Bus Fahrer werden Titelbild

Michael über seinen Beruf als Reisebusfahrer

So gut wie alle von euch sind wohl schoneinmal Bus gefahren, sofern ihr jünger als 188 Jahre alt seid. Denn der erste Bus ging bereits 1825 in Betrieb, damals mit 2 Pferdestärken und Platz für immerhin 10 bis 20 Fahrgäste. Der erste von einem Verbrennungsmotor angetriebene Bus nahm 1895 zwischen Siegen und Netphen den Betrieb auf und im Laufe der folgenden Dekaden entwickelten sich daraus Doppeldeckerbusse, Busse mit Anhänger, Doppelgelenkbusse und Busse mit Hybridantrieb. Wie man sieht, können Busse neben undefinierbaren Flüssigkeiten auf dem Sitzpolster, Ketchup an der Haltestange und einem Mangel an Sitzplätzen doch ganz interessant sein. Aus diesem Grund haben sich alleine in Europa 1,1 Millionen Leute dazu entschieden, Fahrgäste von A nach B zu transportieren. Michael, der seine täglichen Erlebnisse als Reisebusfahrer auf seinem Blog festhält und ein Buch über das Linienbusfahrer-Dasein geschrieben hat, erzählt uns mehr darüber.

 

 

 

Warum wolltest du gerade Busfahrer werden und nicht etwa LKW-Fahrer?

LKW-Fahrer war für mich nie eine Option gewesen – zum ersten, weil die Arbeitsbedingungen einen sehr schlechten Ruf haben, zum anderen, weil LKW-Fahrer eigentlich nur auf Autobahnen und Industriegebieten unterwegs sind und von den schönsten Plätzen in Europa selten was mitbekommen. Außerdem ist der Job für mich ein Kindheitstraum, was man in meinem Buch Traumberuf: Busfahrer nachlesen kann.



Reicht ein Busführerschein um Busfahrer werden zu können, oder braucht man eine zusätzliche Ausbildung?

Nein – Um Busfahrer zu werden, muss man heutzutage eine Berufsausbildung machen. Das ist von der EU seit wenigen Jahren für alle Länder vorgeschrieben. In Deutschland kann man nach der Schule eine 3-Jährige Ausbildung zum “Berufskraftfahrer (BKF)” oder “Fachkraft im Fahrbetrieb (FiF)” absolvieren. Der normale Busführerschein reicht nicht mehr aus – früher konnte jeder Bus oder LKW fahren, aber die Anforderungen und das Wissen für den Job sind mittlerweile zu hoch geworden.

 

Michael's Reisebus
Michael’s Reisebus

Wie schwierig ist es im Vergleich zu einem normalen Auto, einen Bus zu fahren?

Es ist viel schwieriger als man denkt – Früher dachte ich immer: “Joa, Busfahren ist ganz einfach”, aber Busse haben nunmal eine Länge von 12 bis 18 Metern und auch eine Breite von 2,55 Metern. Und das bedeutet, dass man eine Straße ganz anders befahren muss, eine Kurve oder Kreuzung anders befährt, man einen viel längeren Bremsweg einkalkulieren muss … Und zum Schluss mit unvorsichtigen Autofahrern rechnen muss, die unüberlegt handeln. Man muss mit dem großen Bus viel vorsichtiger und vorausschauender fahren als mit einem PKW.

 

Wird es mit der Zeit langweilig wenn man immer dieselben Busline fährt?

Meiner Meinung nach: Ja. Für mich ist die Abwechslung an dem Job das A und O, und immer wieder dieselbe Linie zu fahren ist auf Dauer langweilig. Es gibt aber auch Busfahrer, die sehen das genau andersherum: Für die reicht es vollkommen aus, immer dieselbe Linie zu fahren. Ich denke, da wird jeder Busfahrer eine andere Antwort darauf haben.

 

Bei mir sind die Busse in 99% der Fälle pünktlich. Wie schafft man es trotz Ampeln und Verkehrsdichte den Fahrplan einzuhalten?

Dass jeder Bus pünktlich fährt, hängt von der Person ab, die den Fahrplan erstellt hat. In der Planung, werden Ampeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen, hohes Verkehrsaufkommen (Staus, Baustellen etc.) immer möglichst berücksichtigt. Zusätzlich wird in unseren Großstädten der Bus oder die Straßenbahn immer bevorzugt behandelt: Mittels speziellen Fahrspuren oder eigenen Ampelschaltungen.

