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Sven über das Restaurieren von Fahrzeugen

Wenn wir in der Stadt einen schönen Oldtimer sehen, drehen wir uns meistens danach um. Das tun wir nicht etwa weil das in einem Gesetz steht oder das Anschauen durch eine Prämie belohnt wird, sondern weil das Auto eine gewisse Ausstrahlung hat und damit ein echter Hingucker ist. Bei manchen Menschen löst diese Faszination dann noch mehr aus als eine simple Hüftbewegung. Sie gehen einem Hobby nach, bei dem man das Auto von A bis Z kennenlernt: die Restauration. Sven, dessen aktuelles Projekt – ein MGB GT – mit den verschiedenen Entwicklungsstadien auf seiner Webseite zu finden ist, erzählt uns mehr über dieses Hobby.

 

 

 

Was genau bringt Dich dazu, alte Fahrzeuge zu fahren und zu restaurieren? Ist es der Spaß am handwerklichen oder die Faszination für ein Gefährt?

Das sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Ich fahre schon seit vielen Jahren klassische Motorräder und Autos im Alltag. Der Besitz dieser Oldies fordert zwangsläufig auch eine Auseinandersetzung mit der alten, aber oft sehr simplen Technik. Denn über kurz oder lang muss man auch mal größere Arbeiten einplanen. Ich möchte aber möglichst alle Probleme selbständig lösen. Das spart nicht nur Geld, sondern ist auch lehrreich. Vor allem aber wirkt es auf mich unheimlich entspannend. Für mich ist das Schrauben in der Werkstatt ein handwerklicher und auch kreativer Ausgleich vom sonstigen Alltag.

Die größte Begeisterung hege ich für italienische Motorräder von Moto Guzzi oder Ducati. Und auf vier Rädern haben es mir vor allem britische Sportwagen, speziell die Marke MG angetan. Mein 1966er MGB GT, der vor einigen Jahren einen Motorschaden hatte, war schließlich die Initialzündung für mein erstes großes Projekt. Zwischenzeitlich habe ich beispielsweise auch eine alte Moto Guzzi neu aufgebaut und fahre im Alltag einen klassischen Mercedes.


In welchem Zustand befanden sich die Fahrzeuge beim Kauf?

In der Oldie-Szene vergibt man entsprechende Noten für den Zustand – meine Autos und Motorräder lagen zum Zeitpunkt des Kaufs meist bei Note 3. Das bedeutet, dass bei Weitem nicht alles perfekt, aber die Straßentauglichkeit voll gegeben ist. So kann man durchaus den Alltag mit klassischen Fahrzeugen meistern – und sie sich auch leisten.

Der Zustand – besonders bei Autos – lässt sich aber erst im Laufe der Zeit richtig einschätzen. Und sicherlich waren meine ersten Gehversuche nicht immer erfolgreich. Mein MG hatte beispielsweise einen retuschierten Unfallschaden und viele verdeckte Rostprobleme. Das war mir beim Kauf nicht klar und führte schließlich zum Restaurierungsprojekt.

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Ist es das Schrauben an sich oder die Freude über das fertige Fahrzeug, das Dir Spaß macht?

Vor allem ist es wohl das Schrauben. Auf mich hat das fast eine therapeutische Wirkung. Man schafft im wahrsten Sinne des Wortes etwas, belebt alte Dinge neu und kann dabei nahezu alles um sich herum vergessen. Wenn man am Ende des Tages dann auch noch etwas erfolgreich repariert oder restauriert hat ist das wirklich berauschend.

Natürlich ist es aber auch schön, am Wochenende mit Freunden im Oldie oder auf dem Motorrad eine entspannte Tour übers Land zu machen. Das hat seinen ganz eigenen Charme, weil man die Ästhetik und die Entschleunigung unmittelbar spürt.

 

Wie bist Du überhaupt zum Thema Oldtimer gekommen?

Tja, es muss in den frühen 90er gewesen sein: Mein Vater hatte schon damals einen kleinen KFZ-Betrieb und unsere private Garage wurde als Werkstatt genutzt. Ich saß dann abends oft kurz vorm Einschlafen noch in den aufgebockten Kundenautos und bediente auf Anweisung das Bremspedal, während mein Vater unter dem Wagen die Bremsen entlüftete. So fing es an – und diese Zeit hat mich sicher geprägt…

Das Restaurieren und Fahren von Oldtimern ist heute nur die letzte Konsequenz meiner Leidenschaft. Neumodische Autos und Motorräder interessieren mich kaum – vor allem, weil mich die alte Technik und das unverwechselbare Design wesentlich mehr ansprechen. Ich mag die ehrliche Art der Klassiker. Sie geben nicht mehr vor als sie sind und ihr Design ist kein reiner Selbstzweck. Das ist heute leider anders. Auf den Luxus der neumodischen Kreationen kann ich ganz gut verzichten – und das Fahrerlebnis mit einem Klassiker ist um ein Vielfaches intensiver.

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Entwickelst Du eine Beziehung zu den Fahrzeugen, wenn Du so viel Zeit damit verbringst?

Ja, definitiv. Die meisten meiner Fahrzeuge haben Namen, so heißt mein MG beispielsweise Spencer. Das ist zwar ein wenig sentimental, doch zeigt es  auch die Verbundenheit zu den Oldies, denn schließlich kennt man irgendwann jede Schraube.

