Jagd Erfahrung Titelbild

Stefan über das Jagen

Die Jagd hat eine lange Tradition, die bis an den Anfang der Menschheit reicht, als das Fleisch noch nicht in der Kühltheke bei Aldi lag sondern auf vier Beinen durch den Wald getollt ist. Seitdem ist die Jagd aber nicht verschwunden. So gibt es in Deutschland über 350.000 Jagdscheininhaber, die sich teils beruflich teils zum Vergnügen auf die Pirsch begeben. Einer von ihnen ist Stefan, der seinen Jagdschein bereits seit dem 16. Lebensjahr besitzt, heute Inhaber einer Jagdagentur ist und einen Jagdblog schreibt. Im Interview erzählt er uns mehr über das Jagen.

 

 

 

Was hat dich zum Jagen gebracht?

Mein Vater, auch er war begeisterter Jäger und hat in mir die Begeisterung für die Jagd geweckt. Allerdings glaube ich, dass meine Sehnsucht zur Natur in frühester Kindheit die Begeisterung für die Jagd zusätzlich beflügelt hat. Schon als kleiner Bub wollte ich immer in den Wald und liebte die Ausflüge meiner Eltern in die Natur. Bereits mit 13 bekam ich dann meinen ersten Jagdhund, mit dem ich fast täglich alleine stundenlange Spaziergänge unternahm, während meine Altersgenossen Fußball spielten oder an ihren Mofas bastelten.



Was braucht man, um selbst jagen gehen zu können?

Am Anfang steht natürlich das erfolgreiche Ablegen der Jägerprüfung. Doch nur durch die innige Verbundenheit zur Natur erhält das Jagen einen Sinn. Wer diesen Zugang zur Natur nicht findet oder hat, wird keine Freude an der Jagd haben. Deshalb sage ich immer: “Über die Natur findet man den Zugang zur Jagd, niemals umgekehrt”

 

Stefan mit seinen Hunden
Stefan mit seinen Hunden

Was bietest du in deiner Jagdagentur an?

Mein Angebot ist breit gefächert. Dies muss man auch, da man von einem Bereich alleine nicht leben kann. Neben der Anleitung bei der Ausbildung von Jagdhunden in Nichtjägerhänden biete ich die komplette Dienstleistung rund um die Jagd an. Jagdpächter können bei mir die komplette Jagddienstsleistung der Revierbetreuung anfordern. Von der Erstellung der Reviereinrichtung, über die Bereitstellung von Hunden für die Nachsuche, über das Führen von Jagdgästen und das Ausrichten von Gesellschaftsjagden und eine professionelle Wildfleischvermarktung biete ich alles an, was zu einer professionellen Jagd gehört.

Daneben bin ich 1. Vorsitzender des Jagdvereins Lehrprinz e.V. , der sich zur Aufgabe gemacht hat, Jäger nach der Jägerprüfung an das aktive Jagen heranzuführen. Neben der eigentlichen Erlegung wird hier der gesellige Umgang unter Jägern gepflegt. Auch das Erstellen von Reviereinrichtungen wird aufgezeigt. Die oft schwierige Zusammenarbeit der Jäger mit Förstern und Landwirten wird gelehrt. In zahlreichen Reviergängen lernt der Jungjäger die Zeichen der Natur zu deuten um zu erkennen, wo sich Wild aufhält, auch wenn man es nicht sieht. Das Verarbeiten und Zubereiten erlegten Wildes ist ein wichtiger Bestandteil der Jägerausbildung. Die Chronologie des Erlegens des ersten Stückes, das dann geborgen, versorgt, zerlegt und bratenfertig zubereitet wird, ist sicherlich das Ergreifendste, was ein Jungjäger bei mir erlebt.

 

Ist Deutschland ein gutes Land zum Jagen?

Wenn man den alpinen Raum einschließt, sind Deutschland und Österreich das beste was die Welt jagdlich zu bieten hat. Nirgendwo sonst ist die Vielfalt des jagdbaren Wildes so groß und die Wilddichte so hoch, wie hier in Mitteleuropa. Dies wird oft bei der Beurteilung unserer Naturlandschaft vergessen.

 

Hast du oft mit Jagdgegnern zu tun? Was sind deren Argumente?

Ja, dies ergibt sch zwangsläufig durch meine Pressearbeit mit dem Jagdblog. Die Jagdgegner argumentieren, dass die Jagd nicht mehr in die hochentwickelte Zivilgesellschaft in Deutschland passt. Gleichzeitig gestehen sie den Naturvölkern die Jagd als Kulturgut zu, da sie sich noch auf einer niedrigeren Zivilisationsentwicklungsstufe befinden. Ich selber sehe darin einen verdeckten Rassismus, weil man Naturvölker, denen man die Jagd zugesteht damit gleichzeitig zu zivilisatorisch minderwertigen Kulturen degradiert. Diese Argumentation erinnert mich immer sehr stark an die Verurteilung der nomadisch lebenden und jagenden Indianer zur Zeit der Besiedlung des Westens der USA durch die weißen Einwanderer. Auch dort beanspruchten die weißen Einwanderer den hochwertigeren Zivilisationsstatus für sich, weil sie siedelten und sich von Nutzvieh ernährten. Die Jagd wurde auch damals als Beschäftigung von Wilden und als zivilisatorisch minderwertig angesehen.

 

Welche Regelungen gibt es, damit der Tierbestand nicht durch das Jagen bedroht wird?

