, aber ich habe mich halt auch etwas an die Mentalität gewöhnt und lebe ja hier von meinen Kenntnissen.

 

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Wo hat es dir bis jetzt am besten gefallen?

Ach jedes Land hat seine Vor- und Nachteile. Da gibt es nichts Perfektes. Es gibt zu viele Spinner, die sich die Auswanderersendungen reinziehen und meinen anderswo ist es besser. Die meisten fallen auf die Nase, wenn die erste Euphorie einmal vorbei ist. Die Philippinen waren schon geil. 7000 Inseln. Ich habe damals noch als Tauch- und Trekkingguide gearbeitet. Das war kernig. So mit dem Boot die Gäste eine Woche auf einer Tauchsafari von einer Insel zur anderen schippern. Das hat was. Aber die Filipinos sind nicht ohne. Dann kam es damals auch noch zu den Terroranschlägen in New York und das hat sich dann ausgeweitet bis dorthin. Ständig blutige Separatistenbewegungen und auch die hohe Korruptionsrate. Das nervt. Bin ich dann ab.

 

Wo willst du unbedingt nochmal hin?

Na die Frage ist ja in der vorangegangenen erklärt. Thailand reizt mich nicht mehr, obwohl ich Bangkok ganz toll finde.

 

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Wie schwierig ist es Arbeit zu finden und sich seine Brötchen zu verdienen wenn man immer mal wieder in ein anderes Land geht?

Hab ich kein Problem damit. Ich fahre zweigleisig. Da ich ja Texter und Betreiber des Lateinamerika Reisemagazins Lateinamerika-reisemagazin.com bin, konnte ich bislang von überall aus arbeiten. WLAN, was hier Wifi heißt, gibt es selbst im Busch teilweise. Aber neuerdings hab ich mir ein zweites Standbein gesichert. Ich habe eine exklusive Reiseagentur in Uruguay aufgemacht, bei der man Uruguay erleben kann, wie sonst nie. Ich habe zwar ein paar vorgefertigte Reisen im Angebot – der deutsche Urlauber will das so – aber meine Spezialität sind Reisen nach Kundenwunsch. Im Grunde plane ich jede Reise ganz individuell vor der Anreise mit dem Kunden. Oder er sagt mir was er will oder noch besser, wir fahren einfach mal drauflos. Selbst zahlen muss man vorher nichts. Erst in Uruguay vor dem Antritt der Reise. Mal sehen wie flexibel der deutsche Abenteuerurlauber in Wirklichkeit ist. An sich ist es aber sehr schwer eine Arbeit zu finden – speziell in Asien. Die Löhne sind ja entsprechend niedrig. Um gut zu leben, musst du in Tourismus machen oder von einer ausländischen Firma angeheuert werden. Die sitzen dann aber immer in den Großstädten, das ist gar nichts für mich. Das WWW gibt einem da schon noch ein paar Zusatzeinkommensmöglichkeiten. Das wird mittlerweile aber auch in Südamerika überwacht.

 

Wie kommst du mit den Sprachen zurecht?

Durchwursteln. Hahaha! Ne, geht schon. Die Philippinen sind voll anglophon. In Thailand weniger. Ganz schlimm ist es hier. Ohne Spanisch kommst nicht durch. Kommst durch, aber brauchst ständig einen, der dir hilft. Na ja. Nach 11 Jahren sollte man schon etwas reden können. Und da ich nichts mit Auswanderern zu tun habe, die sich wie in Deutschland zum Stammtisch treffen, bleibt mit nur die Flucht nach vorne. Sprache lernen.

 

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In Asien und Südamerika sind ja auch viele Urlaubsorte. Wie sehr unterscheidet sich das wenn man da Urlaub macht oder länger da bleibt?

Na du wirst zum Konkurrenten. Auf den Philippinen geht das ganz krass zu. Da kannst nur dort arbeiten, wo du den Einheimischen keine Konkurrenz machst. Die bringen dich ansonsten um. Das hört sich hart an, ist aber so. Einige meiner Kumpels sitzen dort im Knast, weil sie Handwerkbetriebe aufgemacht haben. Da haben die Einheimischen dann Minderjährige als Arbeitskräfte eingeschleust und diese haben die Besitzer wegen sexueller Belästigung angeklagt. Auch eine Variante ist: ein bisschen Dope im Haus verstecken und die Bullen drauf hinweisen. Wenn die dich erwischen, verschwindest für Jahre im Bau. Hier ist das nicht so. Alles läuft ziemlich gesittet und stark europäisiert ab. Neid gibts, wie überall, aber nicht mehr. Auch die Korruption ist in Uruguay nicht so weit verbreitet. Das Land gilt als sicher und transparent. Die Hauptstadt Montevideo kann mit der besten Lebensqualität in ganz Lateinamerika aufwarten. Ich wohne 40 Kilometer entfernt am Rio de la Plata.


Du hast dann ja schon einiges gesehen und erlebt. Was ist das wichtigste das du dabei gelernt hast?

Ruhig bleiben, egal was passiert. Und lass dich bloß nie vom ersten Eindruck täuschen. Wenn du erst einmal länger irgendwo bist, offenbart sich dir das wahre Land – negativ wie auch positiv. Ich mache mir keine Freunde bewusst, so was kommt mit der Zeit. Aber wenn du dann welche hast, sieht plötzlich alles ganz anders aus. Dann lernst du das Land und die Kultur wirklich kennen. Komm mal vorbei, ich zeig dir Uruguay und Buenos Aires.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Bilder im Artikel: Martin

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