Reisejournalistin Titelbild

Wie wird man Reisejournalistin? Frances über den Alltag als freie Reisejournalistin

Wenn man in den Urlaub fahren will, hat man die Qual der Wahl. In welche der rund 206 Länder auf dieser Erde soll es gehen? Und wohin innerhalb dieser Länder? Um einen die Entscheidung zu erleichtern, gibt es gerade im Internet sehr viele Berichte, Stories und Bilder von den verschiedensten Orten auf dieser Erde. Das ist mittlerweile eine Art Selbstverständlichkeit, aber irgendjemand muss all diese Orte ja mal bereist haben. Und genau das ist die Aufgabe von Reisejournalisten, wie meiner heutigen Interviewpartnerin Frances. Sie arbeitet als freie Journalistin (mehr auf ihrem Blog und ihrer Homepage) und erklärt uns heute im Interview den Beruf als Reisejournalistin, ihre Vorliebe für Australien und mehr.

 

 

Wie bist du dazu gekommen, Reisejournalistin zu werden? Braucht man dafür ein Studium?

Schon seit frühester Kindheit habe ich sehr gerne Aufsätze in der Schule geschrieben und war schon immer eine kleine Leseratte – vor allem Bücher und Zeitschriften haben es mir angetan. Außerdem bin ich nach wie vor vom Reisen allgemein und von den unterschiedlichsten Kulturen dieser Welt fasziniert, all das sind wesentliche Bestandteile meines jetzigen Berufes.

Für mein Studium bin ich dann in die Medienmetropole Köln gezogen, um dort Medienwirtschaft zu studieren. Mein Praxissemester habe ich in der Redaktion bei dem Fernsehsender VOX in Köln absolviert und fand es total spannend hinter die Kulissen verschiedenster TV Formate zu schauen. Für meine Diplomarbeit entschloss ich mich für fünf Monate in mein Lieblingsland Australien zu gehen und dort in einem der größten australischen Verlage in Sydney zu arbeiten. Ich recherchierte vor Ort für mein Thema “Vergleichende Analyse des deutschen und australischen Buchmarkts” und bekam gleichzeitig Einblicke in die Arbeit eines Großverlags.

Während meines mehrmonatigen Auslandaufenthaltes in Australien von 2009 bis 2010 habe ich natürlich sehr viel erlebt und habe dann über meine Erlebnisse und Eindrücke für verschieden Print- und Onlinemedien in Deutschland geschrieben. Abends habe ich noch einen interessanten Journalismus Kurs an der Universität in Sydney besucht, um auch meine theoretischen Kenntnisse auf diesem Gebiet zu vertiefen. Schon schnell stand für mich fest, dass ich in Deutschland noch ein zusätzliches Studium – Journalismus an der Freien Journalistenschule in Berlin studieren werde um gleichzeitig weiterhin als (Reise) Journalistin arbeiten zu können.


Kann man sich denn aussuchen wo man hinreist oder wird man da praktisch um die Welt geschickt?

Als freie Journalistin suche und bestimme ich die Themen meiner zukünftigen Artikel und somit auch Reisen zum größten Teil selbst, da man schließlich komplett in Vorleistung (Flug, Hotelkosten, Verpflegung sowie Kosten für die Recherche) geht. Ich plane meine Termine im In- und Ausland, organisiere meine Interviews selbständig, recherchiere und schreibe meine Artikel, fotografiere mit meiner Digitalkamera und wähle auch die passenden Fotos für meine Artikel selbst aus. Konkrete Absprachen mit den jeweiligen Redaktionen sind deshalb unerlässlich. Denn auch im Journalismus gilt: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

 

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Was macht man dann konkret? Berichtet man über Urlaubsziele und Hotels oder über Nachrichten aus dem Land?

Die verschiedensten Berichte über diverse Urlaubsziele und Hotels findet man heutzutage schon auf unzähligen Reise-Blogs oder auch Bewertungsplattformen wie zum Beispiel TripAdvisor, das hat mit richtigem Journalismus aber nicht mehr sehr viel zu tun.

Ich selbst berichte von verschiedenen Erlebnissen, die ich im jeweiligen Land vor Ort erlebt habe auf meinen Reisen: zum Beispiel von einem persönlichen Marktbesuch mit dem israelischen Master-Chef Tom Franz in Tel Aviv, von interessanten Sightseeing Touren auf Malta oder Gozo, abseits der Touristenpfade oder von meinen abwechslungsreichen Abenteuern in Australien (Ayers Rock Tour, Western Australia und Northern Territory) oder schreibe von ursprünglichen Reisezielen wie zum Beispiel aus dem Norden von Thailand, wo die Natur noch fast unberührt zu sein scheint.

 

In welchen Ländern warst du schon alles?

Ich habe, wie schon oben erwähnt, damals in Australien angefangen als Journalistin zu arbeiten, bin dann noch nach Neuseeland gereist, war auf Fidschi unterwegs und habe von dort ebenso berichtet. Inzwischen war ich auch sehr viel in Asien unterwegs: unter anderem in Thailand, Vietnam, Malaysia, Kambodscha, Myanmar, Laos und Singapur. Außerdem bin ich beruflich auch noch in europäischen Ländern wie Portugal, Spanien, Italien, Israel oder auf Malta und der Insel Gozo gewesen.

 

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Du warst da ja schon in einigen schönen Ländern. Wie viel Prozent dieses Jobs sind Urlaubsfeeling und wie viel Arbeit?

