Garten Biene Titelbild

Stefan über Garten, Gemüseanbau und Bienen

Die Deutschen mögen ihren Garten. Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist ein Garten absolut unverzichtbar, ein weiteres Drittel hätte gerne einen Garten. Im Westen Deutschlands gibt es dabei prozentual mehr Gärten als im Osten. Übrigens: Gartenzwerge sind dabei meistens eher unbeliebt. Für 35 Prozent stehen sie hoch im Kurs, 65 Prozent der Bevölkerung mögen sie nicht. Aber ich verliere mich schon wieder in Zahlen, denn eigentlich geht es heute um das Thema Garten, Gemüseanbau und Bienenhaltung. Mein heutiger Interviewpartner Stefan kennt sich mit diesen Themen sehr gut aus und erzählt auf seinem Blog und heute im Interview mehr darüber. Aber lest selbst…

 

 

Wie hast du das Thema Garten für dich entdeckt?

Bereits als kleines Kind hatte ich im Garten der Großmutter ein kleines Beet, was ich “beackern” durfte. Dort wuchs so allerhand – vor allem Erdbeeren und Salat und ganz viel Unkraut – ich war infiziert mit dem Gärtnervirus. Das habe ich natürlich damals noch nicht gemerkt. Dann war der Garten lange Zeit kein Thema in meinem Leben. Bis zu jenem Tag im Jahr 2006, wo ich plötzlich das unbändige Verlangen hatte, einen eigenen Kleingarten zu pachten. Das Kleingärtnervirus brach aus. So nahm alles seinen Anfang und der Garten wurde zum sommerlichen Wohnzimmer für mich. Seit dem habe ich auch im Sommer immer dunkle Ränder unter den Fingernägeln ;-) Daran erkennt man die Kleingärtner. Besonders gefällt mir am Gärtnern, das man den Pflanzen beim Wachsen zusehen kann. Und selbst gezogenes Gemüse und Obst schmeckt nunmal am besten – da weiß man auch, was drin ist – oder was nicht drin ist!


Wie schafft man es am besten, das ganze Jahr über Gemüse und Obst anzubauen und ernten zu können?

Ganzjährig Gemüse und Obst anzubauen ist in unseren Breiten nicht ganz so einfach. In der warmen Jahreszeit kein Problem, für den Winter muss man jedoch vorsorgen.

Am besten kommt man mit einer guten Anbauplanung über das Jahr. Auch wenn das Thema sehr trocken klingt, ein kleiner Beetplan – und sei es nur auf Papier gekritzelt – ist Gold wert. Im Sommer kann man in Hülle und Fülle ernten, für den Winter muss man jedoch vorsorgen. Einerseits lagert man Herbstgemüse im Keller frostfrei ein. Dann kann man sich nach und nach das Gemüse in die Küche holen, wonach einem im Moment der Schnabel steht. Es gibt jedoch Gemüse, das auch im Winter direkt vom Beet geerntet werden kann! Schwarzwurzeln zum Beispiel. Oder Grünkohl und Rosenkohl. Der schmeckt sogar erst so richtig lecker, wenn er einigen Frost abbekommen hat! Feldsalat wächst auch problemlos bei niedrigen Temperaturen weiter. Die Luxusvariante zur ganzjährigen Selbstversorgung ist natürlich ein beheiztes Gewächshaus. In dem kann man im Spätherbst, im ganzen Winter bis hin zum zeitigen Frühling anbauen und ernten. Aber das lohnt sich bei mir leider nicht. Die Heizkosten sind astronomisch!

 

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 Wachsen die Pflanzen von alleine gut oder musst du da noch mit spezieller Erde oder Dünger nachhelfen?

Ja, der Gärtner gibt den groben Startschuss für das Wachstum und dann kümmern sich die Pflanzen so ziemlich von selber. Einzig muss man sich in der ersten Zeit etwas ums Unkraut und um das Lockern des Bodens kümmern – bei fehlendem Regen auch um das Gießen. Aber ansonsten wachsen die Pflanzen ganz von alleine ;-)

