Private Krankenversicherung Schutz Titelbild

Welche Vorteile hat eine private Krankenversicherung und ist sie das richtige für mich? Kai klärt uns im Interview auf

Deutschland hat das älteste soziale Krankenversicherungssystem der Welt. 1883, also gerade einmal 12 Jahre nachdem Deutschland gegründet wurde, erließ Bismarck ein Gesetz, das eine weitgehende verpflichtende Krankenversicherung einführte. Und diese Grundidee hat in Form der gesetzlichen Krankenkassen bis heute Bestand, heute gibt es aber zusätzlich auch die Alternative der privaten Krankenversicherung. Hierzulande sind übrigens knapp 9 Millionen Menschen privat versichert gegenüber 70 Millionen gesetzlich Versicherten. Welche der beiden Varianten die bessere für einen selbst ist, ist bei jedem unterschiedlich. Im Interview erklärt uns Kai, der als Finanzmakler arbeitet und eine Webseite über private Krankenversicherungen betreibt, wie eine private Krankenversicherung funktioniert, welche Vorzüge sie hat und für wen sie sich letztlich lohnt.

 

 

Was genau ist eine private Krankenversicherung eigentlich? Was unterscheidet sie von der gesetzlichen?

Eine private Krankenversicherung unterscheidet sich in einigen Punkten von der gesetzlichen Krankenversicherung. Zunächst einmal - und das halte ich für einen der wichtigsten Unterschiede – im Leistungsumfang. Während die gesetzliche Krankenversicherung quasi per Gesetz in den Leistungen festgelegt ist, kann man sich bei der privaten Krankenversicherung seinen Versicherungsschutz selbst aussuchen und zusammenstellen. Ein weiterer sehr wichtiger Unterschied ist, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen im Prinzip nach belieben gekürzt werden können. Das kann eine private Krankenversicherung nicht, da es sich hier um einen privatrechtlichen Vertrag handelt.


Ist eine private Krankenversicherung teurer?

Die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen richten sich nach dem Einkommen. Somit zahlt jeder aktuell im Schnitt 15,5 % seines Bruttoeinkommens als Krankenkassenbeitrag. Die private Krankenversicherung richtet sich nicht nach dem Einkommen, sondern nach den gewählten Leistungen. Der Beitrag verändert sich dann nicht wenn man mehr Einkommen hat. Insofern kann man das zwar nicht im Allgemeinen sagen, aber für viele meiner Kunden lohnt sich eine private Krankenversicherung. In der Regel sind die Beiträge günstiger bei: Angestellten mit gutem Einkommen, Beamten, Beamtenanwärtern und Referendaren, und oft auch bei Existenzgründern und Selbständigen, die jünger als 40 sind und in die private Krankenversicherung wechseln.

 

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Welche Vorteile hat eine private Versicherung gegenüber einer normalen?

Neben den wesentlich besseren Leistungen ist die Möglichkeit des individuellen Selbstbehaltes ein Vorteil, da man so seinen Beitrag reduzieren kann. Außerdem kann die private Krankenversicherung keine Leistungen kürzen oder rausstreichen, so wie es die GKV darf. Wie oben schon gesagt, steigen die Beiträge außerdem auch nicht mit dem Einkommen.

 

Welche Nachteile hat sie?

Ein “Nachteil” ist die Komplexität. Da man in der Regel bei der Privaten Krankenversicherung eine Entscheidung für das restliche Leben trifft, ist es hier zwingend nötig, einen Makler (keinen Versicherungsvertreter!!!) zu konsultieren. Es gibt relativ viele Punkte im sogenannten “Kleingedruckten”, die einen Versicherten viele Jahre später teuer zu stehen kommen können, wenn man diese nicht beachtet. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Versicherungen eine sehr gründliche Gesundheitsprüfung bei Abschluss durchführen. Außer bei den Beamten besteht in der PKV kein Zwang für Versicherer, die Kunden auch anzunehmen. Auch hier ist es wichtig, einen Profi an der Seite zu haben. Ich habe in der Vergangenheit oft Fälle erlebt, in denen Vertreter dem Kunden gesagt haben, man müsse bei der Beantwortung der Gesundheitsfragen das eine oder andere nicht so genau nehmen. Das führt irgendwann zu bösen Überraschungen.

 

Für wen eignet sich eine private Krankenversicherung, für wen eher nicht?

