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Wie ist der Alltag eines Arztes im Krankenhaus? Zorgcooperations erklärt es uns im Interview

Krank werden wir alle mal jedes Jahr, eine Statistik dazu gibt es leider nicht. Die durchschnittlichen 12,6 Fehltage eines Angestellten in Deutschland lassen sich nur heranziehen wenn man Schwimmbad, Breaking Bad durchgucken und Biergarten als neue Krankheiten anerkennt. Wenn wir aber doch mal ein wirkliches Problem haben, sind zum Glück über 365.000 Ärzte in Deutschland dort, um uns bei den verschiedensten Dingen zu helfen. Als Patient kennen wir das alles ja, aber wie sieht die Behandlung aus der Sicht des Arztes aus? Das kann uns heute im Interview Zorgcooperations erklären. Sie ist Ärztin in einem Krankenhaus und hält ihre täglichen Erlebnisse und Gedanken auf ihrem Blog fest. Heute im Interview erfahren wir, wie man Arzt wird und wie der Tag als Arzt so aussieht.

 

 

Wie bist du dazu gekommen, Ärztin zu werden?

Mein Unterbewusstsein wollte das schon immer. Im Erstehilfekurs für Erstautofahrer dachte ich daran wie toll das wäre ein Rettungssanitäter zu sein, beim komischen Studientag-für-orientierungslose Schüler meldete ich mich für die Medizinvorstellung an und traute mich nicht hin. (Stattdessen habe ich die Abteilung für Geographie gesucht und nicht gefunden.)

Ich war nämlich so ein echt superunauffälliges Kind. Mein Chemielehrer wusste nicht wie ich hieß. Da erschien die Option Arzt unerreichbar. Als wirklich unauffälliges Kind habe ich mir zum Beispiel alle Mitarbeitsnoten ruiniert (Zu viel Reden zerstört jegliche Camouflage). Das ist schlecht für den Arzt 1,0 Notenschnitt. Nachdem ich dann aber trotzdem einen Beruf brauchte und feststellte, dass ich für meinen Kindheitstraum „Tiefseetaucher“ zu unsportlich war, mein räumliches Vorstellungsvermögen die Wahl des Raumschiffpiloten ebenfalls nicht ermöglichte, da dachte ich sehr lange nach und beschloss trotz allem Arzt zu werden. (Wie ich das dann getan habe, in eine andere Geschichte.)


Wie sieht der Ausbildungsweg eines Arztes aus, von Studiumsbeginn bis zum fertigen Arzt?

Schritt 1: Versuchen unglaublich toll in der Schule zu sein oder zumindest reiche Eltern zu haben. Ist man eher so eine durchschnittliche, normale Person, dann kann man sich mit komischen Medizinertests (Nein, ihr räumliches Vorstellungsvermögen liegt unter jeglichen Erwartungen! Das wird nichts mit Raumschiffpilot. (Ernsthaft. Ich kann keine Würfel in meinem Kopf drehen.)) und Ausbildungen rumschlagen oder einfach unglaublich lange warten, bis man dann eine Zulassung zum Studium hat.

Schritt 2: Studieren. Ganz viel lernen. Nicht nervös werden.

Schritt 3: Ein Praktisches Jahr machen. Als Praktikant in einer Klinik wild rum rennen, allen in Weg rumstehen, mehr lernen, sich schon etwas ärztlich fühlen.

Schritt 4: Abschlussprüfung bestehen. Aktuell bestehend aus eine schriftlichen superkomplizierten Ankreuzprüfung vor dem Praktischen Jahr und einer aufregenden mündlichen Prüfung danach.

Schritt 5: Haufenweise Papierkram ausfüllen und eine Approbation beantragen. Fertig. Jetzt ist man Arzt.

 

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Ein Doktortitel sagt ja nicht aus dass man Arzt ist (man kann ja auch Doktor zum Beispiel in Geschichte sein). Welches Kürzel bezeichnet einen als Arzt?

Dr. med. wäre zumindest der medizinische Doktor. Aber wie in der Frage erwähnt man kann auch ohne Doktortitel Arzt sein. Da gibt es keine weiteren Kürzel, die einen als „Nur-Arzt“ beschrieben. Aber Arzt ist ja auch kurz. (Jedoch nicht genderkorrekt.)

 

Als Ärztin hast du ja viel mit kranken Menschen zu tun. Wirst du da häufig selbst krank?

Ein bis zwei Mal im Jahr trifft mich eine 08/15 Erkältung. Prinzipiell fürchte ich mich aber, hypochondrisch wie man als Arzt so ist, bald eine akute Ansteckung an Tuberkulose, Läusen, Krätze, Influenza, Windpocken (Ich hatte als Kind schon Windpocken!), Ebola oder zumindest einem Norovirus zu erliegen. Ich benutze Desinfektionsmittel. Viel. Und manchmal auch einen FFP3-Mundschutz.