Die Regelung ergibt sich durch das Jagen selbst. Alle Tiere unterliegen großen, von der Bejagung völlig unabhängigen Populationsschwankungen. In Jahren hoher Populationen kann ich viele Tiere jagen, in den Jahren niedriger Population eben auch weniger. Kein Jäger, der sein Revier liebt und pflegt, ist an der Ausrottung der dort lebenden Tiere interessiert. Er will jedes Jahr eine mehr oder weniger hohe Strecke erzielen, ohne den Bestand zu gefährden. Hier fehlt es in der unaufgeklärten Öffentlichkeit an Vertrauen in die Jägerschaft, dass Jäger am besten wissen, wie eine Wildart zu bejagen ist, damit sie nicht im Bestand bedroht wird, es aber trotzdem nicht zu überhöhten Wildbeständen kommt.

 

Kannst du uns erklären wie eine Jagd genau abläuft?

Es gibt viele Arten der Jagd und der Jäger hat sich die verschiedenen Arten der Jagd sehr genau von den Tieren abgeschaut. Ein Wolfsrudel jagt in der  Gruppe, treibt sich das Wild zu, um es zu erlegen. Beim Jäger heißt diese Art der Jagd Drück- oder Treibjagd. Bei den Greifvögeln unterscheidet man den Pirschjäger und den Ansitzjäger. Der eine Greifvogel durchstreift sein Jagdgebiet und schlägt, wenn es sich ergibt, zu. Diese Pirschjagd übt auch der Jäger aus, wenn er auf die Pirsch geht. Viele Greifvögel sitzen oft stundenlang auf einem Baum und hoffen, dass ihre Beute in ihre Nähe kommt. Dies ist die klassische Ansitzjagd, die der Jäger vom Hochsitz aus ausübt.

 

Ist das Jagen gefährlich?

Nein, wenn man sich an die in der Jägerprüfung gelernten Regeln hält nicht.

 

Womit wird geschossen?

Schalenwild, also Schwarzwild, Rehwild, Rotwild – kurzum alles, was sich auf schalenartigen Hufen bewegt – mit der Kugel und das Niederwild wie Fuchs, Hase, Kaninchen mit Schrot.

 

Wie werde ich Jäger

 

Wie werden die geschossenen Tiere weiterverarbeitet?

Sofort nach der Erlegung kommt das aufgebrochene (ausgeweidete) Wild ins Kühlhaus, wo man es einige Tage reifen lässt. Danach wird es aus der Decke geschlagen (gehäutet) und in bratenfertige Portionen zerlegt. Wild ist durch seine Ernährung sehr eiweißhaltig, durch das freie Leben in der Natur sehr fettarm. Dadurch ist seine Farbe tiefdunkelrot. Durch die starke Aufnahme von Hülsenfrüchten nimmt Wild viel Gerbsäure auf, was zu seinem unverkennbaren Geschmack führt, den man von Haustieren her nicht kennt.

 

Was bereitet dir am Jagen Freude?

Viele Nichtjäger sehen Wild oft erst dann, wenn es flüchtet. Wir Jäger haben die Möglichkeit, Wild völlig vertraut beobachten zu können. Wir sehen die vertraut ziehende Ricke mit ihrem nur wenige Tage alten Kitz durch die Wiese ziehen. Wir können den Rehbock beobachten, wie er die Geiß treibt (Paarung) und auch sonst haben wir als Jäger die Möglichkeit, die Natur wie durch ein Fenster zu beobachten und – ohne die Tiere zu stören – für einige Stunden ein Teil von ihr werden. Diese Spannung gepaart mit einem sicherlich für den urbanen Menschen merkwürdigen archaischen Bedürfnisses des Beutemachens, übt auf den Naturmenschen eine unstillbare Faszination aus. Es ist die Spannung, die sich aufbaut, wenn man den Entschluss fast, mit der Waffe in den Wald zu gehen. Die Erwartung, Tiere in einmaligen Situationen ungestört beobachten zu dürfen. Diese Stunden des Eintauchens in die Natur und es mit der Erlegung eines Wildtieres zu verbinden, treibt den passionierten Jäger sein Leben lang unaufhörlich in den Wald.


 

Um die Jagdpassion zu beschreiben, bediene ich mich immer meines letzten Willens: Wenn ich wüsste, dass ich morgen sterben muss und ich hätte noch einen Wunsch frei, dann würde ich mir folgendes wünschen:

Ich wünsche mir einen bitterkalten verschneiten sonnenklaren Wintertag, an dem ich mit meinen Hunden zur Jagd gehe. Ich möchte meine Hunde sehen, wie sie an der Koppel zerren und ungeduldig auf das Jagdhornsignal “Anblasen der Jagd”  warten. Ich möchte ihr helles Geläut hören, wenn sie an den Sauen jagen und ihren tiefen Bass in der Ferne hören, wenn sie die Sau gestellt haben. Ich möchte den Donnerknall der Büchsen und ihr Echo durch das Tal rollen hören und ich möchte noch einmal hören, wie die  Treiber “Sauen!” rufen. Am Abend möchte ich, während die Sonne glutrot am Horizont untergeht, an der Strecke stehen und dem Wild beim Hörnerklang die letzte Ehre erweisen. Und abends möchte ich dann mit den müden aber glücklichen Jägern und Treibern mit ihren von der frischen Luft geröteten Köpfen im Wirtshaus sitzen und dabei sein, wenn sie ihren Hunger und Durst bei Braten und Bier stillen und sich Jagdgeschichten erzählen. Dies wäre mein letzter Wille als Jäger.

 

 

Bilder: Clker; Stefan und Hund: Stefan Fügner; Wald und Bäume: Rosemarie Doll  / pixelio.de

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