Stefan Hack Titelbild

Stefan über das Leben auf Achse

Stefans Zuhause bewegt sich auf vier Rädern und wird von Kraftstoff betrieben. Sein Wohnmobil bringt ihn quer durch Europa und wieder zurück. Er lebt damit den Traum vieler, ein unabhängiges Leben unterwegs ohne festen Wohnsitz mit viel Freiheit und Abenteuern. Dabei bereist er Länder wie Griechenland, Rumänien oder Russland um nur einige zu nennen. Seine Erfahrungen und Erlebnisse auf seinen weiten Reisen veröffentlicht er dann auf seinem Blog. Im Interview erzählt er uns mehr über die Vorzüge und Herausforderungen des Lebens unterwegs.

 

 

Wie bist du auf die Idee gekommen dein Leben immer unterwegs im Wohnmobil zu führen?

Auf diese Idee bin ich nicht „gekommen“, das hat sich so entwickelt. Meine Begeisterung für das Reisen als solches entdeckte ich schon sehr früh. Meine erste Reise unternahm ich im Alter von 14 Jahren. Damals noch von Jugendherberge zu Jugendherberge. Aber immerhin ein Backpackingtripp. Ein Jahr später hatte ich schon ein Zelt im Rucksack und spazierte in den Sommerferien die ehemals deutsch-deutsche Grenze hinab. Es folgten Fahrradtouren nach Italien und Schottland.

Dann war die Schulzeit vorbei und somit auch die langen Sommerferien. Wie die Meisten machte ich dann mit 18 den Führerschein und kaufte mir ein Auto. Einen Kombi. Schon in diesem Fahrzeug habe ich mehr oder weniger gewohnt. Na ja, nicht wirklich. Aber 2 – 3 Nächte die Woche hab ich in meinem Opel geschlafen. Per Zufall bin ich dann an einen alten Mercedes 508 gekommen den ich pünktlich zu meinem 19. Geburtstag soweit renoviert hatte dass man ihn benutzen konnte. Ich kaufte mir einen extrem lauten, batteriebetriebenen Wecker und seitdem hab ich nie wieder auch nur eine Nacht bei meinen Eltern geschlafen.
Somit war ich schon einmal Wohnmobilbewohner.

Der Gedanke dann auf große Tour zu gehen, der ist ja nahe liegend. Das erste Mal versuchte ich es um die Jahrtausendwende. Die Firma für die ich arbeitete hatte Konkurs angemeldet und ich somit viel Zeit. Der Trip scheiterte dann aber Aufgrund des Heimwehs meiner besseren Hälfte. Na ja, die Liebe. Mitte 2006 war es dann vorbei mit der Liebe und Anfang 2007 habe ich Deutschland verlassen.


Wie verdienst du dein Geld?

Das fragen mich alle. Ich mag zunächst aber mal die Frage „Wie viel Geld brauchst du eigentlich?“ beantworten.
Die Antwort darauf lautet: „Im Durchschnitt knappe 200 Euro/Monat.“

Gut, aber das hattest Du nicht gefragt. Wie verdiene ich dieses Geld jetzt? Nun, das ist unterschiedlich und auch das hat sich während der Reise entwickelt. In Deutschland und Kroatien habe ich mein Geld mit dem Sammeln von Pfandflaschen verdient. In Österreich hatte ich einen Job auf dem Prater. Das hat mir nicht nur Spaß gemacht, sondern ich konnte gleich nach Tourstart mein spärliches Startkapital ein wenig aufstocken. In Griechenland habe ich auf Kost und Logis Basis erst für ein Strandcafé gearbeitet, dann bezahlt für einen ortsansässigen Handwerkerbetrieb und zu guter Letzt noch für einen deutschen Aussteiger. Wir haben unter anderem aus einem Eisenbahnwagon und einem Tieflader ein Wohnmobil gebastelt. Richtig cool! In Griechenland habe ich auch für ein Tierheim gearbeitet, aber da habe ich kein Geld für bekommen. Außerdem habe ich in Griechenland den Grundstein gelegt einige Euro mit den Reiseberichten zu verdienen die ich im Internet veröffentliche. Die ersten mehr oder weniger nennenswerten Einnahmen brachte das zwar erst rund 2 Jahre später, aber immerhin, heute verdiene ich mein Geld durch www.myhomeismycar.com.

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Wie entscheidest du wo es hingeht?

Ich fahre mit dem Wind, das spart Diesel :-)
Nein, im Ernst. Ich lasse mich treiben. Es ist schon oft vorgekommen, dass ich eigentlich vor hatte an der einen oder anderen Stelle links abzubiegen, dann aber fand dass es rechts interessanter ausschaut und, na ja, dann bin ich halt nach rechts. Oder man trifft irgendwen der einem sagt dieses oder jenes Ziel sei schön. Na ja, wenn mich die Worte überzeugen, dann fahre ich halt dran vorbei. Häufig dauert das dann noch einige Wochen/Monate bis ich dort ankomme. So schnell bin ich nicht. Ich mag nicht durch die Welt fahren, ich mag mir die Welt anschauen.