Wenn die selbst erschaffene Arbeit dann womöglich mal beschädigt wird, ist das natürlich auch ein kleiner persönlicher Verlust. Letztlich sollte man sich aber immer bewusst sein, dass es doch nur Blech und Schrauben sind. Im Leben gibt es sicherlich noch wichtigere Dinge…

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Was ist das Ziel Deiner Restaurierungen? Ein möglichst originalgetreues Fahrzeug oder ein Gefährt, das Deinen Wünschen entspricht?

Ich habe vor allem das Ziel, dass mir die Fahrzeuge persönlich gefallen. Meine Moto Guzzi war nach dem Neuaufbau beispielsweise kaum wieder zu erkennen. Ein Klassiker blieb sie trotzdem immer. Und auch mein MG wird nicht ganz originalgetreu aufgebaut. Ich werde unter anderem ein anderes Getriebe einbauen. Viele Experten sehen darin eine frevelhafte Tat, weil es nicht originalgetreu ist. Ich denke aber, dass der technische Fortschritt auch beim Restaurieren eine Rolle spielen darf – insofern der Charakter eines Fahrzeugs nicht verwässert wird. Was spricht denn zum Beispiel gegen eine moderne elektrische Absicherung des Kabelbaums? Man sieht und spürt es eigentlich nicht, es macht die Technik aber wesentlich zuverlässiger. Mit dem Getriebe eines Autos ist es nicht viel anders…

 

Woher nimmst Du das handwerkliche Wissen?

An sich bin ich Autodidakt. Ich habe nie eine Ausbildung im Fahrzeugbereich genossen und beneide Menschen, die mit Ihren Händen und ein wenig Talent handwerkliche Meisterwerke schaffen. Die Grundlagen habe ich wohl bei meinem Vater in der Werkstatt – ganz nebenbei – mitbekommen. Und er ist auch heute noch für mich da, wenn ich Fragen habe. Aber viele Dinge kann man sich auch einfach selbst anlernen. Durch Bücher, Zeitungen, Foren, Blogs und den Austausch mit Gleichgesinnten. Es gibt für nahezu jede Marke einen Club, an den man sich wenden kann. Das hilft natürlich. Über die Jahre baut man so ein richtiges Netzwerk auf.

Es ist sicher auch das Erlernen von Fachwissen, das mich beim Restaurieren reizt. Man kann bei der Demontage eines Teils durchaus dessen Funktionsweise durchschauen und es fügen sich die einzelnen Elemente langsam zu einem großen Ganzen zusammen. Und wenn man mal scheitert und etwas kaputt geht ist es umso lehrreicher…

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Kannst Du Dir vorstellen, dieses Hobby zum Beruf zu machen?

Nicht wirklich. Am liebsten würde ich zwar ein traditionelles Handwerk erlernen, aber das ist mit meinem aktuellen Leben kaum vereinbar. Es ist vielleicht auch gut so wie es ist, denn manche Leute behaupten, man solle sein Hobby nicht zum Beruf machen, weil dadurch die Leidenschaft verloren ginge. Ich denke, das Restaurieren so intensiv in der Freizeit auszuleben zu können ist schon ein großer Luxus. Und den möchte ich auch weiter genießen. Außerdem bin ich mittlerweile als Marketing-Dienstleister und Berater in der Szene tätig und kann so meine Expertise auf anderer Ebene einbringen. Die technische Seite wird aber wohl weiter ein reines Hobby bleiben.

 

In welcher Art und Weise nutzt Du deine Fahrzeuge? Für den Alltag oder nur für Ausflüge am sonnigen Nachmittag?

Mein 123er Mercedes ist ein reines Alltagsauto, auch wenn er mit Baujahr 1982 –genauso alt wie ich – schon als historisch gilt. Ich fahre damit durchaus mal zur Arbeit oder zum Supermarkt. Ähnlich verhält es sich mit meiner Moto Guzzi V7. Die Maschine ist recht fordernd, denn die Bremsen bieten nicht die Leistungsfähigkeit modernen Anlagen, so dass man sehr vorausschauend fahren muss. Wenn man sich darauf einlässt und es ein wenig zurückhaltender angeht ist aber auch dieses Motorrad alltagstauglich. Und für einen Kurzurlaub reicht es allemal.

Mein MG wird – wenn er mal fertig ist – wohl eher ein Fahrzeug für besondere Anlässe. Der Anspruch der Restaurierung ist: „Besser als neu“. Dann überlegt man sich schon, ob der Wagen bei Wind und Wetter unter der Laterne parken soll. Ich finde aber, dass klassische Fahrzeuge grundsätzlich auf die Straße gehören. Allein zum Sammeln und Rumstehen in dunklen Hallen sind sie viel zu schade!


Nimmst Du an Wettbewerben oder Rennen teil?

Mit meiner früheren Guzzi, die durchaus sportlich war, bin ich ab und zu auf der Rennstrecke gewesen. Der Wettbewerbsgedanke stand dabei aber nicht im Vordergrund – es geht dabei vor allem um sportliches Fahren ohne das Risiko des täglichen Straßenverkehrs. Man kann kräftig am Gasgriff drehen, ohne sich oder andere besonders zu gefährden.

Mittlerweile genieße ich aber vor allem die entspannten Momente. Ich bin vor kurzem mit meiner 1972er Guzzi in den Urlaub gefahren – ohne Zeitdruck, mit wenig Gepäck, nur über kleine Dörfer und wenig befahrene Landstraßen. Das war einfach fantastisch, denn es befreit unheimlich vom Alltagsstress. Der Urlaub hatte schon begonnen, bevor ich angekommen war…

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Bilder im Artikel: Sven / www.mgbgt.wordpress.com

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