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Was macht ein Texter und Ghostwriter? Torsten im Interview über seinen Beruf

Es gibt mittlerweile so viel niedergeschriebene Informationen, dass es niemand je schaffen wird alles davon zu lesen. Eine Zählung von 2010 – also schon relativ lange her – ergab dass es damals 130 Millionen Bücher auf der Welt gab. 2014 wurde dann die Marke von 1 Milliarde Websites geknackt und selbst hier auf diesem Blog gibt es mittlerweile 251 Interviews. Sehr viele Wörter also, und die muss ja irgendjemand schreiben. Oft ist es dabei so, dass Leute ihre Texte bei anderen anfertigen lassen. Und genau so ein anderer ist mein heutiger Interviewpartner Torsten Metzger, der als Texter, Autor und Ghostwriter arbeitet (mehr auf seiner Webseite) und uns heute im Interview seinen Beruf erklärt.

 

 

Wie bist du dazu gekommen als Texter und Ghostwriter zu arbeiten?

Seit meiner Jugend liebe ich es einfach zu schreiben. Bereits in der Schule waren mir Aufsätze das Liebste und nicht selten konnte ich mich mit den guten Noten, die ich für meine Aufsätze erhielt, vor dem Sitzenbleiben bewahren. Ich habe viele Jahre davon geträumt, professionell zu schreiben und hiermit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als ich vor 9 Jahren arbeitslos wurde und mich mit unterbezahlten Nebenjobs über Wasser halten musste, sollte sich dieser Traum erfüllen. Ich suchte krampfhaft nach einer beruflichen Neuorientierung und bin eines Abends zufällig im Internet auf einen Blogartikel gestoßen, in welchem der Autor über das bezahlte Texten für Webseitenbetreiber und Agenturen berichtete. Ich fing daraufhin an, mir etwas Geld über Texterbörsen dazuzuverdienen. In den darauffolgenden Jahren baute ich mir dann nach und nach meine freiberufliche Selbstständigkeit als Texter und Ghostwriter und meinen Kundenstamm auf. Seit 2009 kann ich mit dieser Tätigkeit gut überleben.


Warum gerade Texter und Ghostwriter statt “normaler“ Autor oder Redakteur bei einer Zeitung?

Das ist eine gute Frage. Der Grund ist natürlich das Geld. Durch meinen festen Kundenstamm ist es mir möglich, mit einem mehr oder weniger gleichbleibenden Einkommen zu rechnen. Als Quereinsteiger ist es fast unmöglich, in einer Redaktion Fuß zu fassen, ich bin schließlich kein studierter Journalist. Als “normaler” Autor seinen Lebensunterhalt zu verdienen ist ein sehr hartes Brot, wenn heute nicht sogar fast unmöglich. Außer man schreibt beim ersten Versuch bereits einen Bestseller, doch das ist wie ein Sechser im Lotto. Dennoch schreibe ich natürlich nicht nur für meine Kunden auf Auftragsbasis, sondern arbeite nebenher auch an meiner Karriere als “normaler” Autor. Derzeit schreibe ich an meinem ersten Buchprojekt, welches ich Ende des Jahres fertigstellen möchte. Dann beginnt die Suche nach einem Verlag, was wohl der schwerste Teil dieses Projekts darstellen wird.

 

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Was für Texte schreibst du da alles?

Ich schreibe generell alles, was man textlich im Internet so findet. Blogartikel, Produktbeschreibungen, Pressemeldungen, Webseitentexte – um nur einige Textarten zu nennen. Ferner übernehme ich auch das Ghostwriting für Bücher und eBooks. Der Kunde hat eine Idee für ein Buch, es fehlen ihm aber die richtigen Worte und Formulierungen sowie das Know-how bezüglich des Schreibens. Da trete ich auf den Plan. Ich erarbeite auf Wunsch das gesamte Konzept für das Buch, das Inhaltsverzeichnis und verfasse den kompletten Textinhalt. Der Kunde kann das Buch nach der Bezahlung meines Honorars unter seinem Namen veröffentlichen und ich bleibe als “Ghost” im Hintergrund. Der Kunde erhält alle Urheber- und Nutzungsrechte für den Text.

 

Siehst du Artikel, Magazine und Bücher anders wenn du selbst so viel schreibst?

Definitiv ja! Es ist teilweise recht schwer für mich, einmal nicht analytisch zu lesen. Selbst bei einem spannenden Roman komme ich zumeist nicht umhin, den Schreibstil des Autors, die Formulierung, den Aufbau der Geschichte etc. genau unter die Lupe zu nehmen. Da kann schon der eigentliche Lesespaß ein wenig auf der Strecke bleiben, dennoch lese ich natürlich sehr gerne und auch viel.

 

Was macht einen gut geschriebenen Artikel oder eine gut geschriebene Geschichte aus?