Eine meiner letzten geschäftlichen Reisen hat mich beispielsweise nach Malta geführt. Ich hatte fünf Tage lang ein sehr straffes Programm und war von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends unterwegs. Tagsüber hat man als Journalistin sehr viele Termine und lernt die unterschiedlichsten Persönlichkeiten kennen, man macht sich natürlich währenddessen Notizen aber die Texte müssen trotzdem zeitnah geschrieben, die Fotos gesichtet und als Artikel veröffentlicht werden. So sitzt man nicht selten auch noch spätabends manchmal sogar bis nachts in den Hotel-Lobbys und ist dankbar wenn die Hotels kostenloses WLAN zur Verfügung stellen. Mit Urlaubsfeeling hat das ganz sicher nichts zu tun.

Natürlich sieht man sehr viel in dieser Zeit, aber hetzt leider auch von Termin zu Termin und kann die Schönheiten der jeweiligen Länder gar nicht richtig wahrnehmen. Zum Glück hatte ich am letzten Tag der Pressereise wenigstens noch den Vormittag frei, so dass ich die Zeit genutzt habe einfach mal für ein paar Stündchen noch etwas Sonne, Strand und Meer zu genießen bevor es wieder zurück zum Flughafen und ab in den Flieger ging.

 

Wie lange bist du da am Stück unterwegs?

Das ist vollkommen unterschiedlich. Bei Ländern in Europa bin ich meistens nur maximal eine Woche unterwegs. Das letzte Mal in Australien war ich im April 2013 und war ganz froh wirklich einen ganzen Monat Zeit zu haben um die Westküste und den Norden zu bereisen. Ein kürzerer Aufenthalt bei Fernreisen würde sich auch finanziell nicht lohnen, man braucht einfach die Zeit sich an die jeweilige Zeitzone zu gewöhnen, zu reisen und die Geschichten in dem Land zu finden, über die man berichten möchte oder soll.

 

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Welches Land oder welcher Ort hat dir bis jetzt am besten gefallen?

Mein absolutes Lieblingsland ist und bleibt einfach Australien. Es ist kulturell, landschaftlich und wettertechnisch einfach ein Traum und ich habe mich vor allem in Sydney sofort wie Zuhause gefühlt. Aber Neuseeland ist auch ein wunderschönes Land, was sehr viel mehr als nur die berühmten Filmkulissen von „Herr der Ringe“ oder vom „Hobbit“ zu bieten hat. Traumhafte Landschaften, einsame Strände und Buchten, Berge und Vulkane, Wälder und Weinberge. In Asien gefällt mir Thailand nach wie vor am besten, vor allem der Norden und die kleineren Inseln wie zum Beispiel Koh Mook, Koh Rok, oder Koh Tao.


Braucht man ein wenig Glück um an so einen Job zu kommen? Rumreisen und dafür bezahlt werden ist ja für viele ein Traum.

Ich glaube die meisten haben eine völlig falsche Vorstellung von diesem Job und stellen sich das alles so vor, als ob man als Reisejournalistin grundsätzlich nur in der Business Class fliegt, prinzipiell nur in 5 Sterne Luxus-Hotels eincheckt, die Hälfte des Tages an irgendwelchen einsamen Sandstränden oder am Hotel-Pool liegt und Cocktails schlürft und ganz nebenbei schreibt und dafür mindestens 5000 Euro im Monat bekommt. Weit gefehlt! Als freie Reisejournalistin buche und bezahle ich meine Reisen alle selbst, fliege meistens mit Low-Budget-Airlines oder fahre als BahnCard Kunde mit der Bahn, übernachte in günstigen Hostels oder nutze Airbnb für passende Unterkünfte. Meine Termine plane und organisiere ich selbstständig und biete meine Themen sowie fertigen Artikel den jeweiligen Redaktionen zeitnah an. Das Honorar für den jeweiligen Artikel entscheidet dann darüber, ob die Reise erfolgreich war und natürlich auch darüber in wieweit die entstandenen Kosten gedeckt sind. Deshalb ist es als freie Reisejournalistin extrem wichtig schon vor den Reisen die entsprechenden Honorare abzusprechen beziehungsweise auszuhandeln um danach kein blaues Wunder zu erleben.

 

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Kann man als Journalist eigentlich generell von überall aus arbeiten?

Als (freier) Journalist(in) kann man sicherlich von überall aus arbeiten. Wichtig dafür sind aber neben einem guten Schreibstil auch ein gewisses Maß an Eigendisziplin und Mut zu haben. Ansonsten braucht man einen gut funktionierenden Laptop, Internet und eine gute Kamera und das Gespür für interessante Geschichten sowie Empathie für seine Mitmenschen.


Was macht dir Spaß an deinem Job?

Vor meinem Studium habe ich eine kaufmännische Ausbildung absolviert und habe schnell gemerkt, dass monotone und immer wiederkehrende Arbeitsabläufe absolut nichts für mich sind. Deshalb liebe ich es als Journalistin viel unterwegs zu sein, egal ob im Inland oder Ausland und nicht nur jeden Tag meine neun bis zehn Stunden im Büro zu sitzen. Ich finde diese Abwechslung und die Kreativität des Berufes einfach toll, immer wieder neue Menschen und Orte kennenzulernen, Hintergründe zu recherchieren und darüber zu schreiben, sich selbst neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen und das man sich seine Zeit selbst einteilen kann. Journalistin zu sein, ist für mich nicht nur irgend ein Beruf, sondern eine Art Berufung.

 

 

Bilder: Titelbild: Clker; Bilder im Artikel: Frances Teuchert / http://www.francesteuchert.de/

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