Ökostrom Titelbild

Was ist Ökostrom, wie funktioniert er und was muss man beachten? Friedrich erklärt es uns im Interview

7080,96 Kilowattstunden verbraucht jeder Deutsche im Jahr. Das ist genug Strom, um 106.304 Hemden zu bügeln, 495.667 Tassen Kaffee zu kochen oder 941.767 Scheiben Toast zu toasten. Mit dem Stromverbrauch der ganzen Bevölkerung könnte man dann sogar knapp 76 Milliarden Toasts knusprig brennen, dann fehlen allerdings die Kapazitäten für den Nutellatransport. Aber weg von Zahlenspielen und hin zum eigentlichen Interviewthema. Denn wo der Strom herkommt, der unsere 76 Milliarden Toasts bräunt, ist nicht immer ganz klar. Ökostrom etwa verspricht, umweltverträglichen Strom zu produzieren. Aber was ist eigentlich Ökostrom, was steckt dahinter und ist da auch alles grün was glänzt? Friedrich, der selbst Solarzellenanbauten für private Haushalte umsetzt, klärt uns im Interview auf.

 

 

Was ist Ökostrom?

Ökostrom ist Strom, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Dazu zählen etwa Windkraftanlagen, Wasserkraftwerke, die Verbrennung  von Biomasse, Erdwärme oder Solarstrom.


Wenn man Ökostrom kauft, bekommt man dann auch wirklich 100% Ökostrom?

Den Ökostrom bekommt man nur indirekt. Das ist eine Sache, die oft missverstanden wird, denn Strom kann man nicht anfassen, das ist nicht wie beim Bäcker Semmeln zu kaufen. Wenn man da die Vollkornsemmel statt dem normalen Brötchen will, dann bekommt man das direkt in die Hand gedrückt. Mit Strom verhält sich das anders.

Wenn man einen Ökostromtarif abschließt, ist der Strom aus der Steckdose derselbe wie vorher auch. Wenn also ein Kohlekraftwerk oder ein Atomkraftwerk deine Region versorgt, bekommst du immernoch den Strom aus diesen Kraftwerken.

Es ist in Deutschland aber so geregelt, das alle Anbieter und alle Kraftwerke ihren Strom in ein zentrales Netz einspeisen, auch der Anbieter der dir den Ökostrom verkauft. Und mit dem Kaufvertrag verpflichtet sich dieser Anbieter, auch genau die Menge Strom ins Netz einzuspeisen, die du verbrauchst, während dein alter Anbieter weniger Strom ins Netz einspeisen muss. Man sorgt mit einem Ökostromvertrag also dafür, der Anteil an Ökostrom gegenüber dem Anteil an konventionellem Strom steigt.

Man sollte vor Vertragsabschluss beim Anbieter oder beim Onlineshop Vergleich aber prüfen, inwiefern der Anbieter dafür garantieren kann und ob er die Auslieferung mit seriösen Zertifikaten nachweisen kann. Denn oftmals wird man da auch übers Ohr gehauen.

 

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Was für Zertifikate meinst du?

Okay, ich erkläre das mal genauer. Ökostrom ist genau wie solche Begriffe wie „aus natürlicher Herstellung“ nicht geschützt. Jeder Anbieter kann sagen, dass sein Strom grün und umweltfreundlich ist, es gibt niemanden der das prüft.

Und bei Zertifikaten ist eben Vorsicht geboten. Die RCES-Zertifikate sind ein gutes Beispiel dafür. Sie sind eigentlich gut gemeint: ein Ökostromanbieter bekommt von einer Prüfstelle pro Einheit Strom die er produziert eines dieser Zertifikate. Die Stadtwerke können dem Anbieter dann die Zertifikate abkaufen, der liefert die entsprechende Menge Strom und die Stadtwerke haben den Nachweis dass sie diese bestimmte Menge grünen Strom in ihrer Stadt einspeisen. Jetzt können aber auch Stromanbieter, die gar keinen Ökostrom produzieren, diese Zertifikate kaufen und damit so tun als ob sie Ökostrom anbieten.

Das TÜV-Siegel, das Siegel von „ok-Power“, das Siegel von „grüner Strom“ oder Informationen des Umweltbundesamtes sind da aussagekräftiger. Man sollte sich vorher wie gesagt über den Anbieter informieren.

 

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Was kann man tun, damit auch 100% Ökostrom aus der Steckdose kommt?

Dafür muss man seine Energie komplett selbst produzieren, dafür gibt es das schöne Wort Energieautarkie. Das ist für einen Privathaushalt schwer umzusetzen, denn die in Deutschland oft anzutreffende Solarzelle auf dem Dach liefert bei schlechtem Wetter oder nachts ja schonmal gar keinen Strom. Das ist eine Sache, bei der sich die Gemeinde zusammentun muss, um eine Kombination aus Solarenergie, Windenergie und einem kleinen Wasser- oder Biomassekraftwerk auf die Beine zu stellen, deren Stromerzeugnis dann auch direkt an die eigene Gemeinde geliefert wird und nicht ans zentrale Stromnetz.

