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Nina über das Auswandern und Wohnen in Australien

Australien ist das sechstgrößte Land der Welt, wegen der geringen Einwohnerzahl von 23,1 Millionen müssen sich aber gerade einmal 3 Menschen einen Quadratkilometer teilen. Aber nicht nur für ruheliebende Menschen ist Australien eine gute Wahl, sondern auch für Reiter: Barbetreiber müssen per Gesetz nicht nur die Gäste bewirten, sondern auch deren Pferde. Meine heutige Interviewparterin Nina, die ihre Erlebnisse und Gedanken auf ihrem Blog festhält, kann uns als Auswanderin aber mehr über Australien erzählen. Im Interview gibt’s mehr über Weihnachten im Sommer, Kängurus und Co.

 

 

Wie bist du dazu gekommen nach Australien auszuwandern?

Ich bin 2009 als Backpackerin durch Australien gereist und habe gleich am ersten Tag meinen heutigen Mann kennen gelernt. Als meine Reise nach drei Monaten um war, ist er kurz darauf mit mir nach Europa gezogen. Wir haben zwei Jahre in Deutschland gelebt, während ich mein Studium beendet habe und sind 2011 gemeinsam nach Australien gezogen. Mein Mann ist in Sydney aufgewachsen und hat hier Freunde und Familie und so kommt es, dass auch ich heute hier lebe.


Hattest du Schwierigkeiten mit dem australischen Englisch oder ist das gut zu verstehen?

Als ich das erste Mal in Australien war, kam mir die Sprache doch etwas seltsam vor. Ich kann zwar sehr gut Englisch, habe aber kaum ein Wort verstanden, wenn sich die Australier in ihrem Slang unterhalten haben. Mit der Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt und heute habe ich ein angenehm vertrautes Gefühl, wenn ich die Aussies reden höre. Ich war vergangenes Jahr zu Besuch in den USA und erst dort ist mir aufgefallen, wie sehr auch ich mir das australische Englisch bereits angeeignet habe.

 

x-mas

 

Wie ist das so wenn an Weihnachten Hochsommer ist?

Schrecklich. Nein, ganz ehrlich, wenn man in einer Gegend aufgewachsen ist, wo es Berge und Schnee gibt, dann kommt einem Weihnachten hier einfach nur seltsam vor. Die vorweihnachtliche Stimmung kommt gar nicht erst auf und an Weihnachten selbst – die Australier feiern tagsüber am 25. Dezember – ist es meistens sehr heiß.

Die ersten Jahre habe ich noch zwanghaft versucht, vorweihnachtliche Traditionen zu leben: Kekse backen, Glühwein trinken, Weihnachtslieder hören, sich mit Freunden auf dem Nachtmarkt treffen… aber es ist einfach nicht dasselbe, wenn man bei 30°C Glühwein trinkt. Es hat mich eher traurig gestimmt. Heute lass ich das deshalb lieber und geh zu Weihnachten stattdessen surfen.

 

Stimmt das Bild von Kängurus, Stränden und Surfern das ich habe wenn ich an Australien denke?

Ja und nein. Kängurus und Koalas zum Beispiel, mit denen im Tourismus gern geworben wird, sieht man in freier Wildbahn eher selten. Wallabys hingegen (die kleine Version vom Känguru) sieht man dann doch häufiger. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass sich die erste Begegnung eines Touristen mit einem wilden Känguru ungefähr so abspielt: Man sieht es tot am Straßenrand liegen. Nicht so ganz das Bild, das man sich ausmalt, oder?

Was die Strände und das Surfen angeht, ist Australien aber schon sehr speziell. Es gibt hier wunderschöne kilometerlange menschenleere Sandstrände… mein absoluter Lieblingsstrand ist Broken Head in Byron Bay. Es ist auch ein guter Ort, um Delfine und andere Meerestiere zu beobachten.

Und auch dass die Australier sehr gerne Zeit am Strand verbringen, stimmt auf jeden Fall. Dass aber jeder Australier surft, ist ein absoluter Mythos. Ich surfe sehr viel und lerne kaum Menschen kennen, die wie ich nicht direkt am Meer wohnen und sich die Mühe machen, um 6 Uhr morgens (da sind die Konditionen fürs Surfen nämlich am besten) 40 Minuten an den nächsten Strand zu fahren. Surfen tun normalerweise nur Leute, die auch wirklich am Strand aufwachsen oder dort leben. In unserem Bekanntenkreis surft zum Beispiel niemand, außer meinem Mann und mir. Die beliebteste Sportart in Australien ist übrigens AFL (Australian Football League).

 

surfing

 

Was gefällt dir an Australien? Was ist unterschiedlich?

Was mir hier am besten gefällt, ist das Surfen, mit allem was dazu gehört. Ich bin eigentlich gar keine Wasserratte, aber ich liebe die Surfkultur, die wunderschönen Strände und das Gefühl Eins zu sein mit der Natur. Es gibt nichts Schöneres, als auf seinem Surfbrett zu sitzen, die Füße im Wasser baumeln zu lassen und sich den Sonnenaufgang anzuschauen. Wenn man Glück hat, schwimmen noch ein paar Delfine vorbei. Klingt nach Klischee, aber das kann man hier sehr wohl erleben.