In meiner Parzelle kommt fast kein anorganischer Dünger zum Einsatz – nur manchmal auf dem Heidelbeerbeet. Ich sorge dafür, dass der Boden gesund bleibt. Er muss immer mit Pflanzen bedeckt sein, auch im Winter (mit Gründüngung). Im Frühling arbeite ich Kompost in die Beete ein, über das Jahr gieße ich immer wieder mit Pflanzenbrühen (Brennesseljauche). Das mag der Boden und die Mikroorganismen erledigen die Arbeit. Ich grabe übrigens auch nicht mehr um seit einiger Zeit – das bekommt dem Boden auch sehr gut. Die Erde wird im Frühling nur kurz durch Rütteln an einer eingestochenen Grabegabel gelockert – das genügt. Die immer wieder erneuerte Kompostschicht hält den Boden locker und das Mulchen mit Grünabfällen und Rasenschnitt sorgt ständig für Nachschub für die Regenwürmer. Das genügt mir als Düngung. Natürlich erntet man mit dieser Düngemethode keine Riesenkohlrabis oder Mega-Radieschen – aber man schmeckt die natürliche Anbauweise. Und man hat mehr Freizeit, weil man sich mit der Bodenbearbeitung nicht abplackern muss. Denn ein Kleingarten dient ja in erster Linie der Erholung ;-)

 

Kann man in einem Gewächshaus so gut wie jede Pflanze anbauen oder sind da auch Grenzen gesetzt?

Ich würde in einem Gewächshaus keine Bäume anbauen – aber sonst sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt! Einige Pflanzen mögen das Klima im Gewächshaus und einige Pflanzen nicht. Wenn man die Pflanzen anbaut, die sich in warmer und feuchter Luft wohl fühlen, kann man sich über eine schöne Ernte freuen! Ich habe schon Gurken versucht, Tomaten und Paprika. Die Gurken wollten nicht so, wie ich das gerne gehabt hätte – aber die anderen Gewächse haben sich prächtig entwickelt und ich konnte gut ernten. Im Winter baue ich immer Feldsalat im Gewächshaus an – lecker! Kann man sogar ernten, wenn draußen Schnee liegt.

 

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Was machst du jetzt im Winter noch alles im Garten?

Jetzt im Winter ist Ruhe im Garten eingekehrt. Es ist alles winterfest gemacht worden, die Regentonnen sind leer, alles was zerfrieren kann, steht im Keller… Ab und an fahre ich schauen, ob der Wind Schaden gemacht hat und ob alles in Ordnung ist. Während dieser kurzen Besuche kommen immer recht viele Ideen für das nächste Jahr! Manchmal zu viele ;-)

 

Wie bist du zu deinen Bienen gekommen? Kauft man sich einen Schwarm oder gibt es da so etwas wie ein Tierheim für Bienenschwärme?

Meine ersten Bienen habe ich mir selbst gefangen. Eines Tages klingelte das Telefon und mir wurde ein herrenloser Bienenschwarm gemeldet. Einen halben Tag und etliche Stiche später hatte ich dann mein erstes eigenes Bienenvolk im Kasten. Alle, die lieber auf Nummer Sicher gehen wollen, können sich Bienen auch kaufen. Aber mir was das zu unspannend. Ich habe jetzt schon einige Schwärme eingefangen und muss sagen, das es mittlerweile (fast) ohne Stiche funktioniert. Die wenigsten wissen, das die Bienen beim Schwärmen absolut friedlich sind. Sie haben den Bauch voll Honig und sind satt und fett. Sie wollen nur noch schnellstens in ein neues Zuhause einziehen. Die denken nicht mal im Traum daran, freiwillig zu stechen. Bei meiner ersten Schwarmfang-Aktion hatte ich versehentlich einige Bienen gequetscht – und dann stechen sie nunmal. Diese Lektion muss jeder Imker lernen ;-)

 

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Die Bienen fliegen dann ja sicher viele Pflanzen in deinem Garten an. Wie voll wird es da?

Erstaunlicherweise merkt man von den Bienen gar nicht viel. Die verteilen sich großzügig in der ganzen Umgebung. Man merkt schon 5 Meter vor dem Bienenstock nix mehr von den Bienen. Spätestens zur Erntezeit sieht man jedoch das Ergebnis der Arbeit der Bienen – an allen Pflanzen sind merklich mehr Früchte dran!

 

Kannst du mit den Pflanzen die du im Garten hast den Geschmack des Honigs beeinflussen?