 

Hat man nach einem ganzen Tag auf der Straße noch Lust auf den Straßenverkehr oder nimmt man zum Supermarkt dann doch lieber das Fahrrad?

Gute Frage. Wir Busfahrer sind Profis im Straßenverkehr und ich denke es macht uns nichts aus, nach der Arbeit im Bus, dann noch als normaler Autofahrer im Verkehr teilzunehmen. Ich persönlich würde eher mit dem Auto zum Supermarkt fahren, aber auch einfach nur, weil ich zu faul wäre aufs Rad zu steigen.

 

Sieht man viel von Europa, wenn man Langstrecken fährt?

Auf jeden Fall. Ich bin 2 Jahre lang Reisebus gefahren und habe 14 Länder bereist und die wichtigsten Metropolen und Sehenswürdigkeiten Europas gesehen. Das ist eine schöne Annehmlichkeit im Beruf: Man sieht schöne Sachen und wird dafür noch bezahlt!

 

Hast du Aufenthalte an den Zielorten, sodass du etwas davon zu sehen bekommst?

Ja. Wenn man eine Reisegruppe hat, die eine Rundreise unternimmt, so bleibt der Fahrer logischerweise immer vor Ort und begleitet die Gruppe. So habe ich schon 2 Wochen lang an der spanischen Mittelmeerküste verbracht, 1 Woche lang im Schwarzwald, 1 Woche lang England etc. – Ich sehe es dann als bezahlten Urlaub an.

 

Wenn du dir deine Route selbst aussuchen dürftest: Wo würdest du am liebsten einmal langfahren?

Puh, schwierige Frage. Ich würde wohl mir die beliebten Ziele raussuchen, die ich bislang noch nicht angefahren habe: Beispielsweise nach Schottland oder ans Nordkap und die Lofoten (hoch im Norden Norwegens)

 

Ist das Fahren ab einer bestimmten Länge körperlich anstrengend?

Ja. Wenn man studenlang am Steuer sitzt, geht das auf den Rücken. Und wenn man hunderte Kilometer Autobahn abspult, geht irgendwann die Konzentration weg und Müdigkeit schleicht sich ein.

 

Welche Fahrgäste sind angenehmer? Die im Linienbus in der Stadt oder die auf Fernreisen?

Das lässt sich nicht so einfach beantworten – Das hängt immer vom Fahrer ab. Wenn man in einer Stadt Bus fährt, hat man keinen Kontakt zu Fahrgästen, die Gespräche beschränken sich höchstens auf den Fahrscheinverkauf. Für eine Sorte von Fahrern ist das angenehmer. Auf Busreisen durch Europa, muss man sich immer um seine Fahrgäste kümmern und sich um Ihr Wohl sorgen. Das ist mit persönlich lieber und macht mir mehr Spaß. Man baut eine Bindung zum Gast auf, man ist tagelang unterwegs. Das finde ich viel spannender als nur einen Fahrschein zu verkaufen.

 

Wie ist Beruf als Busfahrer

 

Was macht deiner Meinung nach einen guten Busfahrer aus?

Ein guter Busfahrer braucht vorallem eins: Geduld und Gelassenheit. Klingt recht einfach, aber das ist es nicht. Schließlich ist man mit vielen Dingen auf einmal konfrontiert: Zeitdruck den Fahrplan einzuhalten, nörgelnde Fahrgäste die sich beschweren oder einfach Ihren Frust ablassen wollen. Verkehrsteilnehmer die nicht nachdenken und den Bus behindern und so weiter. Die Liste ist sehr lang. Dabei noch die nötige Freundlichkeit beizubehalten ist dann noch die größte Herausforderung.


 

Was macht dir Spaß an deinem Beruf?

Ich bin kein Sklave eines Büros, der täglich von 8 – 17 Uhr dasselbe tut und immer dieselben Kollegen oder Chef vor sich hat. Ich fahre an fremde, unbekannte Orte, lerne neue Kulturen, Länder und Menschen kennen. Und dafür bekomme ich noch Geld.

 

 

 Bilder: Titelbild: Clker; 1. Bild von Michaels Reisebus: fif24; Bus Parkplatz mit mehreren Bussen: Hartmut910  / pixelio.de

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