Ein gut geschriebener Artikel sollte keine all zu verschachtelten Sätze enthalten und nach den Regeln des redaktionellen Schreibens erstellt werden. Hierbei ist immer das “was, wer, wie, wann, wo warum und woher” eine wichtige Angelegenheit. Was ist passiert, wer hat es wie, wann, warum und wo getan und woher stammt die Information. Werden alle Antworten auf diese Frage in leicht lesbaren Sätzen aufs Papier gebracht, hat man einen guten Artikel. Eine fesselnde Geschichte steht und fällt natürlich mit einem guten Plot und zudem mit den Akteuren. Nur wenn die Personen der Geschichte gut durchdacht sind und lebendig wirken und sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln, in welche Richtung auch immer, kann der Autor auch eine spannende Handlung um sie weben.

 

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Du bist dann ja nicht an eine bestimmte Redaktion gebunden. Kannst du also von überall aus arbeiten?

Ja, ich kann von überall auf der Welt arbeiten. Ich benötige nur meinen Laptop und eine Internetanbindung. Alle Aufträge erhalte ich per Mail und im Notfall gibt es ja Skype. Ich bin gerade von einer dreimonatigen Reise aus Indien zurück und habe auch dort natürlich Aufträge für meine Kunden erledigt. Die nächste Reise ist bereits in Planung! Um diese Art des Arbeitens/Lebens wird sich übrigens auch mein erstes Buch drehen, ohne im Vorfeld all zu viel zu verraten.

 

Selbstständig sein und überall hingehen können, das ist eine attraktive Kombination. Kommst du mit dem Job gut über die Runden oder musst du manchmal nachhelfen wenn es keine Aufträge gibt?

Es klappt ganz gut, ich bin zufrieden. Klar gibt es auch mal Monate, an welchen die Auftragslage etwas nachlässt, aber ich kann immer meine Rechnungen bezahlen und vernünftig leben. Hierzu muss ich allerdings auch sagen, dass ich einen recht reduzierten Lebensstil lebe und nicht all zu viel Geld zum Überleben benötige.

 

Du agierst ja eher im Hintergrund. Ist es da manchmal nicht frustrierend, dass die Arbeit dann von der Öffentlichkeit die die Texte liest, keine Anerkennung findet?

Nein, eigentlich nicht. Ich verdiene mit dem Ghostwriting meine Brötchen und das befriedigt mich. Alles andere ist nur das Ego, welches von innen gegen die Stirn hämmert. Doch das habe ich ganz gut im Griff. Ich sehe es als Beruf und nicht als kreative Erfüllung. Diese hole ich mir über mein eigenes Buchprojekt und über die Musik, die ich hobbymäßig mache. Wenn meine Kunden zufrieden sind und ein Wort des Lobes in mein Ohr flüstern, ist das eine sehr schöne Sache für mich und reicht mir als Anerkennung vollkommen aus.

 

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Es gibt ja schon Computer, die automatisch Texte oder News erstellen und generell gehen viele Zeitungen in letzter Zeit oder steigen auf online um. Denkst du dass Berufe die etwas mit schreiben zutun haben in Zukunft gefährdet sind?

Derartige Software/Computer gibt es meines Wissens nach schon seit einigen Jahren – zwar nicht für das komplette Erstellen von Texten, jedoch für das sogenannte Textspinnen. Mit diesen Tools wird aus einem verfassten Text durch eine automatische Umformulierung mit Synonymen ein neuer “Unique”-Text mit gleichem Inhalt gezaubert. Dies ist im Internet oft üblich, um doppelten Content, Urheberrechtsverletzungen und eine Abstrafung der Webseite durch Google zu vermeiden. Ich halte nichts von solchen Programmen, die Lesbarkeit der Texte lässt teilweise echt zu wünschen übrig. Ich denke, solange es das Internet, Zeitungen und Bücher gibt, wird auch ein Beruf wie der meine eine Zukunft haben. Möglich, dass es irgendwann fortschrittlichere Software gibt, die einen Text mit guten Formulierungen erstellen kann. Doch eines haben diese Programme nicht: Kreativität und Menschlichkeit. Und wie sollen ohne diese beiden wichtigen Eigenschaften Emotionen in einem Text transportiert werden? Das funktioniert meiner Meinung nach nicht.


Was macht dir Spaß an deinem Job?

Einfach alles. Das kreative Arbeiten, aus einem Thema das bestmögliche herauszuholen, für mich gänzlich neue Themenbereiche zu erschließen und mit Formulierungen zu jonglieren, bis der Text passt. Ich liebe die Freiheit, die ich in Bezug auf meinen Arbeitsort und meine Arbeitszeit habe und natürlich ist es für mich wunderbar, dass ich mir mit diesem Job einen Kindheitstraum erfüllen durfte.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Tippen Tastatur: Sylvia Krahl  / pixelio.de; Bücher: Erwin Lorenzen  / pixelio.de; Tastatur: Erwin Lorenzen  / pixelio.de

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