Nein, das klappt nicht, dafür wächst bei mir zu viel durcheinander. Wenn man jedoch in der Nähe einer Lindenallee wohnt oder wo in der Nähe ein Rapsfeld blüht schmeckt man das schon im Honig raus. Diese Pflanzen sind sogenannte Massentrachten und die Bienen sind zur Blütezeit ausschliesslich damit beschäftigt, Nektar von diesen Pflanzen zu sammeln. Davon produzieren die reichlich. So kommt der beliebte Linden- oder Rapshonig zustande. Bienen haben eine außergewöhnliche Eigenschaft: sie sind blütentreu. Das bedeutet, das die Bienen eine Pflanze so lange anfliegen, bis kein Nektar mehr da ist. Blühen also die Linden, fliegen alle Bienen nur die Linden an, solange, wie noch genug zu holen ist. Und da die Linde ein sehr guter Nektarlieferant ist, findet man im fertigen Honig dann größtenteils Lindenhonig.

 

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Was brauchen die Bienen um überwintern zu können?

Das Wichtigste für das gute Überwintern der Bienen ist ein Imker, der sich gut auskennt. Das erhöht die Überlebenschancen der Bienen im Winter ungemein ;-) Honigbienen sind Haustiere, die mittlerweile ohne menschliches Zutun nicht mehr überleben können. Daran ist unter anderem die Varroamilbe mit Schuld, die den Bienen seit einiger Zeit sehr zu schaffen macht. Der Bekämpfung der Milbe gilt in der Wintervorbereitung mit das größte Augenmerk. Wenn man sich um die Milben gekümmert hat (das macht man mit Ameisensäure und im tiefen Winter noch einmal mit Oxalsäure, also ganz ohne chemische Medikamente) bleibt einem noch die Auffütterung zu erledigen. Man hat den Bienen ja im Spätsommer den kompletten Honig geklaut – und damit auch die Wintervorräte. Deshalb muss nun gefüttert werden. Das macht man am besten mit Zuckerwasser oder Sirup. Pro Volk kann da schon mal 20 Kilo Zucker rein passen. Dadurch geht man sicher, das die Bienen im Winter und vor Allem im Frühling genug zu fressen haben, besonders, wenn es draußen noch nicht genügend Nektar zu holen gibt, die Temperaturen jedoch schon recht hoch sind (wie zum Beispiel im Frühling 2014). Die meisten Bienenvölker verhungern im Frühling und nicht im Winter. Wenn man im Herbst genug füttert, muss man sich darüber jedoch keine Gedanken machen. Die niedrigen Temperaturen im Winter sind für unsere einheimischen Bienen jedoch kein Problem.


Musst du mit der Zeit weitere Bienen besorgen oder gleichen sich neugeborene und gestorbene Tiere aus?

Ein Bienenvolk besteht im Sommer aus bis zu 50.000 Tieren und schrumpft bis zum Winter auf ca. 15.000 Bienen. Das ist der ganz normale Jahreslauf. Die Bienen kümmern sich selbst um ihre Nachwuchsbeschaffung und wachsen nach dem Winter wieder schnell auf volle Stärke an. Es kann natürlich immer wieder passieren, das das eine oder andere Volk den Winter nicht übersteht. Da muss man dann selbst für Nachschub sorgen. Entweder man kauft sich Bienen zu, man fängt einen Schwarm (es kann auch der eigene sein) oder man macht Ableger. Das mit dem Ablegerbilden ist eine tolle Möglichkeit, mehr Völker zu bekommen, andererseite vermeidet man dadurch, das ein Bienenvolk schwärmt und somit der Honigertrag gemindert wird. Das Imkern ist ein ständiger Kreislauf aus Kommen und Gehen ;-) Im großen und Ganzen kann man seine eigenen Bienen durch Teilung und Ablegerbildung vermehren und so seine Völkeranzahl stetig erhöhen oder zumindest konstant halten, je nachdem, wieviel Völker man am Ende haben möchte. Bei mir stehen momentan 4 Völker, 6 könnten es im nächsten Jahr schon sein, dann wäre ich zufrieden. Mehr jedoch nicht, das macht mir dann doch zu viel Arbeit, obwohl man sagen muss, das Imkerei mit nicht extrem viel Aufwand verbunden ist. Ob man 2 oder 6 Völker pflegt macht keinen großen Unterschied.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Garten und Bienenwabe: Stefan/ parzelle94.de; Honig: Lupo  / pixelio.de; Biene: segovax  / pixelio.de

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