 

Klappt das überhaupt für eine ganze Stadt?

Ja, das geht in der Tat, wie Erfolgsmodelle wie die kleine österreichische Stadt Güssing beweisen. Dort wird mit Dampfturbinen, Photovoltaikanlage und Biomassekraftwerk ins öffentliche Netz eingespeist um Geld und Subventionen zu generieren, während das Biomassekraftwerk auch gleichzeitig die eigenen Bewohner mit Energie versorgt und sich sogar neue Industrien angesiedelt haben. Je größer allerdings die Stadt wird, desto komplizierter wird das ganze. Außerdem hat nicht jedes Gebiet dieselben geographischen Voraussetzungen oder den Willen der Bürger so etwas durchzusetzen. Für große Städte bräuchte es große Bauprojekte und die laufen ja bekanntlich nicht immer so ganz reibungslos ab.

 

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Ist Ökostrom teurer?

Nein, der Preis für Ökostrom liegt teilweise sogar deutlich unter dem Grundversorgertarif. Für 4000 Kilowattstunden zahlt man da im Schnitt 878 Euro im Jahr, während Ökostrom bei rund 781 Euro liegt. Jetzt kommt allerdings das aber. Dabei handelt es sich meist um “unechten“ Ökostrom, der durch die RCES-Zertifikate grün angemalt wurde. Stromanbieter, die die strengeren Zertifikate von TÜV, „ok-Power“ und „grüner Strom“ erfüllen, liegen mal mehr und mal weniger über dem Grundversorgersatz, ein paar Preisvergleiche aufzustellen lohnt sich da auf alle Fälle.

 

Welche Nachteile hat Ökostrom?

Das alles aufzuzählen, zu diskutieren und mit den Vorteilen abzuwägen würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Man könnte Tage, wahrscheinlich sogar Wochen und Monate ununterbrochen darüber diskutieren, ob Ökostrom gut ist, was die Energiewende bringt und ob wir nicht lieber andere Energieträger suchen sollten.

Aber generelle Probleme die es in Deutschland gibt sind beispielsweise dass die viele Windenergie, die hauptsächlich im Norden in riesigen Offshore-Parks gewonnen wird, irgendwie in den Süden muss, da wo die Industrie ist und der Strom letztlich am meisten gebraucht wird. Aber es will verständlicherweise niemand eine Stromtrasse über seinem Haus verlaufen haben. Weitere Probleme sind die Monokultur und Überdüngung der Felder, was letztlich zu besorgniserregenden Nitratgehalten im Grundwasser führt, wegen dem Maisanbau, der in Biomassekraftwerken verbrannt wird.

 

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Sollte ich selbst auf Ökostrom umsteigen?

Ich denke Ökostrom oder Nicht-Ökostrom ist eine sehr grundsätzliche Überzeugungsfrage, weswegen ich da jetzt keine Empfehlungen aussprechen will. Jedem seine eigene Meinung und sein eigener Wille. Wenn man mit der Energiewende und Erneuerbaren nicht warm wird, dann muss man sich auch nicht damit beschäftigen. Will man die erneuerbaren Energien aber unterstützen, dann sollte man ihn schon beziehen weil man dadurch die Entwicklung unterstützt. Allerdings nur den Ökostrom, der auch wirklich welcher ist, ein Ökostrom Vergleich, Prüfsiegel und eine generelle Recherche im Internet helfen hierbei.


Was denkst du wird die Zukunft bringen? Werden wir komplett auf erneuerbare Energien umsteigen können?

Ich denke schon dass das möglich ist, denn es ist genug Energie da, uns fehlen derzeit nur die Möglichkeiten sie zu nutzen. Schon alleine die Sonne könnte die gesamte Menschheit mit genügend Energie versorgen. Wenn in Zukunft weiterhin bessere, neue und innovative Technologien eingeführt werden und auch der Wille der Menschen international sich in Richtung erneuerbare Energien orientiert, denke ich dass das durchaus möglich sein wird. Vielleicht gibt es bis dahin aber auch schon eine komplett neue Form der Energie, oder es wird eine Möglichkeit entdeckt, Erdöl künstlich herzustellen und emissionsfrei zu verbrennen. Ich bin auf jeden Fall gespannt!

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Windrad: Tanja Lidke  / pixelio.de; Steckdose einstecken Cartoon: bschpic  / pixelio.de; Stromleitungen: Uwe Schlick  / pixelio.de; Rapsfeld: Joujou  / pixelio.de 

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