 

Was sind deine Hobbys oder Dinge die du am liebsten machst?

Reisen, mein Hund und Hunde im Allgemeinen, mein Wohnmobil, Wandern, die Natur, Städte, Partys, Einsamkeit, schlafen … Ich lese aber auch schon mal ein Buch. Überhaupt mag ich verrückte Dinge. In Rumänien hab ich mir für knapp 40 Euro ein Schlauchboot gekauft und bin damit die letzten 350km die Donau hinab bis ins schwarze Meer gerudert.
Das war toll.

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Was sagen Freunde und Verwandte zu deiner Lebensweise?

Am Anfang sagten sie: „Ja ja, mach mal. In spätestens 2 Jahren biste wieder hier.“ Mittlerweile sagen sie das nicht mehr. Letztens habe ich mit einem alten Freund über Skype telefoniert und er sagte zu mir sinngemäß: „Du bist total bekloppt und ich möchte so auf keinen Fall leben. Aber irgendwie habe ich den Eindruck dass du die eine oder andere Entscheidung in deinem Leben getroffen hast die dich ziemlich glücklich macht.“

 

Hast du alles was du brauchst? Vermisst du manchmal Luxus?

Ich lebe doch im Luxus. Ich habe ausreichend zu essen und sauberes Trinkwasser. Ich habe einen privaten Wohnraum in den es nicht hineinregnet und der sich mit einem Holzofen beheizen lässt. Ich habe mehr Bekleidung als ich anziehen kann. Ich habe sogar ein Auto und einen Computer. Und der größte Luxus: Ich bin absolut frei!
Kann man mehr wollen?

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Bist du komplett unabhängig oder brauchst du manchmal Hilfe von anderen?

Wer kann von sich behaupten niemals auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein? Wenn ich meinen Wagen mal wieder auf einem Feldweg bis zur Achse im Schlamm versenkt habe, dann brauche ich Hilfe. PS starke Hilfe die mich da rauszieht. Manchmal ist es auch einfach nur schön wenn ich mal die Waschmaschine von jemandem benutzen kann oder ich eingeladen werde einige Tage auf einem Privatgrundstück zu verbringen wo ich dann zum Beispiel einen Ölwechsel durchführen kann.
Ich versuche ohne fremde Hilfe auszukommen. Aber manchmal ergeben sich einfach Konstellationen die für beide Seiten nützlich sind oder aber ich komme alleine nicht mehr klar und muss die Hilfe gegebenenfalls auch bezahlen.  Wer kann schon alles? Ich kann vieles, aber irgendwo enden meine Fähigkeiten und dann brauche ich Hilfe.

 

An welchen Platz oder welches Land reist du am liebsten?

Die bisherige Tour war ja so etwas wie eine Rundreise. Da gab es nur sehr wenige Orte die ich zweimal besucht habe. Aber sehr gut gefallen hat mir Kroatien. Das mag daran liegen dass es eines meiner ersten Länder war und somit alles für mich total neu war. Aber auch die Landschaft ist einfach total klasse und die Menschen sehr freundlich.
Richtig toll war aber auch Albanien oder Moldawien. Das sind einfach Länder da ticken die Uhren noch ein wenig anders. Sehr interessant! Aber wenn ich jetzt diese Länder so hervorhebe, dann kommen andere zu kurz. In Rumänien war ich 16 Monate. In Bulgarien 9 und ich Griechenland ein ganzes Jahr. Ich war dort bestimmt nicht so lange weil es mir dort nicht gefallen hat.

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Bist du glücklich mit deinem Leben?

Kurz und knapp: Ja, sehr!

Ich habe mir dieses Leben ausgesucht. Ich habe nicht alle Brücken hinter mir abgerissen, ich kann jederzeit zurück nach Deutschland und wieder in ein „normales“ Leben einsteigen. Aber ich will nicht. Das was ich tue ist das was ich tun will und das macht mich glücklich.


Welche Tipps könntest du jemanden geben der das Gleiche versuchen will?

Tue es! Suche nicht nach Ausreden es nicht zu tun. Es gibt keine Ausreden! Tue es, und tue es bevor du verstorben bist, sonst hast du keine Gelegenheit mehr es zu tun.
Vielleicht inspirieren dich ja die Worte in meinen Reiseberichten. Meine Hauptmotivation sie zu schreiben ist es Leute zu ermutigen etwas Ähnliches zu tun. Vielleicht helfen dir andere Berichte aber auch mehr.
Das Wichtigste ist es aber nicht Berichte zu lesen, sondern seine Ängste zu überwinden, den Arsch hochzubekommen und das zu tun was man will. Und da kann ich nur raten: Tue es, du hast nichts zu verlieren. Nur zu gewinnen!

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Bilder im Artikel: Stefan Hack

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