 

Siehst du eine Krankheit oder eine Verletzung bei dir selbst anders seit du Arzt bist?

Als Arzt ist man ja immer gleich sehr viel hypochondrischer (siehe oben): Woah, hier ein komischer Fleck auf meiner Hand. Das ist bestimmt Syphilis. Oder ein Tumor. – Oh war nur Dreck. Man beruhigt sich da auch schnell wieder.

 

Was für ein dickes Fell muss man als Arzt haben? Darf man Patientenschicksale an sich heranlassen oder muss man sich komplett distanzieren?

Ein Mittelweg ist förderlich. Das ist jetzt eine langweilige Antwort. Ein gewisses Maß an Mitgefühl und Verständnis fördert auf jeden Fall die Beziehung und Betreuung zum und mit dem Patienten. Wichtig ist aber auch nicht alles nach Hause zu nehmen oder nachts anstatt zu schlafen über das tragische Schicksal vom Patienten X zu sinnieren. Sonst dreht man sehr schnell durch.

 

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Das Leben oder zumindest das Wohlergehen eines Patienten liegt ja in deiner Hand. Hat man da einen gewissen Druck oder denkt man da gar nicht drüber nach?

In der Inneren Medizin gibt es einen großen Haufen an Leitlinien. Da ist dann nicht allzu viel von der eigenen Kreativität abhängig. Eher davon, dass man sich damit beschäftigt und im Zweifel jemand Erfahreneren (den Oberarzt um ein willkürlich gewähltes Beispiel zu wählen) fragt. Das ist meistens machbar und damit nicht so beunruhigend wie es sich anhört. Für Notfälle ist es natürlich praktisch schon eine gewisse Ahnung zu haben, da steigt der eigene Puls in der Regel proportional zu dem des Patienten.

Wenn ich zuhause darüber nachdächte, was alles passieren könnte, würde mich das nur unglaublich nervös machen (Woah, was tu‘ ich wenn ein Patient mit Asthma instabil wird? Und der Anästhesist keine Zeit hat? Dann muss ich selber intubieren! Überhaupt, was, wenn der Patient allergisch reagiert auf ein beliebiges Medikament, das mir nicht einfällt? Und wenn dann die Krankenschwester tot umfällt? Und dann ein Brand ausbricht und ich alle Patienten evakuieren muss. Alleine. In der Nacht. Während eine entlaufene Kuh den Eingang blockiert.)

Meine persönliche Strategie ist das allgemeine Vorgehen bei Notfällen im Kopf zu haben und mit allem was dann an Besonderem auftritt, beschäftige ich mich, wenn es denn auftritt.

 

Als Arzt muss man ja sicher viele unappetitliche Dinge machen (manchen reicht ja schon Blut sehen für eine Magenentleerung). Kostet so etwas Überwindung?

Ha, in diesem Fall ist der Arzt gut raus, denn wenn zum Beispiel der Patient seinen Darm ins Bett entleert, dann ruft man eine Krankenschwester und sagt irgendwas wie: „Joa, der Herr Blaumüller, der hat gerade eingestuhlt.“ Das war dann meistens der ärztliche Beitrag zu der Sache. Hier spreche ich auch offiziell meinem freundlichen Krankenpflegepersonal meinen Dank und großen Respekt aus.

Ich mache viel weniger unappetitliche Dinge als die Krankenschwestern. Blut stehe ich außerdem recht neutral gegenüber. Das hilft natürlich der Standfestigkeit.

 

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Ein Tischler, der am Arbeitstag 10 große Tische gebaut hat kann sagen „heute hatte ich einen guten Tag.“ Wann hat man als Arzt einen guten Tag?

Wenn der mühsam ausgedachte Therapieplan funktioniert, der Patient zufrieden ist, das Krankenpflegepersonal das gute ärztliche Management der Station gelobt hat und der Oberarzt einem zu oben genannten Therapieplan gratuliert. Wenn man dann zwischendurch vielleicht noch einen akuten Notfall professionell entschärfen konnte, dann wäre das für mich ein guter ärztlicher Tag gewesen. So ein guter ärztlicher Tag ist daher aber auch zu einem gewissen Grad Glücksache. Krankheiten verhalten sich bekanntermaßen nicht immer plangemäß.


Was macht dir Spaß an deinem Job?

Das meiste. Ich betreue gern meine Patienten, stelle irgendwelche Pläne auf und ein vernünftiger Ultraschall ist auch immer sehr erfreulich. Außerdem habe ich einen absurden Formularfetisch und fülle gern Zettel aus. Das ist vorteilhaft in der inneren Medizin.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Arzt und Patient: Ligamenta Wirbelsäulenzentrum  / pixelio.de ; Tabletten: Dirk Kruse  / pixelio.de; Gesundheit an der Glasscheibe: www.einstellungstest-polizei-zoll.de  / pixelio.de

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