Man lernt nicht nur das Meer besser kennen, sondern man lernt vor allem auch viel über sich selbst, denn Surfen ist eine sehr schwierige Sportart: Nur wer Ausdauer hat, geduldig ist und nicht aufgibt, kann lernen, die perfekte Welle zu reiten.

Der typische Australier ist ein sehr gemütlicher Mensch, der alles sehr gelassen nimmt. Ich sehe also die größten Unterschiede zu unsereins in der Mentalität. In vielen Dingen sind die Australier so ziemlich genau das Gegenteil von uns. Ich kann mir vorstellen, dass es für viele Mitteleuropäer schwierig ist (mich eingenommen), sich an die australische Mentalität zu gewöhnen.

 

Was ist hier in Mitteleuropa besser?

Ich persönlich vermisse am meisten die Menschen und die Mentalität in Mitteleuropa, die Kultur, Traditionen und Bräuche, das Essen, den Schnee und die Berge, sowie die Tiefgründigkeit und der Wille zur konstruktiven Kritik: Man ist ehrlicher, geradliniger, authentischer. Smalltalk und Äußerlichkeiten sind weniger wichtig.

Einerseits ist die relaxte Atmosphäre in Australien natürlich toll, andererseits geht sie einem manchmal auch gehörig auf den Wecker. Vor allem im Berufsalltag fällt es mir oft schwer, denn die gemütliche Arbeitsmoral hat auch ihre Schattenseiten: Alles etwas lockerer zu nehmen, heißt nämlich auch, dass die Menschen nicht ganz so verantwortungsbewusst und leider auch ziemlich unzuverlässig sind.

 

bondi

 

Wie nehmen die Australier Einwanderer auf?

Die Australier gelten als sehr freundliches Volk, jedenfalls ist das der erste Eindruck, den man hier als Reisender bekommt. Ich muss zugeben, sie sind wirklich sehr umgängliche, umkomplizierte Menschen, immer herzlich und immer hilfsbereit, die nichts so schnell aus der Ruhe bringt. „No worries“ – das wird von den meisten hier tatsächlich gelebt.

Richtige Freunde zu finden, ist hier jedoch genau so schwer, wie in jedem anderen Land in dem man fremd ist. Wenn man nämlich genauer hinschaut, sind die Australier nicht ganz so offene Menschen, wie vielleicht zuerst angenommen. Ich selber habe in Sydney zwar viele andere Einwanderer kennen gelernt (von denen gibt es hier auch wirklich genug), aber doch relativ wenig Australier.

 

Gibt es in Australien viele giftige und gefährliche Tiere oder ist das nur ein Gerücht?

Leider ist das kein Gerücht und nicht nur das: Es gibt auch alle möglichen lästigen Kriechtierchen, mit denen man sich gezwungenermaßen Haus und Hof teilt. Giftige Spinnen und Schlangen habe ich bereits gesehen und als Surferin habe ich mit Quallen auch schon meine Erfahrungen gemacht. Haien bin ich bis jetzt nur bei Tauchgängen begegnet. Am besten weiß man nicht so genau, was sich da im Wasser alles tummelt… sonst würden wohl viele Menschen das Meer meiden. Man muss das wie die Australier sehen und sich einfach „no worries“ denken.

 

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Was isst man in Australien? Gibt es da Spezialitäten?

In Australiens Kultur ist vieles von anderen Ländern übernommen worden. Viele Bräuche haben ihre Wurzeln in England oder Amerika, mit der Esskultur ist es da nicht anders. Wenn man die Australier fragt, was denn typisch australisch sei, dann würden die meisten wohl mit „BBQ“ antworten – davon können sie hier nämlich nie genug bekommen. Es gibt auch wirklich super gute Steaks hier, das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, wenn man auf Besuch ist.

Müsste ich so etwas wie ein Nationalgericht nennen, dann am ehesten den Pavlova, einen Meringuekuchen mit frischen Früchten. Die Australier streiten zwar noch immer mit den Neuseeländern darüber, wer das Rezept nun (zuerst) erfunden hat, aber das ist eine andere Geschichte.



Dann gibt es natürlich noch Vegemite, eine sehr spezielle australische Erfindung, mit der man schon so manche Touristen erschreckt hat. Am ehesten könnte man Vegemite als salzigen Brotaufstrich beschreiben. Schmeckt so ähnlich wie Maggi und am liebsten wird es zum Frühstück gegessen. Ich bin mittlerweile übrigens auch Fan davon.

Ansonsten isst man in den größeren Städten von Australien sehr multikulturell. Es gibt viele Asiaten, Inder, Italiener… da wird einem also nie langweilig.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Bilder im Artikel: Nina/australien-no-worries

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