Wie schon gesagt, ist die PKV für fast alle Beamten, Anwärter und Referendare bedingungslos zu empfehlen. Darüber hinaus für jeden, der Wert auf vernünftigen Versicherungsschutz legt. Vorsicht ist geboten bei größeren Familien, da für jedes Kind ein eigener Beitrag zu zahlen ist. Dennoch versichern sich auch viele Familien in der PKV, da gerade für Kinder der Schutz um einiges besser gestaltet werden kann. Ebenfalls genauer rechnen muss man, wenn man über 45 ist, und sich in der PKV versichern möchte. Da die privaten Krankenversicherungen einen Teil des gezahlten Beitrages als sogenannte Alterungsrückstellungen bei Seite legen, braucht man hier genügend Zeit, um sich ein finanzielles “Polster” fürs Alter anzusparen. Deshalb macht der Wechsel ab einem gewissen Alter nur noch im Ausnahmefall Sinn.

 

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Worauf sollte man bei den abgedeckten Leistungen unbedingt achten, damit man im Ernstfall gut versorgt ist?

Viele Vertreter machen Werbung mit guten Leistungen im Bereich der Brillen, oder mit Dingen wie einem Zweibettzimmer im Krankenhaus. Das sind aber genau die Dinge, die eigentlich nicht dem Sinn einer privaten Krankenversicherung entsprechen. Man sollte zuerst die Existenzbedrohenden Risiken vollumfänglich abdecken. Dazu gehört zum Beispiel, sich den Hilfsmittelkatalog genau anzusehen, da dort die technischen Geräte enthalten sind, welche im Ernstfall auch mal größere 5-stellige Beträge kosten können. Darüber hinaus sollte man auf die sogenannten Preis-/Leistungsverzeichnisse achten. Über diese legt ein Versicherer fest, was er bereit ist für eine bestimmte Leistung des Arztes/Zahnarztes zu zahlen. Auch hier kommen schnell größere Eigenanteile zusammen, wenn man sich nicht auskennt.

 

Stimmt es dass man nach einem Wechsel zu einer privaten nicht mehr in eine gesetzliche Kasse kann?

Nein, das stimmt so nicht. Das ist ein Argument, welches gerne von Vertretern gesetzlicher Krankenkassen angeführt wird, um Kunden zu verunsichern. Mit Leistung oder besserem Beitrag kann die GKV ja in der Regel keine Punkte machen. Es ist zum Beispiel so, dass jeder bis zu einem Alter von 55 Jahren immer dann wieder in die gesetzliche Krankenkasse zurück MUSS, wenn man unter die Jahresarbeitentgeltgrenze (2016 voraussichtlich 56.250 EUR im Jahr) beim Verdienst fällt, oder wenn ein bisher Selbständiger wieder zum Angestellten wird.

 

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Kann eine private Krankenversicherung pleite gehen?

Theoretisch wäre das denkbar. Ja. Dafür wurde aber eine Sicherungsgesellschaft (Medicator) geschaffen, die im Prinzip wie ein großer Geldtopf funktioniert, in den alle privaten Krankenversicherer ein wenig Geld einzahlen, und aus dem dann eine Versicherung gerettet werden kann, falls es wirklich soweit kommt. Da die privaten Krankenversicherungen die Beiträge laufend an die aktuelle Entwicklung im Gesundheitswesen und die Inflation anpassen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass ein Versicherer in diesem Bereich Pleite geht.


Worauf sollte man achten wenn man eine private Krankenversicherung abschließen will?

Am wichtigsten ist es aus meiner Sicht, sich von einem wirklichen Fachmann beraten zu lassen. Ein Versicherungsvertreter, der nur für eine Gesellschaft arbeitet, scheidet da meistens schon aus. Auch wenn dieser sich fachlich vielleicht auskennt, ist er nicht verpflichtet auf die Vorteile anderer Angebote hinzuweisen. Eine private Krankenversicherung lässt sich später nicht einfach so wieder wechseln, wie man das bei einer Autoversicherung oder Haftpflichtversicherung tun kann. Daher müssen Entscheidungen für eine Gesellschaft oder einen Tarif auf der Grundlage einer umfassenden und neutralen Beratung getroffen werden. Ich biete Beratungen dazu als Online-Beratung an, bei denen ein Kunde bequem an seinem PC oder Tablet sitzt, und sich von mir jeden einzelnen Leistungspunkt und alle Relevanten Fragen zur PKV erklären lassen kann. So lässt sich der Online-Gedanke gut mit einer ordentlichen Beratung kombinieren. Man sollte hier auf jeden Fall vermeiden, etwas einfach über einen Onlinerechner abzuschließen. Das geht in den meisten Fällen schief.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Geldscheine und Geldmünzen: Andreas Hermsdorf  / pixelio.de; Gesundheitskarte: Lupo  / pixelio.de; Kranker Teddybär: Simone Hainz  / pixelio.de

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